George Hug: „Country wird noch viel grösser“
25.6.2011/Text: Ko:L, Bilder:
on-pictures.ch
„Die Kids heute haben genug davon, dass ihnen etwas vorgemacht wird. Auch sie wollen wieder handgemachte und ehrliche Musik. Deshalb wird Country noch viel grösser werden.“ Das Statement von George Hug nach seinem Gig am Trucker- und Countryfestival in Interlaken war unmissverständlich und glasklar. Der Mann, der sich selber als „Botschafter des Country“ bezeichnet, steht seit 30 Jahren auf der Bühne. Mit Cowboyhut, Lederhosen und Revolvergurt aufzutrumpfen hat er nicht mehr nötig. In einfachen Bluejeans steht auf der Bühne, das Hemd hängt lässig darüber hinab. Die Gitarre ist schlicht, der US-Akzent unüberhörbar, aber alles andere als aufgesetzt. „Meine Mutter wusste nie warum – aber schon als Vierjähriger rannte ich immer zum Radio, wenn Countrymusik kam“, sagt George Hug. „Es ist eine Leidenschaft, die ich in mir trage.“
Diese Leidenschaft musste allerdings noch etwas gären, George Hug war 29-jährig, als er zum ersten Mal auf eine Bühne stand. „Es dauerte eine Zeitlang, bis ich merkte, was mich da tief in mir drin plagt.“ Losgelassen hat ihn das Virus Country-Musik indes nie mehr – wie so viele andere auch nicht. „Es gibt nirgends auf der Welt so viele Countrybands auf so wenig Raum wie in der Schweiz“, sagt George Hug. Über die Gründe dafür lässt sich wohl Stunden und Tage philosophieren – sind doch die Südstaaten der USA mit weiten Feldern und Wüsten und die kleinräumige von Bergen und Grün geprägte Schweiz in vielen Punkten auf den ersten Blick äusserst gegensätzlich. „Das mag stimmen“, sagt George Hug, „aber vielleicht nur auf den ersten Blick.“ Und dann zeichnet er das Bild vom Einsamen oben auf der Alp und vom Einsamen in der Wüste. „Beide sind aus unterschiedlichen Gründen einsam. Aber wahrscheinlich fühlt sich diese Einsamkeit ähnlich an. Gut möglich, dass deshalb so viele Leute in der Schweiz, gerade auf dem Land, Countrymusik mögen.“
Dieses Gefühl, diese gemeinsame Identität, vielleicht auch das innere Leiden – ist es das, was George Hug antreibt, seit 30 Jahren immer die gleiche Musik zu machen? „Wir geben uns Mühe, dass wir nicht immer die gleiche Musik machen“, sagt George mit einem zufriedenen Lächeln. „Vielleicht ist es das, was mich antreibt, vielleicht ist des der Wunsch und das Ziel, besser zu werden, uns weiter zu entwickeln und die Fertigkeiten und die Musikalischen Fähigkeiten zu erweitern.“
Wie sich dass anhört, können eingefleischte wie neue Fans auf Hugs aktuellem Album „Update +1“ anhören; einer Sammlung alter Hug-Hits, welche er neu aufgemacht hat. „Es war tatsächlich spannend, die Songs zum Teil neu zu entdecken“, sagt George. „Wir haben versucht, vor allem die alten Songs mit etwas mehr Schmiss, Energie und Druck zu verpacken“, erklärt er – und hofft, noch lange so weitermachen zu können. „Ich habe keine Ahnung, was ich ohne Countrymusik machen würde“, gesteht er. „Und mein Wunsch ist eigentlich nur, weiter Musik machen zu dürfen, bis ich in der Kiste liege.“ Doch an solche Sachen mag an einem Trucker- und Countryfestival in Interlaken niemand denken. Viel mehr will es sich auch ein George Hug einfach gut gehen lassen und die Stimmung nicht nur geniessen, sondern richtig aufsaugen – wenn schon Country mal das Grösste überhaupt ist.