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Dialektik ohne Hektik - Swiss New School mit Gleiszwei

Text/Bilder: MonthyChristo
trespass: "Ist „Züri Slang“ Symbol und Ausdruck für ein neues Selbstvertrauen im Schweizer Rap?"
Martene: "Ich denke, da gibt es kein altes oder neues Selbstvertrauen. Rap gibt es in der Schweiz schon eine ganze Weile, nur nehmen ihn die Leute erst in den letzten zwei Jahren wahr. Dabei hat sich die Musik aber nicht grundlegend verändert, sondern vielmehr die Leute, die jetzt ein Produkt erkennen."
P.Moos: "„Züri Slang“ ist in diesem Sinn auch nicht eine neue Art zu rappen, sondern eine Bezeichnung für Rap aus Zürich.
Tibner: "Schawinski hat diese Bezeichnung schon vor 20 Jahren verwendet und junge Crews haben das jetzt wieder aufgenommen, was aber nicht heissen will, dass Zürich eine Vormachtstellung einnimmt - in anderen Städten läuft nicht weniger als bei uns."
Martene: "Das wirklich Neue ist, dass die Leute akzeptieren, dass wir etwas machen, das Bezug zu ihrem eigenen Leben hat, etwas womit sie sich identifizieren können. Das erfahren wir auch an den Konzerten - die Leute kommen und hören zu, während es bei all dem amerikanischen überfluss gar nie darum ging zu verstehen. Es erstaunt mich, wie sehr das in den letzten Jahren zugenommen hat: Die Leute kommen aus Interesse an der Sache, der Musik und den Texten."
trespass: "In Sachen Mundart repräsentiert ihr die zweite Generation. Gibt es noch Rivalitäten mit Protagonisten der ersten Stunde?"
P.Moos: "Es ist leider so, dass viele aus dieser ersten Generation heute nicht mehr aktiv sind, weil sie lange alles gegeben haben und dabei nichts für sie raussprang. Das ist schade."
Tibner: "Die Zeit der grossen Battles ist vorbei. Heute arbeitet man bewusst miteinander; man sieht sich, tritt gemeinsam auf, tauscht sich aus..."
Martene: "...wobei sicher noch eine gewisse Competition vorhanden ist. Sonst würde man am Morgen gar nicht mehr aufstehen und den Willen verspüren, etwas noch besseres zu leisten. Davon lebt die Szene."
trespass: "Eine HipHop-Maxime besagt, dass man durchaus viele Platten verkaufen darf, solange man sich selbst nicht verkauft. Die Schweizer Szene lässt dies allerdings gar nicht zu - Kommt da Neid auf, wenn man ins Ausland schielt?"
Martene: "Neidisch sein kann man vor allem in einem Punkt: Deutschland beispielsweise hat 60 bis 70 Millionen Einwohner - die Schweiz gerade mal einen Zehntel davon. Zudem sind diese Menschen auf drei Sprachregionen verteilt und teilweise auch noch ziemlich isoliert. Das Kuchenstück ist also zu klein, um sich selbst untreu zu werden. Damit riskierst du, die Leute zu verlieren, die dein Ding wirklich gut finden. Was dir dann noch bleibt, ist ein oberflächliches „Heute hier, morgen da“-Publikum und du kannst dir bald einmal ein neues Hobby suchen."
trespass: "Mit eurem Label GleisMusic engagiert ihr euch auch für verstärkte Zusammenarbeit und leistet sozusagen Nachwuchsarbeit. Was wollt ihr damit erreichen?"
Martene: "Wir wollen Mundart/Schweizer HipHop auf dem Markt als vollwertiges Produkt etablieren, so dass irgendwann einmal auch sture Hitparadensender diesen Shit spielen. Ich halte es auch für wichtig, dass du mit deinen Möglichkeiten und Mitteln immer wieder etwas weitergibst und andere profitieren lässt. Das ist zwar auch bei uns nicht alltäglich, aber es lässt den Shit weiterleben."
P.Moos: "Momentan unterstützen wir andere dahingehend, dass sie bei uns aufnehmen können, aber längerfristig träumen wir schon davon, ein vollwertiges Label zu betreiben und andere zu supporten."
Martene: "Schlussendlich möchten wir ein Standbein aufbauen, das uns erlaubt, von der Musik zu leben - sei es über Produktion, Studiovermietung oder Engineering."
