Fanoe – Down to heaven
Text: Eve
Bild: Cover
Das zweite Fanoe Album ist da. Damit ist es dem in Aarau geborenen und aufgewachsenen Dänen erneut geglückt, einen gewagten Bastard zwischen Rock und Future, sprich eine absolut authentische, lebendige Electro-Wave-Industrial-Rock-Kreuzung zu schaffen, die von Anfang bis zum Schluss dramatisch ist und bleibt. Erstaunlich autonom und losgetrennt von der 0815-Masse mischen sich hier Urmassen von straightem Rock, Electro-Fragmente, Technobrocken und Metal. Düster, schemenhaft und nebulös, mit mal geschrienen, mal geflüsterten Texten und eigensinnigen, grotesken Beats tauchen Bilder und Stimmungen auf, welche die Songs zu etwas Unikalem machen. Irgendwo zwischen Entstehen und Zerstören, sich öffnen oder in einsame Dunkelheit einschliessen... Mit viel Feingefühl für filigrane und vielschichtige Arrangements bewegt sich „Down to heaven“ partiell in verworrenen Landschaften. Bruchstücke verzweifelter Statements und ungeschminkte, erotische, Zeilen fallen auf. Leidenschaft, Hingebung und andere intensive Empfindungen wie Besessenheit, Todessehnsucht, Selbstmord und Drogen spiegeln sich sowohl auditiv wie textlich und reflektieren den Zerfall und die Perversion unserer Zeit. Sarkastisch und beißend wirft er mit Worten um sich, gibt einerseits viel von sich preis, überlässt andererseits gewisse Dinge lieber den Interpretationen der Zuhörer. Die Aussage der wenigen aber erlesenen Worte werden von den Melodien gefestigt und untermauert und nur zusammen ergibt es überhaubt einen Sinn. Fanoe zeigt sich von seinen unterschiedlichsten Seiten und in immer wechselnden Stimmungen - erschreckt, verblüfft und schockiert. Die Songs werden großteils von zähen, aggressiven Gitarrenriffs angeführt. Der Gesang, je nach Stimmungslage der Songs, mal reserviert, fast furchterregend, lauernd, verrucht oder ganz einfach verzweifelt und ohne Hoffnung. Bei den Aufnahmen des Albums wurden fast ausschliesslich analoge Sounds und Röhrentechnik verwendet. Dennoch wurde auf elektronische Spielart und Computertechnik nicht ganz verzichtet. Die durch den Vocoder gejagte Stimme, geräuschvolle Gitarren und schroffe Synthieflächen bewirken, dass die Lieder kalt, brachial und nur dürftig beseelt erscheinen. Die Düster-Songs existieren hauptsächlich von ihrer Intensität, der unbändigen Energie und unerschöpflicher Virtuosität. Frontmann, Gitarrist und Songwriter Klaus Fanoe hat sich zum Ziel gesetzt, seinen Industrial- und Electro-Rock ohne Hilfe eines Plattenlabels zu veröffentlichen und hat die Rondelle im eigenen Studio eingespielt und gemixt. Musikalische Unterstützung hat er dabei von Diana Perola am Bass und Marco Trachsel am Schlagzeug erhalten. Grandios gestaltet und ein absoluter Hingucker ist das ansprechende Cover und CD-Booklet - ebenfalls von Fanoe selbst kreiert. Dies ist, mit seinen Zwiespalten, den aparten Bildern aus der Pflanzenwelt - die einerseits natürlich, andererseits wirr und grotesk, bizarr und doch wunderschön daherkommen - nur ein weiteres Puzzleteil, das sich fugenlos in den Rest des Werkes einfügt. Kompliment!