Gloom - Licht ins Halbdunkel
Text: Monthy
Bilder 1 - 3: Gloom, Bild 4: Eve
gloom - 1: Depression, Melancholie; 2: teilweise oder totale Dunkelheit. So definiert mein geliebter Collins Dixer den Term, den Fridu - ein Berner Oberländer wie er im Buche steht - und seine Band sich als Name ausgesucht haben. Ich hatte den Gloom-Bassisten vor einem Jahr in Gampel und auf dem Rugen kennengelernt, aber das Tagesgeschäft verdrängte Gloom bald wieder aus meinem Kleinhirn. Warum ich mich deshalb nicht schämen muss, erklärt Fridu gleich selbst auf meine einleitende Frage, wer oder was Gloom denn sei: "Wir waren lange eine Coverband, wie es hunderte in der Schweiz gibt, hatten dann aber das Gefühl, das kann´s ja auch nicht sein. Wir hatten eigentlich eine gute Coversängerin. Es gab aber dann einige Probleme und hat nicht mehr funktioniert. Also haben wir eine neue Sängerin gesucht und schliesslich auch gefunden. Sie ist sehr jung, zehn Jahre jünger als ich, brachte aber schon einige Texte und Mikrophonerfahrung mit, auch gewisse Erfahrungen mit der Gitarre, und war bereit für eine Band. So hat sich das ergeben. In dieser Konstellation sind wir nun vier Jahre zusammen. Das ganze ist sicher Hobby, aber wir können mittlerweile eine bis fünfviertel Stunden mit eigenen Songs bestreiten."
Augenfällig ist der Altersunterschied in der Band, nicht nur zur Sängerin - Fridu: "Das ist so. Ich bin jetzt 32, die anderen sind um die 23 bis 25 Jahre alt, Carmen 22." Entgegen der fast automatischen Annahme, hat das 10-Jahres-Gefälle aber keine Auswirkungen auf das Funktionieren der Band: "Von den Texten her macht alles Carmen, musikalisch bringt sich jeder ein und das macht die Mischung Gloom - weiche Frauenstimme trifft auf harte Gitarren..." Anders gesagt versprühen Gloom die ihrem Namen gerechte sphärische Stimmung. Fridu meint dazu: "Das ist nicht so konzipiert, wir treiben also höchstens in diese Richtung. Wir haben das Gefühl, auf diesem Weg können wir fahren. Du merkst es auch selber an unseren Gigs, da klappt hier was nicht und dort ist es nicht perfekt... Wir machen es aus Freude und als Hobby und hatten nie allzu grosse Ambitionen. Das ginge schon von der Zeit her nicht, wir sind alle voll berufstätig. Einer kommt aus Adelboden, der andere aus Steffisburg, Frutiger, Thuner... - und irgendwo in der Mitte treffen wir uns zum Üben. Wenn man dann solche Gigs spielen kann wie hier am Vogellisi Festival ist´s natürlich um so geiler."
Die von Fridu angesprochenen nicht perfekten Kleinigkeiten sind Gloom also durchaus bewusst. Dass es zB der Sängerin noch etwas an Erfahrung fehlt, merkt man besonders zwischen den Stücken. "Wir sind ja auch dran. Wir waren vor drei Jahren am Beo-Rockpreis Finale. Da kamen die Kritiken der Jury natürlich auch - das sollte und dies so... - Da nimmst du immer viel mit und lernst daraus. Wenn ich einen Kollegen treffe und der klopft mir auf die Schulter, bringt mir das weniger als eine ehrliche Kritik. Aber wir sind halt nicht die Band, die jedes zweite Wochenende auftritt. Das hier war erst der zweite Gig in diesem Jahr. Wir nehmen gerade ein Demo auf. Ziel ist dann schon irgendwann eine CD, aber auch in kleinerem Rahmen", erklärt mein stoischer Gesprächspartner.
Für eine Band ist dieser Entwicklungsprozess nicht gerade einfach. Der Weg zu dem Sound, den man gerne machen würde, ist eine Gratwanderung zwischen Veränderungen und Vertrauen behalten. Ich will von Fridu wissen, wie er das macht: "Das ist schwierig zu erklären. Wenn du ein neues Lied machst, denkst du ja immer - das ist es jetzt! Ein bisschen wie beim Verlieben... Es bleibt auch die Frage, wie das zu vermarkten ist. Willst du damit Geld verdienen oder bist du mit 5, 6 Gigs im Jahr zufrieden und hast ein tolles Hobby. Eine gewisse Professionalität ist aber auch von uns Hobby-Bands gefordert. Die muss sich einfach erarbeiten. Je mehr Gigs wir spielen, desto mehr Routine kommt rein. Da sind wir dran. Es kommen auch immer wieder ehrliche Meinungen, was wir wie ändern könnten. Und wir haben auch Fans, die uns zu einer CD ermutigen..."
Die Frage, ob Gloom für diese CD denn überhaupt bereit wären, lässt sich auf zwei Arten beantworten - Fridu: "Das ist auch so eine Sache. Wir können jetzt schon eine CD aufnehmen. Wenn wir aber in zehn Jahren immer noch zusammen sind, werden wir sagen, wir hätten einen Riesenscheiss produziert. Wir hätten schon 8, 9 Songs für eine CD, aber dann kommt das Finanzielle dazu. Das Demo haben wir zwar im Proberaum aufgenommen, aber mit wirklich sehr gutem Gerät, das uns inkl. Mischer und Computer zur Verfügung gestellt wurde. Wenn wir das bezahlten müssen, sind´s 10 - 15´000 Franken, die wir nicht haben." Was Gloom aber ganz sicher dabei haben werden, sollte es denn dazu kommen, ist Spass. Denn der steht bei dieser Band im Vordergrund. Weiter so!