100 Prozent George: „Wir spielen, bis uns jeder kennt“
Text: Debi
Bilder:
musicbild.li
Seit eineinhalb Jahren ist George unterwegs. Losgezogen mit der Einstellung, so viele Gigs wie möglich zu spielen, um die Band zu empfehlen. Dabei habe er nur gute Erfahrungen gesammelt, erklärt der Frontmann im Anschluss an den Auftritt am Brienzersee Rockfestival. Und sitzt dabei verkehrt herum auf einer Festbank am sonnigen Seeufer, um ihn herum Festivalbesucherinnen und –besucher, die ihn neugierig mustern. „Wir haben nur positive Erfahrungen gesammelt“, sagt er und lacht, es scheint ein wenig gequält, als er weiterfährt: „Das war jetzt… (überlegt)…Konzert Nummer 75 seit 'Adrenalin' erschienen ist.“ Und: „Manchmal denke ich, läck mir, das isch ja wahnsinnig.“ Ein Spiessrutenlauf? Nein, findet er. Aber er habe auf der Arbeit ein wenig reduzieren müssen, weil er Ende letzten Jahres „ein wenig an den Anschlag“ gekommen sei mit seinem 100-Prozent-Pensum.
Jetzt arbeitet er freitags nicht mehr. Und gibt umso mehr 100 Prozent für die Musik. Selbst wenn George oft auf der Bühne stehen wollte: „An 75 und mehr Konzerte haben wir dabei nicht gedacht“, sagt er, lacht und schaut auf den See hinaus. „Aber es hat sich halt so ergeben. Und es macht immer noch Spass.“ Dass die Seeländer Band so sehr nach Auftritten giert, hat ihren Grund. George: „Wir haben von den Medien, von den Radios, nicht dieselbe Unterstützung wie sie andere haben.“ DRS 3 beispielsweise habe die Musik der Seeländer nicht spielen wollen. „Unser Weg führt daher über Konzerte, wir müssen uns alles erspielen.“ Aber diese Rechnung gehe auch auf, findet George. Es sei wohl ein schwerer Weg, aber das am Publikum danke es. Und: „Wir spielen, bis uns jeder kennt.“
Im März 2008 soll er in den Läden stehen, der Nachfolger von „Adrenalin“. Die Songs seien alle geschrieben, ganze 15 Tracks. Jetzt muss nur noch ein Produzent gefunden werden, sagt George, ab Oktober sollen die Aufnahmen laufen. Vier seien in der engeren Auswahl ihrer Plattenfirma Universal, jeder hat zwei Songs gekriegt, um vorzuproduzieren und sich zu empfehlen. Im gleichen Atemzug versichert der Sänger, dass das Label zum ersten Mal Bedingungen angebracht habe. Eine weitere Auflage: George muss zum Gesangsunterricht antreten. Seit zwei Monaten übt er unter Aufsicht jeden Freitag, an seinem freien Tag. Er habe sich ein wenig erschrocken beim ersten Mal, sagt er, und trällert eine Tonreihe vor. „Aber es macht total Spass, ich gehe gerne hin.“
Eine Kostprobe des neuen Albums geben die Seeländer aber bereits live: „Sinnlos“ heisst der Song, der bereits grosse Resonanz provoziert hat. Als im letzten Jahr ein 26-jähriger Rollerfahrer auf der schnurgeraden Strasse zwischen Siselen und Aarberg von einem überholenden Auto erfasst wurde, hat dieser sinnlose Tod George animiert. „Das het mer dr Nuggi usegjagt“, erklärt er. Als sich dann die Mutter des verunglückten Jungen meldete, an ein Konzert kam und sich bedankte, sei er unmittelbar mit der Wirkung seines Liedes konfrontiert worden. Alleine der Botschaft wegen wird die Band wohl weiterziehen und so viele Konzerte geben, wie möglich.