Fiji tanzt mit dem Regen
Text: Sandy
Bilder:
PartyGuide.ch
Fiji erinnert an eine Insel - umgeben von erfrischendem Wasser, einer wärmenden Sonne und klaren Sternennächten. Genau dies hat am Samstag auf dem Gurten gefehlt. „Wir haben uns zum Bandnamen nicht viel überlegt. Der Schriftzug ist sehr schön und einfach. Man kann sich den Namen gut merken. Und ja, er erweckt Gedanken an gute Sensationen und Sonne“, sagt Frontfrau Simone De Lorenzi vom Berner Trio in der trockenen und relativ warmen Zeltgarderobe. Zusammen mit den Brüdern Simon und Menk Schüttel heizt sie mit ihrem Elektro-Pop so richtig ein - dass der ganze Körper mittanzt und ins Schweben kommt. Am Gurten-Samstag wohl einfach soweit es der erschwerte Schlamm-Tanzboden vor der Waldbühne zuliess – wobei eine ganze Horde Unentwegter um zwei Uhr in der Nacht den Weg vor die Swiss-Stage gefunden und kräftig gefeiert hat.
Simone beschreibt ihren Sound so: „Wir sind Kinder der achtziger Jahre. Fiji versucht, diese Einflüsse mit Elektro modern zu gestalten. Wir reiten aber auch auf der neuen deutschen Welle. Wir bringen diese in unsere Form und hoffen, so eine neue Interpretation hinüber zu bringen.“ Auf der ersten CD „Rosy“ hat Simone Englisch gesungen, auf dem aktuellen Album „Le Loup“ singt sie nun Französisch. Die Muttersprache der Tessinerin ist aber Italienisch. „Ich singe bewusst nicht so, weil ich Distanz benötige, von dem was ich auf der Bühne bringe zum privaten Leben“, erklärt die Musikerin. Französisch sei ein sehr guter Kompromiss. „Die Sprache ist sehr sexy“, sagt Simone und leitet damit auch gleich zum nächsten Thema über.
Erotik, „Menage à trois“, „G-Punkt der Musik“ sind Schlagworte, die immer wieder in den Berichten über Fiji auftauchen. „Ich denke, jeder Mensch hat eine sehr starke erotische Ausstrahlung. Manche leben es mehr, andere weniger. Jede kann aber eine verbale Erotikerin sein“, stellt die grell geschminkte Sängerin fest. „Wir leben das einfach, weil es Spass macht und etwas Natürliches ist. Nicht das wir unbedingt bewusst erotisch sein wollen, es kommt einfach so hinüber.“ Sie versucht den Grund zu finden: „Wir sind drei Menschen, die sich auch privat sehr nahe sind und das spürt man. Erotik hat nämlich sehr viel mit Nähe zu tun.“
Simone lebt den Groove ihrer Musik live. Sie habe ihre CD’s nicht oft gehört, „Rosy“ sei noch nie in ihrem CD-Player gewesen. „Eine CD ist eine schöne Bildaufnahme von etwas, das passiert ist. Etwas, das heute schon nicht mehr aktuell ist. Mir gefällt das, was ich direkt leben kann.“ Auf der Bühne sehe sie sehr gerne die Leute davor tanzen. Die Frontfrau stellt auch gleich fest: „Live sind wir besser, als auf der CD.“ Fiji versuchen, mit ihrer Musik ihren und unseren manchmal sorgen-beladenen Alltag auszugleichen und wollen uns dazu inspirieren, das Leben nicht so ernst zu nehmen. „Wir haben Lust, auf der Bühne zu sein und zu spielen. Wenn du als Künstler dort oben Spass hast, kommt das hinüber“, sagt Simone. Sie habe schon Leute über 60 Jahren tanzen gesehen, aber auch kleine Kinder. „So wie du dich auf der Bühne präsentierst, kannst du das Publikum mit einbeziehen. Egal, welche Art von Musik du spielst.“ Fiji hat schon in der ganzen Schweiz zum Tanzen eingeladen und Simone erlebt die verschiedenen Mentalitäten so: „Die Tessiner sind viel begeisterungsfähiger. Berner eher zurückerhaltener als Zürcher.“
Fiji möchten ihrer Art Musik treu bleiben. Als persönliche Herausforderung will Simone ihre Stimme noch mehr trainieren und etwas im Klassik-Bereich probieren. Vielleicht fliessen aber bald einige Spezial-Einflüsse in ihren Sound rein. „Wir arbeiten momentan mit Greis zusammen. Ein realistisches Projekt. Wir haben gegenseitig den Plausch, an dem, was wir machen“, verrät Simone. „Da werde ich dann auch einwenig ‚rapen’“, sagt sie und gibt eine viel versprechende Kostprobe. „Aber Greis muss mir schon noch zeigen, wie das genau geht. Er ist aber ein guter Lehrer und sehr ein angenehmer Mensch.“