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Hier kommt die Maus - Piggy bei Hamschter

Text: Piggy
Bilder: Eve
Zum 25jährigen (!) Bandbestehen und zum Saisonaschlusss in der Alten Taverne, Adelboden rockten die unermüdlichen Pelzknäuel Hamschter wie ihre tierischen Namensvettern im legendären Laufrad. Die Status Quo der Alpen haut nach so langer Zeit eigentlich nichts mehr um. Trotzdem wäre Sänger Ben an diesem Abend eimal fast von der Bühne gefallen. Warum und was das mit einer frechen Blondine zu tun hat, erfahrt ihr gleich, aber schön der Reihe nach... Die Trespass-Networker Eve, Ko:L und Piggy haben nebst dem bisschen Arbeit wieder mal nur Flausen im Kopf. Bei Tom und Reto fühlt man sich halt auf Anhieb wohl. Auf zwei Stöcken öffnet sich der Raum zur Bühne hin, nach dem Prinzip oben sitzen - unten Party! Das Chalet ähnelt seinem heutigen Hauptact darin, dass es zwar nicht mehr das jüngste, aber grundsolide gebaut und heimelig ist. Monthys Predominant Lunatics haben hier schon vorproduziert und die Alte Taverne gilt gemeinhin auch als Trummers Stammlokal.
Unter Nagetieren wollte ich - die blonde Maus - mal bei Ben und Fräne, den Stimmen der von Ko:L zärtlich als "Hamschter Rockus Partyfix" klassierten Pfausbacken-Band, nachfragen, was denn die Faszination des "Eifach So"-Sounds ausmache. Beim Soundcheck bin ich aber erstmal diejenige, die sich an den Kopf greift. Während Drummer Lori seine Kübel auf den richtigen Klang überprüft, bejubeln ihn die Fans bei jedem Stockschlag! Bei allem Respekt für die Anheizer von Nach Dran - dass die Stimmung so aufgeheizt ist, hängt nicht erst seit heute Abend vor allem mit Hamschter zusammen. Mit ihrer Heimatverbundenheit etwa. Die Oberländer lieben ihre daheimgebliebene Band, währenddem sie ansonsten viele Acts gen Unterland ziehen gesehen haben - nicht etwa weil es denen zwischen Thun und Lötschberg nicht mehr gefallen hätte, sondern weil sie ganz einfach zu erfolgreich wurden für die Region. Hamschter blieb dies erspart, auf Hamschter treffen eher Worte wie Beständigkeit, Selbstverwirklichung und - von ganz bösen Zungen gesprochen - Auf-der-Bühne-Sterben zu. Dass Ben und Freunde gerne einige CDs mehr verkauft hätten, ist kein Geheimnis. Aber das heisst nicht, dass Hamschter nicht gut spielen würden. Die sind saugut und mit jedem Live-Hören scheinen sie mir immer noch besser zu werden. Ich will Ben an diesem Abend ganz speziell danken für seine Ausdauer und die unzähligen Male, die er und seine Band den Leuten eine gute Zeit beschert haben.
Nach 25 Jahren gibt es tolle Neuigkeiten, nämlich die erste Hamscher-DVD, "vor allem mit Bildern von Fräne...", wie Ben gluschtig macht. Sie erklärt, dass die Aufnahmen vom Move-to-Rugenrock 2004 stammen und sie sich freue, ansonsten aber gar nichts wisse. Ben hält seine Hamschter diesbezüglich an der ganz kurzen Leine und verrät nur: "Ich denke, es wird Herbst, vielleicht November. Zu dieser Zeit spielen wir immer etwa unsere Plattentaufen in Lauterbrunnen oder Stechelberg. Wir machen etwa fünf Songs aus den Live-Aufnahmen und dann noch einen Clip eines ganz neuen Songs." Und dann nimmt er mich nochmal auf die Schippe: "Deswegen veranstalten wir jetzt ein Schlampen-Casting - fürs Video..." - Danke Ben, ich bleibe lieber Maus...
