Tummeln sich auf dem Schrottplatz: GMF
Text: Ko:L
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Unermüdlich schaufelt die Rolltreppe Leute hoch, um sie im ersten Stock, im Mediamarkt in Lyssach auszuschütten und ins „Kaufvergnügen“ stürzen zu lassen. Da ein Lächeln, dort demonstrative Langweile im Gesicht, hier Hektik. Für gute Vibes scheint da nicht viel Raum zu sein. Und doch sammeln sich ein paar Leute an, die inne halten, zuhören, mitnicken und bald mitwippen. Oben an der Kundenförderanlage werden selbige von GMF, Grand Mothers Funck, empfangen. Die Berner Funk-Urväter präsentieren ihr neues Album „At the Funckyard“ an diesem Nachmittag im Multimediakonsumtempel. Ob Groove in ein solch gestresstes Umfeld passt, will Sänger Rich nach dem Showcase nicht recht beantworten. „Da gehen die Meinungen auseinander“, meint er diplomatisch. „E Guete“, sagt Sängerin Edita zum Auftakt des Talks im Fastfood-Restaurant nur und lacht...
„At the Funckyard“ ist mittlerweile der neunte Release aus dem Hause GMF, das siebte Studioalbum. „Wenn du Funckyard mit Junkyard – Schrottplatz – assoziierst, liegst du gar nicht so daneben“, erklärt Rich den Titel und das Konzept des Albums. „Wir wollten eher wieder zurück zu den Wurzeln von GMF; etwas dreckiger und roher werden, aber auch Platz bieten, Neues zu entdecken.“ Und überhaupt sei der Schrottplatz für ihn als Kind das grösste gewesen. „Da sind wir stundenlang rumgehangen und haben Zeugs ausgegraben, das wir irgendwie brauchen konnten.“ Heute sind es bisweilen stundenlange Proben und das Suchen nach dem richtigen Sound, die das Wühlen im Schrott abgelöst haben. „Manchmal wars nervenaufreibend, oft ein riesen Spass. Aber es hat sich gelohnt!“, ist Rich überzeugt. Es brauche halt beides, harte Arbeit und Freude, um vorwärts zu kommen. „Talent alleine reicht nicht“, weiss Edita. Dann verrät die hyperaktive Bernerin – früher 50% von Vanessaedita, Teil von Dopestumm und heute neben GMF noch an einem Soloprojekt und mit Sugar Puffs unterwegs – dass sie am liebste morgens übt, „allerdings nicht immer zur Freude der Nachbarn.“
Definitiv neu ist bei GMF 2007 neben der Sängerin die Plattenfirma. Die Berner Funk-Vorreiter haben „At the Funckyard“ beim deutschen Label BHM rausgebracht. „Wir wollen über die Landesgrenzen hinaus und Deutschland ist halt ein riesiger Markt“, begründet Rich diesen Entscheid schlicht. Zustande kam der BHM-Deal anlässlich des Auftritts von GMF an der Popkomm 2005 in Berlin. „Dort konnten wir die nötigen Kontakte knüpfen“, berichtet Rich. „Jetzt haben wir vor, nächstes Jahr eine etwas ausgiebigere Deutschland-Tour zu spielen, wobei heute noch nichts gefixt ist.“ Oder anders gesagt: Nach dem GMF als Funk-Pioniere in 15 Jahren von Bern aus die Schweiz erobert haben, solls nun weiter gehen. Wohin, lassen Rich und Edita allerdings offen. „Wenn jetzt einer mit einer Welttournee kommt, bin ich sicher dabei“, sagt Richt und lacht. „Du weisst halt nie was passiert, wir bewegen uns in einem Business, in dem es keine Garantieren gibt.“
Mit einem dreckigen Schrottplatz lässt sich für Rich denn auch das Musikgeschäft an sich vergleichen. „Sehr!“, antwortet er wie aus der Kanone geschossen auf die Frage, ob Musik ein Drecksgeschäft sei. Aber weil ein Schrottplatz auch immer mal wieder eine Überraschung bereit hält, kam es, dass ausgerechnet „Radio“ - die Nummer, in welcher sich die Funker bitterlich über die mangelnde Radiopräsenz ihrer Songs beklagen – den Sprung in die Playlist unter anderem von DRS3 geschafft hat. „Das ist wohl eine Ironie des Schicksals“, meint Rich und grinst. „Natürlich haben wir's ein wenig darauf angelegt und den Song mit dem Hintergedanken gemacht, dass es natürlich ziemlich geil wäre, wenn ausgerechnet der am Radio laufen würde. Aber am Ende weiss man nie, wie's kommt.“
Was auffällt – vielleicht aber bloss purer Zufall ist – dass wir in den letzten Monaten immer wieder über Rich und Edita „gestolpert“ sind, sei es bei den Brothertunes am Gurten oder Sugar Puffs am Woodrock-Festival und jetzt wieder bei GMF. Es macht den Anschein, die beiden, seien (fast) die einzigen Stimmen für groovig-soulig-funkige Acts im Raum Bern. „Kaum“, wiegelt Edita ab, „ich glaube, das hat einfach damit zu tun, wen man kennt und in welchem Kollegenkreis man sich bewegt“, und Rich wirft ein: „Wenn du YB-Fan bist, kennst du auch viele YB-Fans.“ So scheint es am Ende halt nur logisch, dass die beiden immer mal wieder bei einem anderen Projekt auftauchen. Zudem: „Bern ist halt einfach auch wahnsinnig klein, da kennt rasch jeder jeden“, sagt Edita. Zudem gebe es ganz einfach nicht wahnsinnig viele Bands im Bereich Soul/Funk in Bern.