Fanoe: Switzerland Is Not Enough
Text: Eve
Bilder: Ephraim Bieri
Der Freitag Abend im Mokka Thun begann schon recht deftig mit den regionalen FA Q. Die Electro-Poper überzeugten sichtlich mit Sound und Show und wärmten das Publikum so richtig schön auf. Darauf folgend dröhnte eine gänzlich apokalyptische Electro-Wave-Industrial-Rock-Symphonie, präsentiert von Klaus Fanoe und seinen beiden Musikern, durch den Club. Bevor sich jedoch die Hölle auftat, bekam ich die Gelegenheit, mit dem Sänger ein paar Worte zu wechseln. Ich muss gestehen, ich hatte etwas weiche Knie… Die Fotos, die ich bis dahin von Klaus gesehen hatte, ließen an Manson und ähnlich „böse“ oder „übergeschnappte“ Menschen denken. Dazu kam, dass mich meine Freundin, die ich zur Verstärkung mitnehmen wollte, im Stich ließ. Aber meine Befürchtungen waren grundlos, der Musiker wirkte keineswegs beängstigend, sondern sympathisch, klug und offen. Er erzählte mir von den Anfängen, von Zukunftsplänen, redete über die Texte, den Sound und über die `Schizophrenie’ eines Musikerlebens. Die Band existiert erst seit 2005 und hat einen steilen Start gehabt. Der Auftritt als Vorband von The Sisters Of Mercy im X-Tra war gerade mal ihr zweites Konzert. „Wir haben sehr schnell angefangen und merken jetzt, man muss dranbleiben. Es ist schwierig, an gute Gigs zu kommen. Die Konkurrenz ist riesig und da zu bestehen ist wirklich schwierig...“ gibt Klaus zu bedenken.
Ihr zweites Album haben sie Im Februar 2008 in der Schweiz herausgebracht. Doch diese ist ihnen nicht gross genug... Noch diesen Herbst soll „Down to Heaven“ über die Grenzen nach Deutschland wandern, dort releast werden, neue Türen aufstossen und vielleicht den einen oder anderen Auftritt ermöglichen. Jedoch erst als Vorgeschmack sozusagen, den vor allem auf das dritte Werk, das voraussichtlich im Jahre 2010/11 das Licht der Welt erblicken soll, setzt Fanoe seine ganze Hoffnung. „Unser nächster Schritt ist das dritte Album und das muss standhalten! Mit dem wollen wir alles riskieren und dann endgültig raus aus der Schweiz.“ Um das zu schaffen und noch authentischer zu werden, wollen sie vor allem die Band mehr integrieren, noch mehr Live-Schlagzeug aufnehmen und eventuell auch die weibliche Stimme von Diana hinzu nehmen. Ob’s mehr elektronisch oder doch eher rockiger werden soll, ist noch nicht sicher. „Beides reizt mich. Ich habe zum Teil Lust, viel düsterer zu werden und elektro-mässiger und andererseits habe ich Bock, mehr auf rockig zu machen. Es ist schwierig, mal sehen was herauskommt…“
Die Musik von Fanoe ist voll von Wiedersprüchen und Zerrissenheit. Aber nicht nur im Sound sind Zwiespälte, sondern auch in der Seele des Musikers. Privat und Bühne sind wie zwei Leben, zwei andere Personen, oder vielleicht wie die zwei Seiten ein und derselben Medaille. „Es ist schon ein wenig ein schizophrenes Leben.“ gibt Klaus zu „Ich lebe aber beide Seiten voll aus. Bei der Musik lasse ich einfach ganz andere Seiten an mir heraus als im privaten Umfeld. Ich finde es geil, beides sein zu können.“ Künstler haben die Freiheit, etwas schräg zu sein, das fördert ja bekanntlich auch die Kreativität. Und kreativ ist er, das beweist er nicht nur beim Musik machen, auch Homepage, CD-Cover und das auffallende Booklet mit den aparten Bildern aus der Pflanzenwelt, sind sein Werk. Das sei ein Zufall gewesen, erklärt mir Klaus, dass er auf diese speziellen Motive gekommen sei. Beim Spazieren am See ist er auf diverse Pflanzen aufmerksam geworden und hat die Bilder dann mit einer alten, analogen Kamera mit Makroeinstellung geschossen.
Empfindungen wie Besessenheit, Todessehnsucht, Selbstmord und Drogen spiegeln sich in Fanoe’s Texten. Meist düster, depressiv und sogar die Liebe hat einen bitteren Nachgeschmack. „Jetzt sind wir wieder bei diesen zwei Seiten…“ grinst der in Aarau geborene und aufgewachsene Däne „es hat schon Seiten an mir, die ein bisschen mehr die Abgründe sehen und Ängste. Aber es hat beides und die Texte sind teilweise ja auch ironisch gemeint, es ist nicht immer alles ernst zu nehmen... Ich habe mir wirklich sehr Mühe gegeben, dass die Texte auch wirklich etwas aussagen, einen Sinn ergeben, im Gegensatz zu früher, wo die Worte mehr Spielerei waren.“ Wer sich also etwas Zeit nimmt, um auf die Dichtungen von Klaus einzugehen, wird zum einen die Doppelschneidigkeit feststellen und zum anderen in einen tiefen, dunklen Abgrund blicken. Genau desshalb finde ich es auch positiv, dass die Elektro-Rocker aus Zürich vom optischen Schockieren etwas weggekommen sind. Zwar sind da schon noch schwarz geschminkte Ränder unter den Augen von Klaus und abgenutzte Kleidung und auch Marco Trachsel (Drums) und Diana Perola (Bass) sind - vielleicht nicht gerade böse, aber zumindest wild – gestylt. Aber nicht das Äussere von Fanoe soll unter die Haut gehen, sondern ihr Sound. Und das tut er auch!