Gurten 2007: Die Schweiz regiert
Seven, Stress und Plüsch auf der Hauptbühne, die Magicrays und Gustav – beide von der Wald- auf die Zeltbühne „upgegradet“ -, Lunik und Baschi auf der Zeltbühne und dazu die „Who's who“-Show mit der Swiss Jazz School und das einzige Konzert des Jahres von Patent Ochsner und nicht zu vergessen 18 hochkarätige CH-Acts auf der Waldbühne: Einheimisches Musikschaffen regierte zweifellos das Gurtenfestival 2007. Nicht der Regen, nicht Avril Lavigne und nicht Cypress Hill. Kein Wunder, gab Micha Günter, Sprecher des Gurtenfestivals schon am Festivalsonntag bekannt, dass die Waldbühne auf weitere drei Jahre gesichert sein sollte – dank diversen Firmen, die sich für Schweizer Musikschaffen und -nachwuchs engagieren wollen.
Auch die Idee von Newcomern (Backslash, Maury) bis hin zu potentiellen Co-Headlinern (Gimma, The Young Gods) Schweizer Acts aller Güte und Couleur auf der Waldbühne auftreten zu lassen. So krachte es am Donnerstag Abend ein erstes Mal so richtig, als nach dem ersten Gewitter Gimma mit seiner Band über die Bühne im Osten des Gurtens fegte. Am Freitag wurde es nach Soul und Pop aus den Federn von Jones und den Brothertunes – die beide in ihren Anfängen noch zusammen gehörten – mit Maury schon mal doll rockig. Der Auftritt der drei mittlerweile auch nicht mehr so jungen Götter Young Gods avancierte gerade für arrivierte und anspruchsvollere Fans von ebensolchem Sound zum Highlight des diesjährigen Gurtenfestivals.
Eine Doppelischicht legten am Samstag die Magicrays aus Lausanne ein. Nach dem Start-Gig auf der Waldbühne erhielten sie gleich noch eine zweite Chance: Weil Razorlight im Sumpf der Englischen Unwetter hängen geblieben waren, konnten die Schweizer Rocker am Abend noch einmal auf der Zeltbühne ran – und überzeugten mit einem kraftvollen Gig, der das beachtlich grosse Publikum ziemlich mitzureissen vermochte. Ehre anderer Art wurde am selben Tag den Bielern Pegasus zu Teil: Die Suisa-Stiftung übergab ihnen nach dem Auftritt am Gurtenfestival den Award für die vielversprechendste Nachwuchsband der Schweiz. Das härteste Los des Tages – oder besser der Nacht – fiel schliesslich Fiji zu. Doch auch die Berner Eros-Elektroniker schafften es, trotz Kälte, Nässe und Matsch eine beachtliche Truppe zum Partymachen zu später Stunde zu animieren. Überhaupt sei hier festgestellt, dass trotz der bisweilen mehr als beschwerlichen Umstände immer wieder hunderte interessierter Fans den Weg ganz nach vorne vor die „Swiss Stage“ fanden.
Was Bligg am Samstag Abend mit seinem Gast Ritschi als Beatboxer startete, zog sich wie ein roter Faden durch praktisch alle Auftritte von Schweizer Bands am Sonntag: Man holte Gäste auf den Gurten. Das Swiss Jazz Orchestra lud die Crème de la crème der SängerInnen – Hofer, Huber oder Sina sind nur einige – Weyermann dafür mit Düde Dürst gleich einen zweiten Drummer. Baze und Secondo sind zwar schon eine weile gemeinsam unterwegs – aber eigentlich auch eine, wenn auch funktionierende, Zweck-Ehe und bei Tomazobi war zum Abschluss die Zahl der Gäste wahrscheinlich höher, als jene der regulären Band-Members. Eine der Ausnahmen: Gustav – aber der füllte am Nachmittag die Zeltbühne auch ohne Gäste spielend!
Am Ende bleibt nach dem Gurten 2007 neben viel Dreck und Schlamm die Erkenntnis, dass es sich lohnt, auf Schweizer Musik zu setzen. Das Festival war der Beweis, dass die Szene bebt – und das dass Publikum Spezialauftritte und Sonderaktionen, wie sie schon nur aus logistischen Gründen nur Schweizer Bands bieten können, liebt. Und mit 57'000 sind heuer wieder wesentlich mehr Tickets verkauft worden, als noch vor einem Jahr. Sicher nicht an erster Stelle wegen den CH-Bands. Aber sicher auch nicht zuletzt wegen den CH-Bands...