Hamschter's Gotte von Gottes Gnaden
Text: Piggy/Debi
Bilder: Eve/Blueman Productions
"Eine bekannte Grösse aus der Musikszene", kündigte Ben von Allmen in der Jungfrauzeitung als Taufpatin der filmischen Aufarbeitung von 26 Jahren Bandgeschichte an. Verraten hatte er seinen Special Guest einzig Gründungskollege Lori, dem Drummer und heimlichen Star der Kult-Band aus Stechelberg. Als die Gotte von Gottes Gnaden dann zwischen den beiden Sets die Filmrolle mit der Hamschter-DVD auf die Bühne brachte, war das Geheimnis gelüftet - eine wasserstoffblonde, bleiche Maus hatte sich Ben als "Göttin" der bisher speziellsten Hamschter-Disc ausgesucht und war auch nach meinem Einsatz noch glücklich mit seiner Wahl. In der Radiosendung vom 15.5. (siehe Rubrik Radio) erzählen Lori und Ben, wie speziell der Abend für sie war und was das Hamschter-Homevideo so alles zeigt. Damit ihr aber nicht so lange darauf warten müsst, haben wir Debi an die Vorpremiere der DVD geschickt:
25 Jahre Hamschter sind aber nicht bloss Ben von Allmen, Lori Zurbuchen, Ändu Joliat und Edu Brunner selbst. Backgroundsängerin Fräne Holzer trägt seit sieben Jahren das ihrige bei. Und für das Musikvideo zum Song «We nid jetz» haben sich die Hamschter Unterstützung aus der Musikszene geholt: Emi Kiossovska, Bassistin der Fernando-von-Arb-Band, geniesst als blonde Schönheit ihren DVD-Auftritt wie auch Barkeeper und Model Knopf. Im vergangenen Jahr, in welchem die DVD nach und nach entstanden ist, sahen sich Filmcrew und Band auch mit Schranken konfrontiert. Über vier Stunden an Filmmaterial kamen vor und während den Dreharbeiten zusammen. "Technisch und zeitlich sind wir an Limits gestossen", sagt Produzent Tinu Widmer. "Aber wir haben sie gut ausgereizt." Es sei von Beginn weg klar gewesen, dass Hamschter nicht über die Ressourcen für eine 100 000-Franken-Produktion verfüge. Mit dem Resultat, das in einer Auflage von 500 Stück vorliegt, sind die Produzenten, das Filmteam und die Band sehr zufrieden. Die Fortsetzung, so munkelt man, erscheine zum 30-jährigen Bestehen - in Spielfilmlänge. Bleibt nur Timmermahns Schlusswort: «Gitarren tieferlegen und ´no meh Gas gäh´».
Seit rund vier Jahren feiert die Stechelberger Ur-Rock-Formation Hamschter ihr 25-jähriges Bestehen. Doch damit nicht genug: Jetzt haben die vier eine eigene DVD produziert - Ein Vierteljahrhundert Rock´n´Roll im Zeitraffer. Eigentlich sollte es ja lediglich eine Live-DVD mit Ausschnitten vom Move to Rugenrock 2004 werden. Doch dabei ist es nicht geblieben: Hamschter haben ihre Enstehungsgeschichte dokumentiert - ein Vierteljahrhundert Stechelberger Rockgeschichte, auf eine Stunde reduziert und auf eine silberne Scheibe gepresst. Für ihr erstes eigenes Videoprojekt haben die beiden Produzenten, Sänger Ben von Allmen und Tinu Widmer vom Tonstudio Spiez, tief in die Erinnerungs-Kiste gegriffen. Enstanden ist ein Zeitdokument, das nicht nur eingefleischte Hamschter-Fans begeistern wird. Die Geschichte beginnt vor 26 Jahren im hinteren Lauterbrunnental. Zu der Zeit griffen Ben von Allmen und Lori Zurbuchen zu Instrumenten und gründeten Hamschter. Als Erzähler, der von Fotos über Liveauschnitte zu den Porträts und Interviewteilen führt, figuriert Timmermahn. Er zeichnet den Weg der Band nach - vom ersten Studiobesuch 1982 über Fernsehauftritte bei «Risiko» und «Zischtigsclub» und über Fotos aus den frühen Zeiten. Auch den Filmwitz haben die Produzenten nicht vernachlässigt - so ist in fast jeder Einstellung die obligate Flasche Jack Daniel´s zu sehen.
