Heidi Happy braucht und spendet Wärme
Text: Ko:L
Bilder:
musicbild.li
Das steht sie auf der Bühne. Priska Zemp, bekannt als Heidi Happy und gefeiert als Singer Songwriterin, die der Musik wieder Wärme gibt. Ihr Debut wurde hoch gelobt, die Vorschusslorbeeren für den Zweitling „Flowers, Birds and Home“ wurden grosszügig verteilt. Und nun präsentiert die Luzernerin diese 18 Stücke mit bestechender Selbstsicherheit; eine Selbstsicherheit, die doch nicht restlos über die charmante Unsicherheit hinwegzutäuschen vermag. „Es ist wegen euch, dass ich heule“, gesteht die Sängerin, sichtlich gerührt ob dem riesigen Publikumsaufmarsch am Showcase für geladene Gäste im Parterre in Luzern, freimütig. „Es ist wunderschön.“
„Ich muss mich selber sein können“, erklärt Priska im Gespräch nach dem Konzert. Das Lob für ihr Debut „Back Together“ und die Vorschusslorbeeren für den Zweitling habe sie deshalb vor allem „positiv motiviert.“ - „Erfolgsdruck oder den Druck, das Hit-Rezept zu wiederholen habe ich aber nie gespürt“, fährt die sympathische Sängerin fort – und fügt an: „Ich muss vor allem frei sein, zu tun was ich will – und ich muss mich selber sein können.“ So kümmert es sie nicht, dass plötzlich jemand im Publikum stehen könnte, der in einem ihrer Songs eine Rolle übernimmt; Rollen, die nicht immer schmeichelhaft sind. „Mit dem Schreiben eines Songs verarbeite ich eine Geschichte“, erzählt sie. „Ist der Song fertig, ist die Geschichte für mich abgeschlossen.“ Dieser Prozess kann allerdings durchaus Zeit in Anspruch nehmen. „Ich bastle lange an meinen Songs“, sagt Priska. So hat sie für „Flowers, Birds and Home“ denn auch nicht mehr als die 18 Nummern, die sie schliesslich einspielte, geschrieben.
Das Konzert in Luzern zeigt eindrücklich, dass Heidi Happy zu Recht eine der meist gelobten Schweizer Musikerinnen der Neuzeit ist. Mit Violine, Bratsche, Cello, E-Piano, Drum und Kontrabass als Boden für ihr sanftes Gitarrenspiel und die eindringliche Stimme bewegt sie sich fernab von gängigen Pop-Klischees. Während ihre Mitmusiker ein samtenes Lacken kreieren, hüllt sich Priska Zemps Stimme wohlig-genüsslich darin ein, es entsteht eine Gefühls-Mischung aus frischen Schneeflocken und kuschlig-warmen Daunen. Hauptsache federleicht. Was aber nicht heissen will, dass Heidi Happy nur fröhlich lockere Kost serviert. Sie kann sich auch ganz unschön über die Launen des Gegenübers aufregen und sich gegen das Einengen energisch zur Wehr setzen. Bloss: Aggressiv wirkt das ganze nie. „Ich brauche Auseinandersetzungen“, sagt Priska. „Aber ich habe nie gelernt, zu streiten.“ In solchen Situationen ziehe sie sich eher zurück und schreibe einen Song.
Gelernt hat sie im Elternhaus dafür den virtuosen Umgang mit der Musik. „Meine Eltern hörten beide sehr viel klassische Musik“, erinnert sich die Musikerin, die dadurch selber zum Chorgesang kam und Cello zu spielen lernte. In dieser musikalischen Kindheit liegt wohl auch der Grund vergraben, dass sich Heidi Happy heute mit spielerischer Leichtigkeit zwischen Chanson, Jazz, Folk und kleiner Kammermusik bewegt. „Letztes Jahr wohnte ich gegenüber einem Plattenladen. Dort hatten sie immer wieder 1-Euro-CDs. Aus dieser Kiste habe ich viel gekauft – fast immer waren es CDs, auf denen Orchester und Gesang im Mittelpunkt standen. Das fasziniert mich.“ Zusammen mit der frühen Liebe zu den Beatles und heutigen Einflüssen aus dem Folk - „vor allem seit ich selber Gitarre spiele“ - ergibt sich dieser ganz eigene Stilmix; Heidi Happys ganz persönliches Profil. Da spielt es auch keine Rolle, ob ein Song 30 Sekunden oder drei Minuten dauert.
Immer wieder betont Priska im Gespräch allerdings auch die Rolle, welche die Musiker, mit denen sie zusammenarbeitet, auf ihrem Weg gespielt haben – und es immer noch tun: „Ich hatte Musiker, die waren mit zuwenig Emotionen bei der Sache; sie machten einfach einen Job. Das hat nicht funktioniert“, erzählt Priska. Mittlerweile habe sie Leute gefunden, die auch ihre eigenen Ideen und Gefühle in die Stücke einfliessen lassen. „Das ist wichtig“, sagt sie bestimmt. Denn: Priska Zemp sieht ihre warme und handgemachte Musik auch als Gegenpol in einer kalten, digitalen Welt. „Ich suche Wärme und brauche sie“, sagt Priska. Und gibt sie mit Worten wie diesen gleich wieder weiter.