Gölä - Gimme a Band (EMI)
Text: Ko:L
Bild: Cover
"Gölä is back!", kündet die Plattenfirma breitspurig an. Nun, Freunde des Adam Riese, lasst uns ein wenig Mathematik praktizieren: 2005 - 2004 (in Worten: Zweitausendundfünf minus Zweitausendundvier) = 1 (ist gleich eins). Oder andersrum: es ist erst knapp anderthalb Jahre her, dass die letzte CD des Berner Oberländer Rockers erschienen ist - damals bloss unter dem Bandnamen Burn und nicht als Solo-Künstler. Aber was solls, ich fang gar nicht an, hier vernünftige Argumente aufzuführen - es scheint bei Gölä, das haben die letzten sieben Jahre gezeigt, nicht möglich, sachliche Kritik und saschliche Diskussionen zu führen. Ich meine damit nicht Gespräche mit Gölä selber - ich meine das Theater, dass Fans und Medien um ihn herum anstellen. Mal war er zu banal in Mundart und nachdem er das Hallenstadion gefüllt hatte, abgetaucht war und in Englisch und mit Band als Burn zurückkam schrien alle nach Mundart und Gölä. Jetzt ist Gölä als Gölä da, aber immer noch in Englisch... Das alles leuchtet vielleicht nicht ein, aber nicht weil´s nicht normal wäre - sondern weils nicht gängigen Marketing- und Business-Regeln entspricht. Nur: Um Gängiges hat sich der Büezer nie gekümmert. Bloss hat das keine Sau intressiert, als Gölä noch Strassenbauer oder Maurer war. Zu erwarten, er lasse sich plötzlich in Schemen drängen, nur weil er jetzt im Musikgeschäft und nicht mehr im Baugeschäft eine grosse Nummer ist, war eigentlich einfach nur dämlich... Aber eigentlich wollte ich ja über die neue CD schreiben. Eingespielt wurde das Teil laut Promotext einigen wenigen Tagen "in einer Proberaum-Situation". Nun, wo und wie "Gimme a band" eingespielt wurde, ist mir als Hörer eigentlich Wurscht. Schön ist, dass mit den Keiser-Twins, John Wooloff und Ueli Bleuler vier hochkarätige Schweizer Musiker mit am Start sind und schön ist, dass Gölä nach Burn das etwas rauhere Schleifpapier hervorgenommen hat und den Songs etwas mehr Ecken und Kanten verpasst hat. Nein, "Gimme a Band" ist musikalisch gewiss keine Erleuchtung - aber wenigstens hier bleibt sich Gölä seit eh und je treu: Simple Geschichten aus dem Leben in einfache Worte gefasst und in simple Songs verpackt - das ist zwar nicht berauschend - aber es kann berühren.