Late Night Show mit Famara
Text: Monthy
Bilder: Eve/Monthy
Famara ist spätestens seit seinem vorletzten Album Famasound so etwas wie der schwärzeste Schweizer. Im Bereich Ragga - Reagge kennt der energiegeladene Thomas Nikles alias Famara jedenfalls kaum Konkurrenz hierzulande. Deshalb ist er auch dauernd unterwegs und machte dabei letzten Samstag auch in Adelboden halt, um dem Vogellisi zum Tanz aufzuspielen. Dass er direkt von Köln herkam, wo er am Nachmittag einen Gig gespielt hatte, schien Famara nichts anhaben zu können. Monthy harrte weit weniger tapfer aus, wie euch die Vogellisi-Gallery erzählt, doch als ich Famara um vier in der Frühe endlich vor dem Mikro habe, tue ich besser daran, wach zu sein. Mein Gegenüber ist nämlich trotz nachtschlafender Zeit quicklebendig.
Ich werfe Famara schmunzelnd vor, dass man ihn mit seinem ´Famaranisch´ ja nicht einmal zwischen den Songs richtig verstehe. Seine Augen blitzen auf: "Ja, das ist natürlich absolut erdig und roots-ig, he... Das Lustige ist, dass ich eigentlich genau weiss, was ich da plappere. Es ist famaranisch, ja, mit gewissem Hintergrund. Aber ich denke wir kommen eigentlich bei den Leuten so gut rüber, dass es nicht so wichtig ist, wenn man nicht alles oder nicht alles ganz versteht." Die Mischung aus englisch und afrikanisch stammt jedenfalls nicht aus Basel. "Es ist ein absolutes Kauderwelsch zwischen englisch und afrikanisch", erklärt Famara, "so genanntes Broken English, also gebrochenes Englisch, wie man es in Afrika tatsächlich spricht. Ist nicht wirklich so wie bei der Queen, aber das wär auch schade bei Reagge, gäll..." Er lächelt schalkhaft und wenn wir schon bei Sprachen sind, muss ich Nikles auf seine Muttersprache ansprechen, die im Song "Miss Kanuku" auf Double Culture erstmals von Famara zu hören ist. Mundart - Trend oder Bedürfnis? - "Bei Miss Kanuku war das Bedürfnis vorhanden, diese Verschmelzung der Sprachen zu versuchen. Es passt rein und ich finde diese Vermischung einfach geil. Ich wollte das also wirklich machen!"
Im Unterschied zum sehr kompletten Famasound-Album ist Double Culture viel einfacher gehalten, bringt viel Roots-Reagge, teils wiederkehrende Tunes oder - naheliegend und bei Famara gerade deshalb überraschend - akustische Gitarren. Bei Famaras enormem Live-Pensum liegt da der Verdacht nahe, er habe vielleicht nicht allzu viel Zeit darauf verwenden können. Meine vorsichtige Frage wird aber dementiert: "Das ist jetzt die neue Richtung, ein leicht anderer Sound. Ich finde auch sie tönt gar nicht etwa müde, aber schon ruhiger. King Mattafale oder Talisman mit der Roboterstimme finde ich ganz geil. Es ist ein anderer Style und war total so gedacht." Schliesslich spreche ich Famara doch noch auf seinen Gig in Köln an und verbinde damit die Frage, ob touren halt einfach sein Leben sei? Famara: "Ja, sieht so aus. Einfach spielen, spielen, spielen... Wir sind gerade gefragt, dann muss man das machen. Und sogar um diese Uhrzeit haben wir noch ein tolles Konzert gehabt, ich denke das sagt alles. Ist ja nicht eine Zeit, zu der ein Mensch noch solche Leistungen vollbringen sollte. Jetzt haben wir zwei Wochen frei und ich freue mich schampar darauf." Dieser Aufforderung zum Auf- und Zusammenbruch gebe ich um exakt 04.13 Uhr gerne nach.
Ich frage Famara, ob das Cover seiner aktuellen CD Double Culture ein Sinnbild für sein Innenleben sei? - "Ja, das ist genau so gedacht. Die beiden Köpfe, ein weisses und ein schwarzes Gesicht symbolisieren meine schwarze Seele innen drin und das weisse das aussen ist. Darum heisst das Album auch Double Culture. Innen durch ist es effektiv schwarz." Ich wundere mich, woher das kommen mag. Genetisch bedingt ist es jedenfalls nicht. "Ich denke, es ist eine ganz natürliche Angelegenheit. Es ist etwas Wunderbares, das bei mir einfach so ist. Ich muss es nicht suchen oder verkrampft hervorholen, sondern es tritt einfach hervor in dem Moment, in dem ich es brauche. Das ist die schwarze Seite - sie ist einfach da...", sagt Famara dazu und wer ihn schon live gesehen hat, glaubt ihm das auch sofort.