Flepp lernt Kauder-Jazz-Welsch-Englisch
Text: Ko:L
Bilder:
PartyGuide.ch
Grosse Erwartungen und grosse Nervosität: Das sei es gewesen, was ihn im Vorfeld des Konzerets am Openair Lumnezia geprägt habe, sagt Flepp nach dem Konzert. Eigentlich ist der quirlige Bündner schon lange kein Lumnezia-Neuling mehr; mit den Liricas Analas hat er schon diverse Heimspiele im Tal des Lichts bestritten. Aber wir würden natürlich keinen Bericht schreiben, wenn nicht eben eines dieser berühmten „Aber…!“ folgen würde. Denn Flepp war nicht als einer von vier MCs zusammen mit zwei DJs gekommen, um das Festival zu eröffnen, sondern mit seiner Band. Jawohl, der blizzeschnelle Rumantsch-Rhymer hat sich eine Band zugelegt – oder besser sie sich ihn. „Die Jungs fragten uns, die Liricas, an, ob wir zusammen etwas machen könnten“, erzählt Flepp. „Wir haben entschieden, das Angebot nicht anzunehmen. Aber ich war schon länger daran, an eigenem Material zu arbeiten – so kam es, dass die Band und ich angefangen haben, zusammen Musik zu machen.“ Im Herbst 2006 gings los und schon Anfang 2007 kamen die ersten Konzerte.
Was Flepp und seine Band auf der Bühne bieten, ist laut Flepp von Experimenten geprägt. „Wir haben einen Song, ‚Violenz’, und der ist ziemlich spacig“, sagt Flepp und grinst. „Die Leute stehen dann jeweils vor der Bühne und fragen sich, was das soll… der Song ist mega absurd, hat keine Linie. Er baut sich einfach irgendwie auf.“ Überhaupt stehen Flepp und seine Band auf Improvisationen und Experimente – zum Beispiel, wenn sie sich in kürzester Frist entscheiden, eine Backing-Sängerin mit an den Gig in Degen zu nehmen.
Ansonsten besteht die Band aus Drummer, Percussion, Bass, Keys, Gitarre und Flepp als MC. „Die Jungs sind alle Profis. Mit so einer Band zu proben und zu arbeiten ist ganz anders, als mit einer ‚normalen’ Band“, sagt Flepp, „die proben mal was, machen sich ein paar Notizen und bei der nächsten Probe wissen sie, was sie spielen müssen.“ Aber es sei auch speziell, mit einer so hochstehenden Formation zusammen zu arbeiten. „Wenn sie sich in ihrem Kauder-Jazz-Welsch-Englisch unterhalten, versteh ich die Hälfte nicht. Erst wenn sie dann spielen, schnall ich, worum’s geht und kann meinen Senf dazu geben.“ So kommt es, dass Flepp seine Inputs aus dem HipHop einbringt, die Jungs die musikalischen Ideen – und so der unvergleichliche Misch – „jazzy, musikalisch, ausgetüftelt“, wie Flepp es nennt – ensteht.
Entsprechend ist die Entstehung der Songs eine Mischung aus Flepps Material, solchem der Band und Stoff, der während der Proben entsteht. Und – wieder speziell – am Openair Lumnezia haben Flepp und die Band mit Gast Jusht drei Liricas-Songs neu arrangiert und instrumental neu interpretiert. Den direkten Vergleich zwischen den Auftritten mit den Liricas und jenen mit der Band umgeht Flepp im Gespräch geschickt. „Es ist halt eine andere Sache“, meint er diplomatisch. Die Liricas seien sein Ursprung – „einen Verwurzelung“ –, da funktioniere das Zusammenspiel auf der Bühne blind – „Jeder weiss, wann’s der andere wieder verpatzen wird und fängt ihn auf…“ – mit der Band hingegen sei er auf sich gestellt. „Mit der Band musst du immer auf Unvorhergesehenes gefasst sein und kannst nicht einfach stoppen und den Beat neu starten.“ Und: „Ich bin alleine als Frontmann auf der Bühne, muss meine Linie durchziehen“. So gesehen sei ein Auftritt mit der Band schwieriger, als einer mit den Liricas. „Es ist kein Fangnetz mehr da.“
Dafür schätzt Flepp in der Arbeit mit der Band, dass er seine Ideen nach seinem eigenen Gusto umsetzen kann, insbesondere bei den Texten – Rumantsch mit Mundart versetzt. „Ich kann meine Idee von A bis Z umsetzen, Text, Song, Arrangements.“ Und offensichtlich schätzt er die Arbeit mit der Band derart, dass er sie noch eine Weile weiterführen will – bis ins Studio, mit dem Ziel, Mitte Herbst das Resultat vorlegen zu können.