George - Der Besuch der jungen Dame
Text/Bilder: Piggy
Wenn man nach dem Ruf geht, den sich George mit seinem Aussehen und seinen Songtexten erschaffen hat, ist Damenbesuch bei ihm wohl nichts allzu Seltenes. Immerhin gilt der Frauenschwarm als einer der schönsten Männer der Schweizer Musikszene. Villeicht weil er ein bisschen Büezer ist und trotzdem nichts Grobschlächtiges an sich hat. Die Dame, die aber im winterlichen Kallnach auf George wartete, war eine handfeste Überraschung für den Sänger, eingefädelt von Drummer Dee Dee und Trespass-Sandy. Und Piggy's Auftritt hätte wohl sogar den seeligen Dürrenmatt dazu gebracht, den Titel seines Kult-Theaters umzuschreiben...
Soviel Schönheit an einem Tisch muss ich natürlich gleich zum Thema machen. George meint, dass er mit seinem Aussehen eigentlich zufrieden sei, fügt dann aber an: "...ausser dass die ersten grauen Haare kommen." Und er verrät mir auch gleich, was er denn dagegen zu tun gedenkt: "Ich weiss auch nicht... Bis jetzt hält es sich noch im Rahmen. Vielleicht färbe ich sie dann. Oder ich ergraue in Ehren. Grau kann ja auch schön sein." Ich frage George, ob er mehr Zeit vor dem Spiegel verbringe als ich, worauf er zurück fragt, wieviel das denn sei. "Viel", sage ich vielsagend, worauf George schlagfertig antwortet: "Ah nein, ganz so viel Zeit verbringe ich dann doch nicht vor dem Spiegel..." Überhaupt muss dieser ominöse Spiegel erst noch in die George-Garderobe geliefert werden. George: "Ja, unsere Background-Sängerin will sich dann noch schminken..." Ich frage neckisch, ob's den Spiegel wirklich nur ihretwegen brauche - George: "Ja - ich weiss wie ich aussehe... Und überhaupt habe ich mich schon zuhause zurecht gemacht."
Zuhause heisst im Falle von George und Kallnach: ziemlich genau ein Dorf weiter, weshalb das Zurecht-machen in der warmen Stube daheim problemlos möglich war. "Es ist quasi ein Heimspiel für uns...", resümiert George süffisant auf meine Frage, "Ich kenne fast alle, die da sind!" Nachdem Kallnach bereits erste Erfahrungen mit den erfolgreichen Local Heroes gemacht hatte, gab's dieses Jahr die grössere Mehrzweckhalle, die Platz für etwa 1'000 Leute bietet. Diese auszuverkaufen hält George vor dem Konzert für "schwierig... Aber es werden schon Leute kommen..." Ich frage nach der Einwohnerzahl von Kallnach und George beweist Kenntnisse von Land und Leuten: "Meiner Einschätzung nach sind es so 1'350..." Ich werfe ein, das müsste dann ja reichen, um die Halle zu füllen, worauf mein Vis à vis die Augen verdreht: "Ich weiss halt nicht, ob die Über-80-jährigen auch kommen..."
Das Seeland ist ja um diese Jahreszeit besonders schön anzusehen - von oberhalb der Nebelgrenze wohlgemerkt. Auch George leidet unter dem allgemeinen 'Grauen Star' - "Momentan ist es recht frustrierend, ich habe die Sonne ewig nicht gesehen, obwohl sie ja eigentlich nicht einmal soo weit weg wäre, nämlich meistens schon auf dem Frienisberg. Aber wir sitzen hier tagelang im Nebel. Meine einzige Rettung ist, dass ich an Silvester ins Flugzeug sitzen und für dreieinhalb Wochen in die Sonne jetten kann." Das Bild vom Nebel und der Sonne liesse sich ja nun zumindest konstruktiv in Songtexte umwandeln - das würde gut zu George passen, finde ich. "Das Wort 'Sonne' kommt jedenfalls schon in einigen unserer Songs vor, das stimmt. Der Nebel bisher noch nicht, aber ich habe mir letztens ernsthaft Gedanken und erste Notizen gemacht dazu. Es schlägt schon ein bisschen auf die Stimmung." Wobei die 'Suppe' natürlich nicht direkt Thema eines Songs werden würde täte, sondern: "Ds Düreschnuufe wenn er wäg isch..."
Nach zwei CDs und ersten Radioerfolgen ("I wott das du weisch") sind die Ansprüche an ihre Musik auch nicht kleiner geworden. George: "Man will sich ja einerseits immer weiter entwickeln, aber wir haben auch gemerkt, dass die Leute gern mögen, was wir machen. Deshalb wollen wir auch nicht alles auf den Kopf stellen. Wir sind am Schreiben der neuen Songs, haben schon einige zusammen und werden uns im Sommer an die Aufnahmen machen und im Januar 08 ist die CD geplant." Der grosse Durchbruch, oder bildlich gesprochen der Platz an der Sonne blieb George zwar bisher verwehrt, aber der Elan der Band ist ungebrochen. "Wir sind immerhin bei Universal, auch wenn wir dort natürlich kein grosser Act sind. Bei uns war es schon immer so, dass wir kleine Schritte gemacht haben. Ich hatte ursprünglich mit einer Coverband angefangen und davon vor fünf Jahren die Nase ziemlich voll. Wenn ich mir dagegen die Entwicklung mit George über die letzten drei, vier Jahre ansehe..."
Beim Songwriting gerät auch George ab und zu in Gefahr, sich an erfolgreichen Stücken der eigenen Vergangenheit orientieren zu wollen oder den eigenen Geschmack zu hoch zu werten. "Beispielsweise haben wir 'Vergässe' praktisch nie live gespielt, bis man uns via Gästebuch unserer Homepage darauf aufmerksam gemacht hat. Der Song trifft die Leute und das kannst du vorher halt nicht wissen. Wir haben auch schon Online-Umfragen gemacht zum Thema. Es sind eben nicht immer die Songs, welche man erwartet, die plötzlich zum Selbstläufer werden." Für meinen Geschmack sind es auffällig oft die Songs mit Western-Appeal. In der Tat könnte man sich ein Duett zwischen Sandee und George nur allzu gut vorstellen. Allerdings müsste Sandee dafür zuerst mal an der anderen Blondine vorbei kommen...