Und dieses Motto wurde an der Taufe gleich umgesetzt. Wie immer wenn Hamschter in der Alten Taverne spielen, ward es ein rauschendes Fest mit allen Hits aus der Bandgeschichte von "He Du" über "Jolä" bis hin zu Polo-Covers, Lumpeliedli und "Johnny B. Good". Lori steigerte sich in letzteren derart hinein, dass er beim letzten Schlag rückwärts vom Drumstuhl flog und sich zwischen Lautsprechern und Kabeln wiederfand. "I ha eifach auäs i dä letscht Schlag gleit - da het´s mi grad umgworfä", kommentierte ein über alle Backen strahlendes Nagetier die Szene danach aus seiner Sicht. Traditionellerweise wurde Lori Ende Konzert mit Sprechchören gefeiert, was dem Naturburschen merklich nicht ganz recht war. Ebenfalls schon fast zur Tradition geworden ist mein Küsschen auf Bens Wange, nachdem der letzte Ton von "Wasserstoff" verklungen war. Entsprechend liess sich der Gitarrist diesmal auch nicht mehr aus der Fassung bringen.
Sollte ich dies im Sinn gehabt haben, wäre ich auch im Interview gescheitert. Der Begriff ´normal geblieben´ trifft es nicht, weil dafür die gehamschterten Erfolge wohl nicht gross genug sind. Ben und Konsorten haben aber über all die Jahre das Verhältnis dazu gewahrt und die Freude an der Sache nicht verloren. Ihre Fans mögen nicht so zahlreich sein, dafür feiern sie ihre Stars umso herzlicher und ich bin mir sicher, darauf wäre manch ein Superstar neidisch. Die Atmosphäre ist - besonders in der Alten Taverne - nicht nur familiär sondern richtiggehend intim. Die Songs kennt man auswendig, singt sie aus voller Kehle mit und schwelgt dazu in Erinnerungen, die mit dieser Band und diesen Leuten untrennbar verbunden sind. Viele Hamschter-Fans verpassen keinen Gig "ihrer" Band und verkörpern damit den gleichen Geist, der auch die Hamschter nach so langer Zeit auf der Bühne hält. Und damit meine ich nicht den Flaschengeist, auch wenn Mister Jack Daniel´s natürlich immer mit von der Partie ist.
Logisch, dass "We nid jetz" also auch mit dem hochprozentigen Gerstensaft getauft wurde. Regisseur Tinu Widmer fiel die Ehre zu, den Silberling mit dem goldenen Saft zu benetzen, während ich das Baby sanft hielt und Ben seinen Segen dazu gab. Damit hat sich für Hamschter ein lange gehegter Traum erfüllt und ein Kreis geschlossen. Vor der Präsentation der DVD zum Abschluss der Wintersaison hatten Hamschter selbige mit dem Videodreh zum Titelsong von "We nid jetz" eröffnet. Den Titel kann man in Anbetracht von schlussendlich 500 Gigabyte Material und nächtelangem Editieren durchaus ironisch versetehen. Dann nun gibt es endlich die Möglichkeit, Hamschter live zu sehen, wann immer man Lust auf die kleinen Nager hat.
«We nid jetz» - Tour 2006:
Restaurant Sternen, Neuenegg, Samstag, 13.Mai ab 21 Uhr.
Rock im Stock mit Kick Down, Brienz, Samstag, 01.Juli.
Dorffest Mürren, Freitag, 04. August.
Eidg. Hornusserfest, Bleienbach mit Span und Hofer, Freitag, 25. August, 20 Uhr.
Openair Suppenalp, Mürren, mit Coal und Special Guest; Samstag 9. September