Gotthard begeistern Huttwil – monumental wie eh und je
Text: DasSchaf
Bilder: Claudia Komminoth,
ckphoto.ch
Das Rockmassiv Gotthard steht wie ein Fels in der Brandung der turbulenten Musikindustrie. Diese Band trotzt allen Stürmen, allen Querelen, allen Umschwüngen. Seit nunmehr fast 20 Jahren immer unterwegs, ohne Unterbruch, ein einziges Erfolgsmärchen. Und der Zenit scheint noch lange nicht erreicht. Kontinuität, eines der Erfolgsgeheimnisse der Schweizer Rockurgesteine. Klampfer Freddy Scherer meint dazu nur: „In der Musik gibt’s kein Rezept. Da kannst du nicht sagen: man nehme ein wenig Zucker, ein bisschen Salz und da noch Muskatnuss, und dann hast du Erfolg. Das funktioniert nicht. Was wir tun, tun wir ehrlich, darin geben wir alles, und wir bleiben bei unseren Wurzeln. Ich denke, das ist es, was uns stark macht.“ Fest verwurzelt in der Schweizer Musikszene, die Fühler international ausgestreckt und auch da durch und durch mit Erfolg belohnt, immer wieder einen Schritt vorwärts und nie zurück, und herrlich bodenständig, das sind „unsere“ Gotthard. Stars zum Anfassen, so echt und real geblieben, irgendwie. Im September erscheint die langersehnte neue Platte, der Nachfolger vom eher dunkleren Album „Domino Effect“. „Need To Believe“ heisst die Scheibe und ist das zehnte Studioalbum der Band um Frontmann Steve Lee. Und dass Gotthard beim Publikum noch immer hoch im Kurs sind, haben sie am Openair Huttwil wieder einmal bewiesen. Der Regen versaute den so schön begonnen Openair-Tag, es wurde kühl, doch beharrlich warteten wir alle, bis endlich Steve Lee und seine Mannen die Bühne betraten. Mit „Master of Illusion“ legten sie das Tempo vor – und die Menge tobte.
„Wämmer nid alli zäme eifach ame echli si, zäme si und gniesse? Das mache mer hüt mitenand“, rief Steve Lee seinen Fans zu. Schien er anfangs noch ein wenig mit der Stimme zu kämpfen, löste sich dies bald und der Sänger lieferte uns einmal mehr eine geniale Show. Gewohnt sympathisch, immer charmant, und den obligaten Tenue-Wechsel während des Konzerts, so wie wir den Gotthard-Fronter halt kennen. Diese Bühnenpräsenz, diese Kompaktheit, diese Nähe zum Publikum, gepaart mit den hämmernden Gitarren und dem wohligen Basedrum-Schlag in der Magengrube, umranded von den eingängigen Melodien und des Sängers unverkennbaren Rockröhre, das ist Gotthard. Eine perfekt durchdachte Show, die dem Zuschauer trotzdem das Gefühl von Spontaneität gibt. Klasse. Wirklich. Das ist Professionalität. Und bei aller Show hat man trotzdem immer das Gefühl, das ist der Typ von nebenan. Rockstars zum Anfassen.
„Need To Believe“ heisst die neue Studioplatte der Tessiner Rocker. „Ein Jubiläumsalbum? Ja schon irgendwie. Aber im Grunde genommen ist ja kein Album unwichtig. Egal ob es die dritte, die siebte oder die zehnte Platte ist, man gibt immer sein bestes“, so Gitarrist Freddy. Sie soll aggressiver, energiegeladener klingen, als die letzten Platten. Mehr auf den Punkt gebracht, einfach gestrickt, mit viel Power. „Das wichtige ist, dass man sich weiterentwickelt. Die neue Scheibe soll ja nicht gleich tönen, wie die Vorangehenden. Aber man soll Gotthard erkennen. Gotthard klingt wie Gotthard, einfach immer wieder anders verpackt. Wir erfinden uns neu, bleiben aber bei unseren Wurzeln, denn die sind das Fundament für unseren Erfolg“, erklärt der Gitarrist. Für uns Openair-Besucher gibt’s in Huttwil gleich ein paar Kostproben des neuen Materials. „Wir müssen die auch zuerst noch lernen, aber probieren wir doch mal einen neuen“, grinst Steve Lee ins Mikrophon – und die Fans jubeln und toben. Man hat über zwei lange Jahre gewartet, jetzt kommen sie endlich, die neuen Songs.
Ein Rockfeuerwerk, diese Gotthard. Ein Phänomen! Wirft man einen Blick ins Publikum, dann stehen da nämlich nicht nur die, die seit 20 Jahren treue Fans sind und die Band begleiten, nein, da stehen neben meinesgleichen Mittzwanzigern auch etliche Teens, ebenso wie Herren mit graumelierten Haaren und schwarzen Lederjacken, welche von wilden, vergangenen Zeiten erzählen. Und es ist nicht so, dass nur letztere bei älteren Hits wie „Hush“ oder „Mountain Mama“ mitsingen, nein, auch die jüngere Generation kennt den Text. Und als Steve Lee zusammen mit Gitarrero Leo Leoni den Über-Hit „One Life, One Soul“ anstimmt, ist es komplett um uns alle geschehen. Wegen Momenten wie diesem gehen wir an ein Konzert. Gänsehaut.
Das Rockmärchen von Gotthard geht noch lange nicht in die letzte Runde. „Ziel ist, dass unsere Geschichte weitergeht, dass Gotthard weitergeht. Wir möchten auf dem Level, wo wir uns befinden, bleiben, und immer wieder einen Schritt weitergehen. Vor allem auch im Ausland – da gibt es noch viel zu sehen, zu entdecken, zu erobern“, erzählt Freddy mit leuchtenden Augen. Momentan erobern die Jungs Spanien im Sturm, in England hat man zum Feldzug angesetzt. Man traut den Herren Rockmassiv alles zu. Angetrieben von einer unbändigen Energie, sympathisch, mit einem Händchen für treibende Songs und bodenständigen Rock, zeitgemäss, werden Gotthard wohl auch mit der neuen Platte die Herzen der Fans erobern. Die Rockmaschine rollt weiter und weiter, hin zum Hoirzont. „Träume haben wir noch mehr als genug“, grinst Freddy. Und als die Menge die Band zu einer zweiten Zugabe klatscht, weiss ich: Träume, die Gefahr laufen, in Erfüllung zu gehen.