Family Force - auf den Spuren der Gründerväter
Text: Ko:L
Bilder: Monthy/Ko:L
Sie wollten bloss mal etwas mehr Publikum haben, holten sich einige andere Bands, karrten einen Lastwagenanhänger auf den Gampjer Sportplatz und rockten 1986 an einem August-Abend los: Die Walliser Bluesrocker Family Force. Seit 1998 gibts die Band nicht mehr - das Rockfest hat überlebt, wurde zum Openairfestival Gampel und ist heute das grösste Openair der Schweiz. Und weil heuer zum 20. Jubiläum des Mega-Events noch etwas mehr gefeiert wurde, als andere Jahre, durften auch die alten Mannen wieder ran - für eine exklusive Reunionshow am Donnerstag Abend im Rahmen des "Best Of Gampel"-Abends.
"Medienchef Oli Imboden kam im Frühjahr zu mir und sagte, wir müssten diesen Sommer wieder zusammen spielen", erzählt FF-Bässeler Albi Zengaffinen. Das Festival-OK, zu dem Zengaffinen als Sicherheits-Boss auch heute noch zählt, hatte im auf der Homepage des Festivals eine Umfrage lanciert, wer heuer zum Jubiläum denn aufspielen soll - und siehe da: Die Gründerväter rangierten unter den Top 10. Und so ging´s "irgendeswenn nam Oschterhasi" nach sieben Jahren wieder gemeinsam in den Übungsraum. Vor allem für Drummer Gerhard ein gewagter Schritt. Er war schon 1991 bei FF ausgestiegen und durch Aldo Rotzer, heute VR-Präsident der Openair Gampel AG, ersetzt worden. "Beim Drum wird man vom Sound her wohl den grössten Unterschied ausmachen können, besonders wegen der technischen Veränderungen der letzten Jahre", gibt der Family Force Ur-Trommler zu Protokoll. Sein Schlagzeug hat er übrigens eigens für den Gampjer Gig wieder zurückgeholt - von einem jungen Musiker, dem er es ausgeliehen hatte.
"Bluesrock ist schwer im kommen. Du wirst sehen, unsere Kinder werden irgendwann nur noch diesen Sound hören", meint Gitarrist Heinz und lacht. So wirkliche Zukunftspläne hat die Family Force aber trotz des gelungenen Reunion Gigs nicht wirklich: "Wir hören oft die Frage, was wir aus diesem Auftritt machen", erklärt Heinz. Es sei möglich, dass, sofern er von Nachfragen überhäuft werde, vielleicht eine Best-Of CD in den Verkauf komme, geplant ist aber nichts Konkretes. Sänger Thomas fügt dann aber doch noch an: "Mal davon ausgegangen, dass jetzt nicht weiss ich was losbricht, gehen wir davon aus, dass wir künftig alle sieben bis zehn Jahre mal was machen. Und sicher ist, dass wir richtig losrollen, wenn der erste siebzig wird!" Sagt´s, lacht und steigt mit den Band-Kumpels ins Auto, um nach Visp zur letzten Probe vor dem grossen Gig zu fahren. In den Übungsraum der Straits-Coverer Blend of Choice - wie sichs für echte Rock´n´Roller gehört in einem Industrieareal.
Und dann rockten sie los - die fünf alten Mannen auf der Gampjer Bühne 2. Zu schreiben, das Zelt sei voll gewesen, wäre überbrieben - aber gut und gerne 500 Leute, wenn nicht mehr, - ebensoviele, wie das erste Gampjer Festival überhaupt besuchten, wohnten dem Event bei. Und als Fronter Thomas fragte, wer damals schon dabei gewesen sei, ging gut die Hälfte der Hände hoch. Erfreulich: Auf die Frage, wer damals noch nicht geboren gewesen sei, reckte fast die ganze andere Hälfte das Pfötchen... So sind sie, die Walliser, stehen zum heimischen Schaffen. Und wenn´s wie im Fall der Family Force auch nach 20 Jahren und davon deren sieben im Keller, noch keinen Staub angesetzt hat, stehen die Walliser sogar mit Begeisterung zu diesem heimischen Schaffen. Die Transparente liessen einen auf jeden Fall erahnen, wie es damals gewesen sein muss, damals, als ein Mädchen mit Namen Sina zusammen mit ihren Freundinnen den Bandraum der Family Force belagerte... Na ja - ist auch verständlich, schliesslich war Family Force die erste Walliser Band, die es auch "inner Üsserschwiiz" zu einigen Achtungserfolgen brachte.