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Figgdy Ernscht - Fiddiyo (Muve / Paraschizzo)

Text: Bäumli
Bild: Cover
CD-Cover: Figgdy Ernscht - Fiddiyo
Erst fünf Monate ist es her, als er mit „Miz Bluet“ seinen zweiten Longplayer releaset hat. Und nun steht schon dessen Nachfolger in den Regalen. „Fiddiyo“ heisst das gute Stück, 23 Tracks schwer ist es und die Beats sind meist düstere Synthesizer-Clubhymnen. Oh ja, Figgdy Ernscht is back! Das Intro zelebriert diese Rückkehr mit einer kleinen aber feinen Horrorschocker-Story um die Wiedergeburt von Figgdy Ernscht aka Fiddy Crank. Und dann wird Tacheles geredet. „Das isch nöd de neuschti Shit aber Dick i din Ass Bitch“ gibt Herr Ernscht im Titelstück „Fiddiyo“ zu Protokoll und die Hook ist von Ol’ Dirty’s Überhymne „Shimmy Shimmy Ya“ inspiriert („Fiddi Fiddyo Fiddya Fiddya, Fiddy is back put your hands in the air“). Der Beat von Paraschizzo-Hausproduzent Puppenspieler ist ein staubtrockener Club-Banger und weckt bei mir Assoziationen zu Pharrell. Und auf das erste folgen gleich Highlight Nummer zwei und drei. Die Beats – mit bösen Synthebässen und messerscharfen Claps versehen – bieten Fiddy dabei das perfekte Ambiente für seine lasziven Flows und direkten, teils ganz schön dreckigen Lyrics. Weiter geht’s mit Puppenspieler an den Reglern, schönen Pianoharmonien, gezielten Synthe-Hits und einem Hat, das dem ganzen Arrangement Drive verleit. Und Ernscht haucht die Hook ins Mic. 50 und Dré würden’s nicht besser machen. Dann der erste Dämpfer. Der Beat fährt die gleiche Schiene wie der Rest, nur fehlen die Akzente, wie der richtige Hit an der richtigen Stelle, die solche Clubhymnen erst interessant machen, gänzlich und die von Skarra Mucci eingesungene Hook langweilt. Das Zwischentief „Change“ wird aber alsdann vom nächsten Hoch namens „Get It Get It“ verdrängt. Rezept: Heisere Stimme, eingängige Hook und nice gechopte gospelartige Vocalfetzen, in der Art wie Kayne damals Ray Charles mit Hilfe von Jamie Foxx zum Gold Digger machte. „Äs wär jo scho schön wärsch nöd eine vo denä, wo nur no chunt wenn er chan profitiärä“ heisst’s dann im Track „Hüt lauft min Sh… im Club“ auf düsteren Synthe-Sphären. Und mit Synthesizer und Claps geht’s dann auch weiter. Sounds für die Clubs, für die bösen Buben, für die Representer, die Hustler und Homies. Meist nicht schlecht, aber eben auch nichts Besonderes sind die Tracks um die Hälfte der Spielzeit von „Fiddiyo“. Zu ähnlich und da und dort doch ziemlich ideenlos klingen vor allem die Beats. Skip. Bis zum Track Nummer 15. „Fi**dy“. Jedes dritte oder vierte Wort im Text ist Fi**dy. Fi**dy anstelle von Figgdy deshalb, weil jedes Mal wenn der Name fällt, eine Knarre nachgeladen wird. Schaurig plakativ mögen die einen das finden, aber mir gefällt’s, zu schön überzeichnet wird das ganze Szenario zelebriert. Ein weiteres Album-Highlight ist der Track „En Bueb wie…“, wo Figgdy Ernscht die Geschichte eines guten Freundes erzählt. Storytelling von feinsten auf einem ruhigen wunderschön melancholischen G Stallion-Beat. Danach trifft K-Master und seine Raps in Albanisch auf 0815-Synthe-Hits. 1:0 für die Raps. Und auch die nächsten zwei Songs leben mehr von den Raps als von den Beats, bevor G Stallion für Figgdy Ernscht’s Storytelling auf „Editha“ das Niveau der Rhythmussektion wieder merklich anzuheben vermag. Outro. Warten. Hidden Track über Vorl… ach, hört am besten selber rein. Gut 85 Minuten Spielzeit sind um. Figgdy Ernscht legt mit seinem dritten Studioalbum vor. Und zwar für diejenigen, die auf Synthesizer-Sounds und harten Rap stehen. Paraschizzo bringt mit diesem Release Rap auf den Plan, wie man ihn sonst nur von Acts aus den Staaten oder unserem nördlichen Nachbarn kennt. Parental Advisory Explicit Lyrics. Von billigem Abklatsch zu reden, wäre definitiv zu tief gegriffen, denn Figgdy Ernscht hat seinen eigenen Stil, den er konsequent durchzieht. Und auf böse Lyrics trifft Ehrlichkeit und in zwei Fällen feinfühliges Storytelling. Leider vermögen die Beats nur zur Hälfte zu überzeugen. Zu einfallslos und uneigenständig klingt eine Vielzahl der Synthe-Produktionen. Nichts desto trotz bringt „Fiddiyo“ – auch wenn das Album ganz bestimmt nicht jedermanns Sache ist –neue Aspekte in den Schweizer Rap. Attribute wie ‚gut’ und ‚schlecht’ wären hier fehl am Platz. Die einen werden „Fiddyo“ lieben, die andern hassen.

Kommentare von Benutzern

5/23/2012 5:02:29 AM Administrator
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    Mario von Ongatu, wir verneigen uns in Dank und kommen auf dich zu!
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