Andi Hoffmann & B-Goes erwecken New Orleans zum Leben
Text/Bilder: Ko:L
„Oft werden B-Goes mit Daniel Lanois oder Lou Reed verglichen und gelten im Moment als New Orleans´ neuster Geheimtipp“, lockte das Programm der Alten Taverne in Adelboden für den Gig vom 18. März. Auf der Bühne: Andi Hoffmann – ein Schweizer, der „in New Orleans daheim“ ist, wie er selber ohne zu zögern sagt, und vier Mitmusiker aus der wohl sagenumwobensten Musikstadt der USA: B-Goes aus New Orleans. Seit den frühen 90ern lebt Hoffmann mit seiner Familie am Mississippi-Delta. Er folgte dem Ruf der Musik – und hat sein zu Hause gefunden, wie er im Gespräch versichert. „Ich muss heute meine Musik niemandem mehr nachmachen“, sagt Andi Hoffmann. „Früher kannte ich die Musik aus New Orleans vor allem von Platten. Heute kommt die Musik für mich aus dem Alltag, aus dem Leben in New Orleans.“
Trotz dem Umzug nach New Orleans – oder vielleicht genau deswegen – hat Andi nicht nur einen neuen Zugang zu seiner Musik als solches gefunden, sondern auch zu seiner Muttersprache. Nicht nur der Inhalt seiner Songs hat sich über all die Jahre entwickelt und verändert – Andi hat plötzlich auch Songs in Mundart in seinem Repertoire: „Als ich noch in der Schweiz war, habe ich nie Texte in Berndeutsch geschrieben. Jetzt in New Orleans habe ich damit angefangen. Das kommt vielleicht daher, dass ich eine andere Sicht auf meinen Ursprung gewonnen habe – und auch einen gewissen Stolz auf diese Muttersprache“, begründet Hoffmann diese Entwicklung gleich selber. Und tatsächlich: Auch in der Taverne gab er „I liebe di für immer“ zum besten. Und man hörte und staunte: Er beschränkte sich nicht auf eine Solonummer – seine amerikanischen Mitmusiker sangen im Chor „I liebe di für immer, solang das es mi git“.
Andi Hoffmann strahlt auf der Bühne genauso wie im Talk vor allem etwas aus: Authentiziät. Wenn er singt, wie er mit seinem Chevy nach New Orleans fährt, dann verpackt er diese Geschichte in das passende musikalische Kleid – der Chevy brettert beim Zuhören vor dem Inneren Auge durch die Vorstädte, der Ellbogen hängt lässig durchs Fenster und der Wind zerzaust die Frisur... Es gibt Leute, die sagen, dass Andi Hoffmanns Sound New Orleans zum Leben erweckt. „Wenn du einmal dort warst und Andis Songs hörst, bist du sofort wieder zurück“, erzählen sie. Wenn New Orleans tatsächlich diese pulsierende Stadt irgendwo zwischen genzenlos buntem Mardi-Gras-Taumel und tristen Vorstädten ist, eine Stadt, die von Jazz, Cajun, Americana und Folkrock am Leben erhalten wird und eine Stadt, in der all diese Faktoren zu einer solch spannenden Einheit verschmelzen, wie sie es bei Andi Hoffmann auf der Bühne tun, dann hat mich diese Stadt in ihrem Fängen. New Orleans hat mich in Adelboden eingewickelt... Mehr Andi Hoffmann gibts übrigens am Montag, 17. April, zwischen 20 und 22 Uhr hier in unserem Radio-Issue.