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Wippen im Wald mit den Halunke

Text: Ko:L
Bilder: musicbild.li, Finsti
Halunke live
Vieles blieb am ersten Abend des Woodrock-Festivals auf der Moosegg im Trüben, trotz schönstem Sommersonnenkaiserwetter. Allem voran die Frage: Kam die Band nun zum Festival oder das Festival zur Band? Allein das Farbenspiel, dass Himmel, Sonne und Dunst hinter den Tannen boten, deutete darauf hin, dass am Ort, wo die Halunke zum ersten Mal vor Publikum auf einer Bühne standen, nicht alles mit für Menschen normalen Dingen zu und her gehen konnte. Dieses Zusammenspiel aus Rot, Blau, Gold, Pink und Lila wirkte bisweilen ebenso überraschend orchestriert wie der Sound den das Quintett auf der Bühne servierte. Wie das Rot, das Blau, das Gold, das Pink und das Lila passten der Ukullelen-Bass, das I-Book, das halbdigitale Drum und die Pfadigitarre irgendwie wie von magischer Hand geführt zusammen. Was eigentlich separat sein müsste, wurde tief im Wald hoch über dem Emmental vereint. Streckenweise war es, als hätten Kuno Lauener und Büne Huber fünf gemeinsame Söhne. Im Halunken-Land ist schliesslich nicht unmöglich. Und mitten drin Menschen, die fröhlich Mitwippen in diesem Märchenwald.
Halunke live
„Es die Narrenfreiheit, die wir Halunken im Wald gefunden haben“, sagt der Kapitän der schrägen Truppe nach dem Auftritt. „Die Narrenfreiheit, tun und lassen zu können, was wir wollen – und Zeit zu haben. Zeit zum tüfteln, Zeit zum experimentieren, Zeit zum Leben- und Sterbenlassen von Songs. Und vor allem Zeit, mit Geräten arbeiten zu lernen, wie es sonst noch kaum jemand getan hat. „Viele lassen ihren Sound von elektronischen Hilfsmitteln bestimmen“, erklärt der Halunke-Kapitän. „Wir wollen bestimmen, was die elektronischen Geräte tun sollen.“ Was aber nicht selten in Arbeit ausartet. „Diese Maschinchen sind wahnsinnig vielseitig und sie können Unglaubliches. Aber es braucht manchmal Wochen oder Monate, bis wir ein Gerät wirklich begriffen haben.“ Und warum tun sie das? „Weil es uns fasziniert – und ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Möglichkeiten, die andere bestimmt auch gerne nutzen würden, es aber nicht tun, weil sie vor dem Aufwand kapitulieren, den es mitbringt, wenn man der komplexen Elektronik Herr werden will.“
Halunke live
Gewiss, der Sound, den die Halunke beim Einnachten in den so geliebten und vertrauten Wald hinaus trällern, ist kein grundlegend neuer. Die Scratches haben wir schon in den 90er Jahren gehört. Sprechgesang auch. Und Stimme und Lyrics in frechem Berndeutsch erinnern sowieso an eine Band, die wir schon mal hatten. „Ja ja“, sagte der Platzspeaker nach dem Auftritt, „der vorne auf der Bühne mit der Gitarre und dem Mik, der hat schon bei einer Mundartband gesungen. Das war der Trauffer von Airbäg!“. Einige lachten dann... Was bei den Halunke anders ist, ist die Kombination der Sounds. Scratches, Samples und Loops hörte man zusammen mit Mundart zuletzt bei den jungen Subzonic. Wo das, was einst als deftiger Crossover angefangen hatte, endete, wissen wir alle. Der Kapitän gesteht denn auch: „Diese Scratches und Samples waren total das Ding der 90er und sind eigentlich schon wieder ziemlich vorbei – aber ich find das Zeug einfach geil. Drum musste ich einen DJ mit an Bord nehmen.“
Halunke live
Und so schlängelt sich die Truppe aus dem Wald immer schön dem Waldrand entlang. Wagt einen Blick nach draussen in die gleissende weite offene Welt, wo alles schön, hell und übersichtlich ist – bloss, um sich gleich wieder dem Wald zu zu wenden, ihrer Spielwiese, auf der Fremde sich allzuleicht verirren, während die Halunke zu Hochform auflaufen. „Wenn wir proben, ist das erste, das wir tun in der Regel, das Licht zu dimmen“, erklärt der Kapitän, der von sich sagt, dass er einen „ernsthaften Hang zum Chaotentum“ habe. Umso erstaunlicher ist, dass diese Truppe unter der Führung dieses Chaoten einen Plattenvertrag bei einer der ganz grossen Firmen an Land ziehen konnte. „Zum Glück habe ich auch eine Steuer-Frau mit an Bord“, sagt der Kapitän. „Ohne sie wäre ich oft hoffnungslos verloren. Sie ist, die unser Ziel in den Augen behält und darauf achtet, dass wir nicht vom Kurs abkommen.“ Das nächste dieser Ziele ist der 3. September. Dann steht die erste richtige Platte der Halunke in den Läden. Und dann? „Dann schauen wir weiter“, sagt der Chaoten-Kaptiän – und grinst breit...

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5/23/2012 10:28:04 PM Administrator
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