Helicobakter: Prophylaxe und Infektion in einem
Text: Debi
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musicbild.ch
Im Bündnerland als Rockband bestehen? Helicobakter sind der lebendige Beweis dafür, dass die Szene neben Gimma und Co. sehr viel anderes zu bieten hat. Und als Teil dieser Bündner Community nach aussen hin zu bestehen, sei nicht schwer, finden Valentin Trepp (Drums) und Erny Capadrutt (Bass) im Interview im Anschluss an ihren Gig am Val Lumnezia. Gegen aussen heisse auch, dass die Wahrnehmung im Bündnerland selbst stark davon abweiche und man sich nicht über HipHop definieren müsse, um wahrgenommen zu werden. Es seien schliesslich auch zwei völlig verschiedene Szenen, sagt Valentin. Nichtsdestotrotz hat Helicobakter mit Gimma den Song „King Kong“ eingespielt. Und vor ihnen haben beispielsweise auch Skafari mit dem „Schef vo Schwiiz“ experimentiert – eine Ska-Hop-Verbindung, sozusagen.
Aber zurück zu Helicobakter: Wahrgenommen wurden die vier Jungs nebst den Interviewpartnern vervollständigt durch Simon Kramp (Gitarre) sowie Florian Trepp (Gitarre und Gesang bestens, haben sie doch am Samstagmittag einen Weckruf übers Openair-Gelände geschickt, der selbst die Zelte im hintersten Winkel bestens erreichte: Progressiven Rock, der durch Mark und Magen geht. Und das versinnbildlicht nichts besser als der Bandname: Unter Helicobacter pylori versteht die Humanmedizin ein Bakterium, dass sich im Magen festsetzt und Magengeschwüre hervorrufen kann. Zwei Australische Wissenschafter haben das Übel entdeckt und dafür den Nobelpreis gekriegt.
Die Bündner Band selbst ist von solchen Weihen wohl weit entfernt und hat sich zudem auch selbst ins Leben gerufen und wurde nicht entdeckt (das heutige casten…?). Die ersten progressiven Klänge kamen vor einem Dutzend Jahren aus einem einzelnen Verstärker mit zwei Gitarren und einem Bass. „Dieser Verstärker kämpfte tapfer, aber gegen drei Instrumente hatte er keine Chance – er ging zugrunde“, schreiben Helicobakter zu ihrem Werdegang. Die definitive Infektion steuerte mit Valentin, Florian und Simon im Jahre 2000 ihrem Höhepunkt entgegen. Für die Plattentaufe ihres Erstlings „The Notorious Pill“ – aufgenommen in den Churer Blue Winder Studios im September 2005 fehlte Helicobakter aber noch ein Mann am Bass. Ken Schüpbach von den Bonkaponxz sprang ein; erst im letzten Frühling stiess Erny Capadrutt dazu. Und damit war der Befall besiegelt, Heliobakter wütet seither ungebremst und uneingeschränkt.
Helicobakter beugt aber im selben Stil auch Risiken vor („The Notorious Pill“, EP „Strong Reaction“), bietet akkustische Prävention. Und geht man davon aus, dass medizinisch gesehen schätzungsweise jeder zweite Mensch an Helicobacter pylori erkrankt, macht dies durchaus Sinn. „Wir machen einfach gerne Musik“, sagen Valentin und Erny schulterzuckend im Interview. „Man hat uns mal gesagt, wir machen schöne Melodien, die wir anschliessend wieder kaputt machen.“ Dabei verfolgen die Bündner verfolgen keine konkreten Ziele, keine Strategie. „Es kommt, wies kommt, das ist unberechenbar“, sagt der Drummer. Es entstünden gerade dabei laufend neue Sachen. Nebenher haben die Musiker andere Projekte laufen. „The Dark Red Monkey Pilots“ beispielsweise. Florians Kind, der mit dem Bassisten der Bonkaponxz zusammenspannte, die zusammen arbeiteten und anschliessend jeden Abend im Bandraum auf Band bannten, was gerade zusammenkam. Für „The Frill Froo Chamber“ experimentieren die jungen Musiker mit allem, womit sich Töne erzeugen lassen. „Das passiert alles sehr spontan und ist unberechenbar“, sagt Valentin. Genauso spontan wie die Tour, wleche die Musiker in den Balkan führt: Fünf Gigs in Bosnien-Herzegowina und Slowenien. Und genauso unberechenbar wie Helicobakters Helicorock, wie sie ihn nennen. Musik eben, die durch den Magen geht.