trespass: "Abgesehen von eurem Anliegen, Mundart zu propagieren, bewegen sich eure Texte im Bereich Strassenleben/Repräsentieren. Habt ihr nicht manchmal das Bedürfnis, konkret sozial etwas zu bewirken?"
P.Moos: "Darüber spalten sich die Meinungen. Viele kritisieren, dass wir viel representen und irgendwie stimmt das für unser erstes Album auch. Stil: „Hallo, mir sind Gleiszwei - jetzt chömed mir...“ Aber in unserer weiteren Arbeit wird es schon den einen oder anderen tiefgründigen Text geben."
Martene: "Vieles ist einfach zu banal, um darüber zu schreiben. Ich würde nie einen Antirassismus-Text schreiben, weil das ganze für mich gar kein Thema ist."
Tibner: "Einigen ist vielleicht in den falschen Hals geraten, dass wir auf Gleislife zufällig zwei Zürcher Crews featuren. So schien das Album dann ziemlich zürichlastig."
Martene: "Es hat aber auch auf dieser Scheibe zwischendurch explizit tiefe Sachen, welche niemand als Representer-Gehabe abtun kann. Ich denke, das Ganze ist noch in der Entwicklung begriffen und irgendwann wird jemand mit all diesen Vorwürfen - das sei Cabaret, Theater - kräftig aufräumen. Bei Texten, die sowohl Representer-Sprüche als auch kritische Stellen in sich bergen, kommt es halt darauf an, was man hören will. Irgendwann werden die Leute begreifen, was in drei Minuten Rap alles auf sie zukommt."
trespass: "Wie steht ihr dahingehend zu Black Tigers frühen Songs „Drogä“ und „Rassismus“?"
Martene: "Black Tiger war schon immer einer der Schweizer MC‘s, die wissen, was sie tun. Er hat einen extrem guten Stil, Texte zu schreiben - Weisst du... „Drogä“ würde auch heute noch „verhäbä“!"
trespass: "Trotz Mundart wimmelt es in euren Texten von Anglizismen. Gehören die mittlerweile zu unserer Sprache?"
Martene: "Gewisse Worte werden sicher stilbedingt oder wegen ihrem Klang eingebaut, aber die meisten stammen doch aus unserem Sprachgebrauch. Im Prinzip schreiben wir ja wirklich Mundart, vielleicht sogar, wenn wir Anglizismen brauchen. In dieser Beziehung hat sich viel geändert. Noch vor fünf Jahren hat man diese Worte bei US-Crews aufgeschnappt und dann einen auf Ghetto imitieren und einander die Turnschuhe ausziehen gemacht. Seit aber MundartRap mehr und mehr aufkommt, sind die Leute viel stärker sensibilisiert zuzuhören und zu verstehen, was eigentlich gesagt wird. Die Leute sind bereit, sich an etwas festzuhalten - nur waren sie bisher nicht an Rap gewöhnt. Dieser kommt vielleicht etwas gar humorvoll, explizit, anstössig oder sogar sexistisch daher. Das Verständnis für diese Informationsflut ist in der Entwicklung begriffen."
trespass: "Rund um HipHop gibt es zwei Gebiete, die vom Gesetz her eher restriktiv gehandhabt werden. Wie steht ihr zur Legalisierung des „PFFFT“ und des „PSCH“?"
Tibner (ohne Gewähr, da alle durcheinander reden): "Was das Kiffen angeht - es ist ja eh kein Problem: Du kannst Gras kaufen, auf der Strasse rauchen... So gesehen ist es eigentlich legal."
Martene: "Hat eigentlich schon jemand gesagt, dass eine Legalisierung für die Writer absolut scheisse wäre? Ohne dieses Adrenalin und den Untergrund-Level wären alle Wände vollgeschmiert, weil jeder Lehrling sich so die Zeit vertreiben würde. Es würde auch der ganzen Szene - egal ob DJing, Rappen oder B-Boying - nicht gut tun, wenn diese Ausstrahlung fehlen würde."

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5/23/2012 6:11:15 PM Administrator
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    Mario von Ongatu, wir verneigen uns in Dank und kommen auf dich zu!
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    Frühlingsgefühle im Herbst - aber Santosh liefert mit Open Season ja auch den sommerlichen Sound dazu... - Monthy hat sich übrigens Bedenkzeit ausgebeten...

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