Vo geschter bis hüt – Florian Ast am Open Air Hoch Ybrig
Schon vor unserem Gespräch treffe ich Florian Ast, weil er seine „Meet and Greet“-Gäste am Openair Hochybrig in der Gondel begrüsst. Gut gelaunt plaudert er mit den Mädchen, stellt sich ihren Fragen und nimmt sich Zeit für viele Fotos. Etwas erleichtert ist er dann doch, als die Gondel nicht fährt. „Nein, Höhenangst in diesem Sinne habe ich nicht, aber wenn es nicht unbedingt sein muss, bin ich schon froh, den Boden unter den Füssen behalten zu dürfen“, er klärt er mir mit einem Schmunzeln im Gesicht. Mit viel Enthusiasmus führt er seine Gäste dann auf dem Gelände herum und erklärt ihnen alles, sogar einen Blick hinter die Bühne und in seine Garderobe dürfen sie werfen.
Eine halbe Stunde später hat er Zeit für mich und wir machen es uns in seiner Garderobe gemütlich. Er bietet Gummibärli an und lacht schon wieder. Als ich ihn frage, ob es einen Grund dafür gebe, dass er in der letzten Zeit einen fröhlicheren und glücklicheren Eindruck mache, sagt er: „Schön, dass du das Gefühl hast, es geht mir besser, das freut mich sehr zu hören…“. Das Gefühl, dass es ihm schlecht geht, hatte er nicht. Trotzdem wurde es ihm irgendwann zu viel, wenn immer nur über ihn geredet und geschrieben wurde. „Es ist schon hart, wenn du am Morgen eine Zeitung in die Hände nimmst und dann etwas über dich liest, was du selber nicht gewusst hast“, erklärt er mit ernster Miene. Das habe schon an ihm gezerrt, das müsse er zugeben. Und solche Dinge erlebe er viel: „Ich habe Heuschnupfen und deswegen im Frühling und Sommer sehr oft rote Augen“, und wenn dann spekuliert werde, dass er kiffe, dann „mag mich das also schon ganz tief im Herzen“, sagt er und wechselt das Thema.
„Vo geschter bis hüt“ ist das Thema, welches man ihm für das diesjährige Open Air Hoch Ybrig gegeben hat. Er hat kein neues Album, von welchem er Songs spielen kann, aber das ist für einmal ganz gut so. Er hat in der letzten Zeit eher Zeit in Produktionen investiert, was ihm sehr gefallen hat. „Es ist toll, mal etwas anderes zu produzieren, als eigene Alben, einmal etwas internationale Luft zu schnuppern und da rein zu schauen“, erklärt er. Angst müsse man aber um seine Musik gar nicht haben, fügt er an: „Ich bin im Studio, ich arbeite an meiner neuen CD und möchte sie eigentlich Anfang nächstes Jahr herausbringen.“
„Vo geschter bis hüt“ heisst für Florian Ast, dass er die ganze Palette an Musik bringen kann, welche er je gemacht hat. „Das ist schon toll, wenn du wirklich spielen kannst, was du willst und es passt so oder so“, erklärt er mit leuchtenden Augen. Der Auftritt am Open Air Hoch Ybrig ist einer von wenigen in diesem Jahr. Ausgewählt hat er diese ganz nach seinem Herz. „Es kommt dann nicht immer auf die Gage drauf an, sondern darauf, welche Veranstalter dir jahrelang die Treue gehalten haben und dich gebucht haben, wenn du es vielleicht gar nicht verdient hättest“, erzählt er. Genau das ist das, was ihn so unendlich sympathisch macht, den Berner Gieu, der mir vis-à-vis sitzt.
Deshalb würde ich persönlich ihn gerne am an den Eurovision Song Contest schicken, aber ob er das will? „Wollen, natürlich, aber es geht ja nicht darum, drei Monate im Voraus zu sagen, ‚Hey Flöru, du musst jetzt die Schweiz da aus dem Seich ziehen.’. Es würde darum gehen, ein Jahr im Voraus anzufangen, ein grosses Fest daraus zu machen, das Ganze zu zelebrieren“, erklärt er. Es gehe nicht darum, dass dann alle Schweizer in Flöru-T-Shirts rumrennen, betont er, „sondern darum, dass jeder diesen Song kennt, ihn singen kann, es ein grosses Fest wird, an welchem alle Freude haben, der Song in den Radios auf und ab gespielt würde“. - „Aber da muss mich zuerst einer Fragen, ob ich das machen würde, ich dränge mich nirgendwo auf“, erklärt er, lacht und hat noch einen Sympathiepunkt mehr in der Tasche.