Von wilden Hunden, alten Hasen und frustierten Hamschtern
Text: Ko:L
Bilder: Eve
Nein - es war kein Zoo, den Eve und ich am 7. August anlässlich des 29. Thunfestes besuchten. Es war auch kein Naturhistorisches Museum und schon gar kein Nationalpark. Und dennoch sind wir in der Thuner Berntorgasse auf eine schützenswerte Spezies gestossen: Den Hamschter rockus partyfix wie ihn der Lateiner nennt. Dieser Hamschter tritt seit 25 Jahren auf - in der Regel in Gruppen zu fünf und mit Vorliebe präsentiert sich dieses Quintett auf einer Bühne. Die beiden "Rudelväter" Lori und Ben sorgen bereits seit Anbeginn als "Schutzherrren" für Schützlinge. "Viele kamen und gingen", weiss Hamschter Lori, "Bass-Hamschter Edi ist seit vier Jahren bei uns dabei und das jüngste Mitglied".
Die Hamschter rockus partyfix sind zwar sehr gesellige Wesen, doch sie vertrauen vor allem auf die eigenen Fähigkeiten. "Wir haben in unserer ´Karriere´ alles selber gemacht - sämtliche CDs selber produziert und sogar 1985 noch eine Vinyl-Scheibe in Eigenregie gepresst." Hauptsache, für sie stimmts. Für die Hamschter vom Stächelbärg stimmt´s auch, das 25-jährige Bestehen ihrer Spezies heuer gebührend zu feiern.
Die Hamschter rockus partyfix kommen ausschliesslich im Berner Oberland vor. Erste Erwähnungen deuten darauf hin, dass sich die Hamschter rockus partyfix anfänglich gerne mit anderen seltsamen Wesen aus der selben Region herumtrieben - den so genannten Rumpelstilzen. Diese eigentümlichen Wesen machten sich jedoch anders als die Hamschter im Lauf der Jahre auf Wanderschaft und verteilten sich nach und nach in der ganzen Schweiz - wo sie auch im restlichen Volk eine beachtliche Bekanntheit erlangen konnten. "Wir haben das irgendwie nicht geschafft", meint Hamschter Ben nicht ohne Wehmut. Und erwähnt dass auch andere Spezies, wie etwa das kuschelige Plüsch-Viech oder die kauzigen Scream-Vögel weitum bekannt seien - ganz im Gegensatz zu seiner Art. "Wir hatten wohl zum falschen Zeitpunkt die falschen Leute um uns", analysiert Ben.
"Trotzdem haben wir´s gut", macht jedoch Lori klar. Denn der Hamschter rockus partyfix ist kein griesgrämiges Wesen von trister Natur. "Wenn wir unserer Lieblingsbeschäftigung nachgehen und die Leute mit unsrer Musik unterhalten können, sind wir glücklich", gibt Ben an - sofern das Nahrungsangebot stimmt. "Am liebsten Jack und Bier!", ist für die beiden Hamschter klar. Musik soll für sie immer Spass machen sagen sie, "wenn wir plötzlich müssen und nicht mehr dürfen, ist für uns was falsch gelaufen. Vielleicht sind wir auch deshalb nie berühmt geworden."
Und zwar an selber Stätte, an der das erste Mal Hamschter rockus partyfix auftraten: In der Hornerbar zu Lauterbrunnen feiern sie nächsten November ihr Wiegenfest - und von Rückzugsgedanken keine Spur. "Wir wollen weitermachen", ist für Lori und Ben klar. "Hoffentlich können wir auch nächstes Jahr wieder den einen oder anderen Gig spielen", stapeln die alten Hasen am Rand des Musikbusiness tief. Denn wer Hamschter rockus partyfix schon mal in echt erlebt hat weiss: Die wilden Hunde wollen auf die Bühne und rocken wie die Grossen.