Das Programm richten Hamschter eigentlich jeweils nur auf die Dauer des Konzerts aus, sonst: "nicht speziell. Heute hätten wir problemlos auch noch eine halbe Stunde länger spielen können, wenn wir dürfen hätten..." Ben drückt aus, was man in Adelboden gar nicht überall verstehen kann - Sound-Sperrstunde ab 23.45 Uhr an einem Samstagabend! Die Lärmprobleme wurden zwar für einmal nicht allzu ernst genommen und versauten uns den Abend natürlich nicht, hinterliessen aber einen Nachgeschmack. Auf das Immer-Besser-Werden angesprochen meint Fräne frech: "Ja das finde ich auch." Besonders das Nesthäken ist mir in dieser Hinsicht aufgefallen. Ich versuche herauszufinden, ob sie sich ihrem eigenen Fortschritt bewusst ist. Fräne bedankt sich artig und führt aus: "Ja, das merkt man schon. Ich singe ja nicht nur bei Hamschter sondern auch in anderen Projekten und das fühlt man schon ein bisschen heraus. Von den Leuten her höre ich hier bei Hamschter so ein Kompliment eher selten. Hier bin ich die Fräne, bin ein ´ängeli´ und das ist schön, gefällt allen und ist wunderbar so. Aber bei den Finessen oder wenn ich etwa krank bin, stelle ich schon selber Fortschritte fest." Aufs Songwriting angesprochen erklärt Alfa-Nager Ben: "Wir sind ja eingentlich schon eine Party-Band und dann bringen allzu viel sozialkritische Songs gar nichts. Ich habe das auch gemacht und wir haben immer mal wieder auf den CDs auch Songs, die mehr zum Reinhören sind, aber live bringen wir die gar nicht. Die Songs werden praktisch alle von mir geschrieben, dann richten wir sie in der Band zurecht und am Schluss kommt die Fräne und macht gute Songs daraus..." Beim Schreiben lässt sich Ben gerne inspirieren: "Viel basiert auf Ideen, Songzeilen von anderen Stücken zum Beispiel, die mir gefallen. Darum herum mach ich dann eine Geschichte von mir oder über mich oder über jemand anderen, erfunden oder echt. Es braucht einfach oft einen Initialzünder, das kann auch ein Riff sein, von den Stones vielleicht."
Ich bin ja - besonders heute Abend - besonders frech und nenne den Hamschter-Sound ´einfach gestrickt´. Angesprochen auf die positiven Seiten, also etwa dass man die Leute so relativ schnell animieren kann, bejaht Ben: "Das haben wir schon bewusst so gemacht. Aber willst du mal unsere erste Schallplatte hören? Das sind alles so 8-Minuten-Stücke mit Texten, die man nicht versteht. Erst Leute von aussen, also Produzenten in unserem Fall, haben uns dann geholfen, das ganze eingängiger zu machen, mit den Soli etwas zurückzuhalten. Ich kann das nicht so gut wie der ´Päulu´ wie der Ritschi oder der Kuno, die können das auf Toplevel. Die können in drei, vier Sätzen ganze Storys erzählen und wenn ich das probiere..." Der sympatische Ben und ich trinken unsere Gerste und ich versuche langsam, irgendwo zu einem Ende zu kommen.
Meine (grosse) Stunde schlägt kurz nach Ko:Ls Interview mit Nach Dran. Der Song "Wasserstoff-blondi bleichi Muus" ist mein Stichwort und obwohl ich mich dagegen wehre, bleich zu sein, nähere ich mich unter den gwundrigen Blicken vieler Zuschauer der Bühne immer mehr. Ausgerechnet Bassist Edi, der seine Augen wie Tool-Times-Wilson immer unter einem Zimmermanns-Hut verbirgt, checkt als einziger auf der Bühne noch während des Songs, dass sich im Publikum eine Dame ganz besonders von Bens Gesang angesprochen fühlt. Der merkt gar nichts, im Gegenteil singt er zum Abschluss die Chorus-Variation "wasserstoff-bloni bleichi Schl... - wäge dir fülleni mir hüt Nacht d Lampe!" Als der Ton verklungen ist, stehe ich schon neben Ben, der noch mit den Pedalen beschäftigt ist, auf der Bühne und drücke ihm einen Kuss auf die rechte Backe. Bevor er es richtig realisiert habe ich schon auf den nicht existenten Absätzen gekehrt und lasse ihm nur noch den Anblick meiner blonden Mähne. Später im Interview meint Ben dazu: "...da isch sone Turbine cho u het mir e Kuss gä - mir hets fasch e Saite gchlöpft! - Als Konsequenz müssen wir die Security deutlich verstärken..."
Meinen Dank benötigt hätte Ben aber gar nicht. Auf die Befriedigung dessen was er tut angesprochen, sagt er mit einem wohlverdienten Whisky in der Hand: "Wenn die nicht gegeben wäre, würde man das gar nicht tun." Dass die Leute schon beim Soundcheck flippen, findet auch er, nachdem er sich vom Lachkrampf ab meiner Frage erholt hat, wohl nicht ganz normal: "Nein, das haben wir jetzt voll ins Programm eingebaut, diesen Soundcheck. Dann wissen die Leute gleich, worum es geht." Nun, das wissen die eigentlich recht gut. Wenn Ben oder Fräne ihre Texte vergessen sollten, können sie im Berner Oberland einfach den Leuten aufs Maul schauen - Er gibt zu: "Ja, die kennen die Texte besser als ich. Ich vergesse sie eben noch oft, habe ein wenig Probleme mit auswendig Lernen." So wie Gölä mit Plakaten am Boden will ers auch nicht machen: "Nein, lesen kann ich eben auch nicht richtig..." Sie kann lesen, zumindest "e chli..." Die junge Sängerin an Bens Seite pept Hamschter erst seit der Neuzeit auf und ist sich eigentlich gewohnt, dass es abgeht, wenn sie mit den anderen zusammen die Backen plustert: "We Hamscher es Konzärt spile, de isch füra e Party", gibt Fräne in schönstem Dialekt zu Protokoll und weiss auch wie weiter wenn nicht: "Dann machen wir halt für uns eine Party..."

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5/23/2012 10:31:27 PM Administrator
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