Gimma ist tot - es lebe Gimma!
Text/Bilder: Debi
Eins, zwei, hol dr an Politiker - Drei, vier, gibam as paar Tritt und denn
Fünf, sechs, lohn an as bitzli liida - und wenner di no wiiter nervt bring na zum schwiiga
Was liegt näher, als einen Meister der Provokation am Tag vor den nationalen Wahlen um eine Prognose zu bitten? Gimma bleibt cool, spricht im Thuner Mokka von einem kleinen Rechtsrutsch; davon, dass die SP viel verlieren wird und die Mitte „langweilig bleibt“. Ein leicht oberflächliche Prognose, wenn man bedenkt, dass der Bündner Rapper mit der spitzen Zunge einst selbst Gemeinderatskandidat in Chur war. Daher, sagt er bei einem Gläschen Rosé, interessiere ihn auch eher die lokale Ebene: Was im Bündnerland so geht und gegangen sein wird. Wen Gimma wählt, bleibt unerzählt. „Von allem chli öppis“, sagt er selbst. Auch SVP? „Kann sein.“ Tatsächlich? „Um die SPler zu nerven.“ Er, der von sich selbst sagt, dass er sehr politikinteressiert sei, gehe aber nach den Menschen, nicht nach Parteien. „Man lernt die Leute ja schliesslich auch kennen.“ Das sei eine Begleiterscheinung seiner musikalischen Stimmungsmache, der Polarisierung, die um ihn als Rapper entsteht. Er, sagt Gimma, werde als politisch aktiver Privater aber auch ab und an um Auskunft gebeten.
Das isch dr Soundtrack zum Mord ama Politiker - Figg Kritiker, jetzt figgemer si richtig derb - jetzt isch alles egal frog nid was das söll
Die „Klientel“, sagt Gimma, also die Leute, die seine Musik hören und seine Konzerte besuchen, seinen nicht „die Wählenden“. Er setzt dabei bei einer Altersgruppe ab etwa 13 Jahren an. Und übernimmt für die Messages in seinen Songs keine Verantwortung. Dennoch, finde ich – gerade deshalb, sagt Gimma. „Als Konsumobjekt trage ich diese nicht, nein“, sagt er, einmal mehr und bestimmt, „es geht dabei doch bloss um den Impuls, der wichtig ist, nicht ums Detail.“ Es sei weder seine Aufgabe, „zu differenzieren, noch eine Vorbildfunktion einzunehmen.“ Als Musiker werde es erst dann interessant, sich zu erklären und zu unterscheiden, wenn Fans direkt an ihn herantreten: „Dann geh ich gern darauf ein.“
I han au en Traum, dr Oberschicht is Gsicht boxe
D'Eroberig vor Schwiiz und d Folterig vom Christoph
vo dene gönd 100 druuf au das egal isch
und machend usem bundeshuus es Abu Ghraib
„Hol dr an Politiker“ war nicht das Mass der Dinge. Nein, sagt Gimma. Er gehe noch einen Schritt weiter und beleidigt Leuter noch direkter, noch öffentlicher. „Es ist mir egaler worden“, erklärt er „Suicidal Reggae“, den Track, den er auf Myspace zum Download anbietet und Marianne Cathomen, Piero Esteriore oder Mike Shiva oder Fabienne Louves verbal durch den Dreck zieht. Entstanden ist der Song, so schreibts „aightgenossen.ch“ spontan bei den Aufnahmen zum bald erscheinenden OBK-Mixtape. Für Gimma ist der Track Ausdruck von viel mehr: eine Steigerung ist nicht mehr möglich. „Musikalisch bedeutet das den totalen Rücktritt“, sagt er selbst. Ab Ende Jahr wird er vorerst nicht mehr auftreten. Als Solokünstler sei er „leergelaufen“. Aufs neue Jahr hin plant er ein Album mit Claud und er hat die Oschtblock Kuabuaba (Cigi, Orange von Liricas Analas, Ali Bengali, SBS aka Sir Beni Styles, LIV, Damos, Lou Geniuz und DJ Fat Freedom) aus der Versenkung geholt. Weil er auch wieder mal Verantwortung abgeben will, wenn er Musik im Kollektiv erarbeitet. „Und dann muss ich ja auch MusicStar abwarten, um wieder Leute dissen zu können“, grinst er. Gimma ist tot, es lebe Gimma.