Hansruedi Egli - Eglifilet
Text: Monthy
Bild: Cover
"Ein Produkt, das sich keiner gängigen Mundartrichtung anlehnt", schickt mir Hansruedi Egli und will mich damit zweifelsohne neugierig machen. Und so tönt er auch im Opener "Nid ufgä", nämlich wie ein Motivationstrainer mit Positive-Thinking-Strategie und Steel Drums im Hintergrund. Das ist musikalisch tatsächlich unkonventionell, aber mir fällt gleich auf, wie typische Themen und Texte des Genres sich auch bei Egli wieder finden. Es mag Zufall sein, dass sich mit "Schwein gha" und "Immer und ewig" Titel von Plüsch respektive Sina auf der CD finden. Die Gemeinsamkeiten sind wohlgemerkt auf den Titel beschränkt und Hansruedi zeigt mehr Mut als Mash´s Padi der sich einst scherzhaft bei mir beklagte, er müsse jeden dritten Song verwerfen, weil auch gerade eine andere Band ihn geschrieben habe. Zurück zu Stimmungsmacher Egli, der sein Filet schon mal auf dem Piratenschiff verputzt wie in "He Käptn". Weitere Songs wie "Riich wine Zar" oder "Happy Birthday" vermitteln Eglis positive, aber deswegen nicht etwa blauäugige Vorwärts-"Philosophie". In eben diesem Song zeigt sich hingegen, dass Hansruedi Egli mehr als nur eine Stimmung zu einem vielfältigen Menu zu kombinieren weiss. Wichtige Zutaten sind dabei seine natürliche Stimme und seine offene Art. Feine Betonungen und wohlweislich eingestreute Gesangsmelodien unterstützen den Gesamteindruck des Singer/Songwriter-Werks. Auch aus der Musik, die wie die Texte gänzlich aus der Feder Hansruedi Eglis stammt, lässt sich das Konzept des Feinschmeckers heraushören. Allerdings ist das Ausmass an musikalischer Unterstützung, die er auf seiner CD präsentiert weitaus üppiger als bei der Nouvelle Cuisine. Serviert wird das "Eglifilet" vom Chef persönlich an Gitarre und Mundharmonika sowie 13 weiteren Musikern, die sich kreativ an Schlagzeug, Bass, Saxophon, Trompete, Flügel oder Hammond-Orgel betätigen. Dazu singt mit Voxtasy ein Quintett im Chor und das Solis String Quartett streicht klassisch im Takt. Für Abwechslung ist also im Teich von Süsswasserfisch Hansruedi gesorgt. Dass es da auch Platz für ruhige und nachdenkliche Songs hat ist fast logisch und dank Eglis singender Erzählkunst auch äusserst interessant. HR überzeugt auch menschlich, wenn er auf dem "Wanderweg" nachdenkt oder wie im instrumentalen "Les Landes" auch einmal nichts sagt. Schon allein durch die Songauswahl gewinnt Hansruedi Egli bei mir mit dem sagenumwobenen Volkslied "Simelibärg". Seine Version reiht sich nahtlos an diejenigen von Stefan Eicher, der mit seiner schmachtenden Stimme den Kult in den 90ern wieder erweckte, und von Christine Lauterburg, deren Techno-Jodel für mächtig Aufruhr im Land sorgte. Egli erzählt die Geschichte vom gebrochenen ´Mühlirad´ mit Trommeln und Chor, Funkgitarre und viel Elan und kehrt den meist traurig interpretierten Song ins Positive. In "Woodstock" zeigt Hansruedi schliesslich nicht nur rockigen Sound sondern verweist wohl auch ein bisschen auf seine Wurzeln. Der Song, der sich mehr und mehr zum englisch gesungenen Gospel wandelt, lässt schon ein klein wenig Clapton-Spirit durchschimmern. Ansonsten singt Egli aber Mundart und misst sich logischerweise auch an der nationalen Ikone Mani Matter. Seine Interpretation des "Sidi" ist die eines Weltenbummlers geworden und definitiv noch ein Remake wert. Durch seine Augen wird der Song ein bisschen nachdenklich eingefärbt, was bei Matter traditionell gut funktioniert. Die Sinnsuche im Song, zu der Egli durchaus anregt, erspare ich mir aber bis zum Release eines allfälligen "Sidi"-Samplers. Hansruedi Eglis "Eglifilet" ist von Anfang bis Ende Mundart für Gourmets.