George ergreifen auch die Sterne des Thunfests
Text: Sandy
Bilder: Debi
Nicht erst um halb Sieben, sondern bereits um Sechs, durften die Seeländer Mundartmusiker die grosse Bühne auf dem Rathausplatz in Thun betreten. Eine Band war ausgefallen und George sprangen spontan ein. Einmal mehr ist es ihnen gelungen, die Festbesucher zu erobern. Die Leute blieben stehen und der Rathausplatz war plötzlich voller Zuhörer. Ob sentimentale Liebeslieder, rockige Adrenalinschübe oder ganz einfach ein Country Song; George kommen an, wo immer sie spielen. Als Überraschungsgast erschien sogar Peter Reber auf der Bühne. Stimmungsvoll trug er die Originalversion von „Vogel ohni Flügel“ vor. Sein Auftritt hatte nicht nur dem Publikum Hühnerhaut beschert; nein, auch George zeigte ganz ergriffen auf seine Arme. Natürlich folgte anschliessend auch gleich die rockige Version von ihnen, als Backgroundsänger figurierte Peter gerade selber.
„George ist nicht einfach nur der Sänger George, sondern eine Band. Daher kommen wir zu Zweit zum Interview“, erklärt Schlagzeuger Dee Dee nach dem Gig. Ihr Auftritt am Thunfest erinnerte auch daran, dass George bereits vor drei Jahren am gleichen Anlass - eher versteckt - in der „Alten Oele“ gespielt haben. Damals wurden sie als Party- und Coverband gebucht, mit einem dreistündigen Repertoire. Schmunzelnd meint George dazu: „Ja, damals hatten wir ein wenig gepokert. Anstatt Covers, spielten wir zuerst unser Set akustisch und nachher noch das gleiche elektrisch.“ - „So nach dem Moto, das merkt ja kein Mensch“, wirft Dee Dee ein. Die Wirtin sei die Einzige gewesen, die sich daran gestört habe. Heute haben sie auf der Hauptbühne des Thuner Stadtfest gespielt. Ihr Gig dauerte fast zwei Stunden - wiederholt wurde jedoch kein einziger Song.
George haben diesen Frühling die CD „Adrenalin“ herausgebracht. Dort singen die Seeländer im ersten Song: „Jetzt isches Zyt für e Griff nach de Stärne, mir wüsse ganz genau wo mir häre wei.“ - „Ja, wir sind grosse Schritte in diese Richtung gegangen“, meint Dee Dee und erwähnt auch gleich den Erfolg am Thunfest. Auch George schwärmt vom Konzert hier mitten in der Stadt. Dieses Erlebnis sei für ihn, wie wenn er einen weiteren Stern ergriffen hätte. „Ich habe Freude, dass wir so mit kleinen Schritte vorwärts kommen – Step by Step. Die Entwicklung seit Frühling ist für mich einfach sensationell“, beschreibt er seine Gefühle mit leuchtenden Augen. Und Dee Dee weiss dazu auch gleich eine Anekdote zu erzählen: „Vor vier Jahren haben wir in Kallnach gespielt. Wir haben alles selber organisiert. Damals sind so wenige Leute gekommen, dass jeder Musiker noch eine Hunderternote darauf legen musste. Bei der CD-Taufe ein Jahr später im selben Lokal, wollten so viele Fans kommen, dass wir zwei Konzertabende daraus machten. Und jetzt würde der Restaurant-Saal ganz einfach explodieren. Das Schöne ist, dass das Ganze in vier Jahren entstanden ist. So kannst du es viel mehr geniessen. Wir wachsen mit unsern Fans - auf- und zusammen“, schwärmt Dee Dee strahlend.
