Hemlock Smith - Rohversionen "Projekt 2005"
Text: MonthyChristo
Bilder: Hemlock Smith
Die Demo-CD - Zitat Frei: "Bedenke, es ist nicht abgemischt und noch nicht fertig" - tönt ein bisschen wie Hemlock Unplugged. Gleich die ersten drei Songs "Almost over you", "Aloof" und "Bedtime stories high" verströmen den Charme des letzten Albums "A secret life" und beruhigen mich dahingehend, dass sich in der "Giftschmiede" nicht gleich alles verändert mit der neuen CD. Die Stossrichtung der Entwicklung - sofern sich dies beim jetzigen Stand der Songs schon sagen lässt - wird den eh schon sensiblen Sound weiter verfeinern und naturalisieren. Betreffend Stimme - auf "secret life" noch hie und da verzerrt - hege ich die Hoffnung, dass diese Rohversionen nicht allzu stark verändert werden. Denn weit mehr noch als bei der letzten CD bringt Michael Frei das Gefühl für seine Songs mit und das noch nicht definitiv betitelte Werk "Projekt 2005" strahlt schon jetzt eine Ruhe und Abgeklärtheit aus, die in meinem hektischen Alltag oft wirklich fehlt.
Lese ich einen Frei-Text ohne den Sound zu kennen, interpretiere ich ihn immer zu schnell. Es ist jedoch erfreulich zu sehen, dass es trotzdem aufgeht. So empfand ich also "Almost over you" - eine Wegleitung, schnell mit einem Korb fertig zu werden oder auch nicht - als Up-Tempo-Country-Song (wenn man selbst ab und zu zur Feder greift, kann man sich dem kaum erwehren...). Als ich den Song dann ab Demo kannte, wusste ich, beim Karaoke hätte Michi wohl nicht viel Freude an meiner Version. Dies zeigt mir jedoch einmal mehr, wie schwierig es ist, einen Song - ja, eine ganze CD - zu konzipieren. Wer nämlich glaubt, dass ein Stück nur auf eine Art funktioniert und auch nur so geschrieben werden kann, der verschliesst die Augen vor einem langwierigen Prozess mit unzähligen Entscheidungen, Aenderungen, Versuchen und Sackgassen. Auch deshalb ist es für mich so interessant, die Entstehung eines neuen Wekes hautnah mitzuverfolgen. Ich hoffe, dies hier vermittlen zu können... to be continued.
Natürlich gibt es auch neue Sachen auf der Demo-CD, namentlich Track 8 "(Life is) strange" mit Breakbeat und Sirenengesang (nicht die von der Feuerwehr sondern die von den griechischen Inseln...). Unverändert hingegen bleiben Michael Freis Ansichten zum Leben und Sterben, die Darstellung der menschlischen Hilflosigkeit und das distanzierte Betrachten: "Strange how it feels/ how memories can gather/ a carousel of light/ the nearer yet the farther/ all those reasons but no why´s/ such is life - Fremd wie es sich anfühlt/ wie Erinnerungen sich vermischen/ ein Karussel aus Licht/ näher und doch weiter weg/ All diese Gründe, aber kein warum/ so ist das Leben".
Wie weit die Band Hemlock Smith musikalisch gekommen ist, zeigt sich bei einem kleinen Vergleich von "secret life" und "Projekt 2005": Der Schwerpunkt liegt bei beiden Songsammlungen auf sehr ruhigen Stücken. Die neuen heissen beispielsweise "Heaven knows" und "Julie" - ein Mädchen das zu sehr mit dem Tod beschäftigt ist, um leben zu können - und sind konsequent ähnlich, aber doch neu und anders als die früheren Songs "Haunted weekend" oder "The muffin song". Dazu wollen aber die Hemlocks ihre grosse Liebe zum Blues und zu Südstaaten-Gitarrensound nicht verheimlichen. Das 2005er Pendant zum "secret life"-Track "This part of Tennesse" heisst "Blues is dead" und bringt eine willkommene Abwechslung zum sonst so bedächtigen, ruhigen Sound. Das Universum von Hemlock Smith wird durch das neue Material somit eben nicht auf den Kopf gestellt sondern angereichert und vertieft. Ob es Absicht ist, dass "Blues is dead" den ganz speziellen Bass-Ton von "Jonathan you´re a ghost" wiederbringt, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls wirkt es nicht abgekupfert sondern mehr als Referenz.
Würde ich das Studienfach "Schweizer Musikszene" belegen, Hemlock Smith wäre wohl meine Doktorarbeit... Jedenfalls hat sich zwischen mir und Michael Frei, dem kreativen Kopf hinter dem Bandnamen, ein reger eMail-Verkehr etabliert und nachdem Michi letztens einige Anektoden aus dem Studio preisgab, wollen wir nun noch einen Schritt weitergehen. Weil nämlich Hemlock Smith dermassen Vertrauen zu Monthy gefasst hat, halte ich in meinen Händen, was Bands sonst tunlichst vor Journalisten zu verbergen suchen - die Rohaufnahmen von Hemlocks "Projekt 2005", bzw. "F=0" wie es ursprünglich hiess.