Immer wieder fällt auf, wie George auch jene Leute im Publikum für sich begeistern, die zum ersten Mal an einem Konzert der Seeländer dabei sind. „Man sieht uns an, dass wir auf der Bühne Freude haben – diese Freude ist echt und überhaupt nicht gespielt. Genau das scheint ansteckend zu sein“, wagt George einen Erklärungsversuch. „Wenn du den Spass der sechs Musiker hinüber bringen kannst, dann hast du das Publikum erreicht“, löst er das Geheimnis auf. Und plötzlich schweift George auf den Erfolg des „Büetzer“ Gölä ab. Auch er war bekannt für seine Publikumsnähe, war einer der immer auch mal in einer Beiz zum Feierabendbier auftauchte. „Wir sind nicht unnahbar. Am liebsten mischen wir uns nach den Konzerten unter das Volk“, erklärt George. „Das haben die Leute gerne, wenn sie merken, dass wir ja ganz normale Menschen sind.“ Dee Dee spricht noch einen ganz anderen Aspekt an: „Ich behaupte, dass es Georges tiefgründige und doch verständliche Texte sind, die die Leute ansprechen. Wir haben auf der Riederalp gespielt. Dort hatte es vier Teenager-Girls, die die Lippen von George beobachteten und probierten nachzusingen. Nach dem zweiten und dritten Versuch ist es ihnen bereits gelungen. Das ist genau so schön, wie die Fans, die kommen und alles Strophen auswendig können.“ Aber eigentlich machen sich die Musiker gar nicht gross Gedanken über das Warum und Wieso ihres Erfolges. „Wir gehen auf die Bühne - egal ob es 10, 100 oder 1000 Leute im Publikum hat - und wollen einfach eine gute Zeit mit ihnen haben“, bemerkt der Schlagzeuger.
Langsam aber sicher wird der Sänger George auch in seinem Alltag erkannt. Er habe in den letzten drei Jahren eine starke Veränderung verspürt. „Wenn ich in das grosse Einkaufscenter Brügg gehe, werde ich beobachtet“, weiss er zu erzählen. Nur ein paar Wenige sprechen ihn jeweils an. Er merke aber, wie die Leute tuscheln: „He, dass ist doch George, der mit dem Jura-Lied.“ Kürzlich habe er sich einen freien Nachmittag im Media Markt gegönnt, für einmal so ungestört in den CD-Regalen zu wühlen. Plötzlich habe ihn ganz verblüfft eine Frau angesprochen, sie hatte eine George CD in der Hand und wollte diese gerade kaufen. Momentan seien diese Erlebnisse für George gar nicht lästig, im Gegenteil, er geniesse es. Er könne es jedoch jetzt nachvollziehen, dass es für andere mühsam sei, wenn man sich nicht mehr frei bewegen kann.
Auffallend bei den Texten von George sind auch gewisse Wortspiele wie: ‚Nid für immer, dafür aber für ewig’, oder: ,Wenn du nid da bisch, de weiss i du bisch hie’. „Das ist kein Zufall, sondern da ist eine Überlegung dahinter. Ich wünsche mir zum Beispiel, dass meine Beziehung für immer ist und gleichwohl weiss ich, sie könnte auch nicht für ewig sein“, versucht der Songschreiber seine Gedanken zu erklären. Neuerdings habe er immer Papier und Bleistift dabei, so dass er Geistesblitze für neue Texte gleich aufschreiben kann. „Mittlerweile habe ich ein „Mäppli“ voll „Gekritzel“ - Notizen, Ideen oder ganze Strophen, die sich schon reimen“, meint er. Das sei bereits eine Basis für die nächste CD, die anfangs 2008 erscheinen soll. Und weiter verrät er: „Die ersten zwei neuen Songs gibt es schon.“ In der Regel macht George die Songs zusammen mit Gitarrist Chris. Geplant ist aber auch eine spontane Jam-Session mit der ganzen Band. „Chris fängt an, wir setzen ein - und schauen was passiert“, meint Dee Dee. „Da kann ich mich auf das Sofa setzen und zuhören“, bemerkt George grinsend zu seiner einfachen Rolle bei diesem Spiel.