Projekt 2005 - Status: In a coma
Text: Monthy
Bild: angedachtes Cover
Nein, nein, keine Angst! Hemlock Smith hat sein Projekt 2005 nicht ins Koma versetzt. Oder zumindest nur solange es um den Titel geht. Die CD, die Monthy von Anfang bis Ende involviert, wurde in der Zwischenzeit aufnahmetechnisch komplettiert und abgemischt. Und weil Michael Frei einer ist, der gerne hart kritisiert wird, hat er sich für den Mix keinen geringeren als S. Husky Höskulds aus L.A. geholt und dem seine Tracks "zwecks Betonfräsen" vorgelegt, wie mir Michi schreibt. Anders gesagt, er war überzeugt, dass er seine Songs danach nicht mehr wiedererkennen würde. Schliesslich hat Höskulds mit so grossen Namen wie Tom Waits, Norah Jones, Solomon Burke oder Sheryl Crow gearbeitet und einen entsprechenden Standard. Michael schreibt, Höskulds sei bekannt für seine unkonventionellen und manchmal bizarren Mixes. Also war der Hemlock auf alles gefasst, als die Manöverkritik erfolgte - auf alles, ausser auf das, was kam... Höskulds weigerte sich, an den Songs irgend etwas zu ändern. "Er killte sogar die mageren Effekte und Tricks, die wir uns ausgedacht hatten...". Höskulds Erklärung für die eher unkonventionelle Vorgehensweise: "Was nicht kaputt ist, muss man nicht flicken!" Also hat sich auch für mich nicht dermassen viel geändert, seit dem letzten reinhören. "So nackt und ehrlich wie wir sie aufgenommen haben", tönen die Songs laut Michi Frei, was beim nicht ganz stubenreinen Sänger, er arbeitete beim letzten Album noch oft mit Effekten, zu einem "beängstigenden" Gefühl führte. Allerdings hat Hemlock Smith nichts zu befürchten. Und auch wenn er jetzt ganz auf Verfremdungen verzichtet, bleibt er doch e-ffektiert. Frei singt seinen Ambient Pop und macht die Stimme mit sanftem Druck und einer rohen Zerbrechlichkeit zu einem Instrument seiner Musik. Das kann für den einen oder anderen etwas dünn wirken, entfaltet aber im Zusammenspiel mit den Texten und Melodien eine ganz eigene, extrem intime Atmosphäre. Hemlock Smith geht damit konsequent den Weg weiter, den der Vorgänger "A secret life" einst anregte. Und wenn einer mit sanften und leisen Tönen die Aufmerksamkeit des Hörers packen will, ist dies eine der härteren Aufgaben, ganz egal ob live oder ab CD. Heutzutage muss einem ein Song ja richtiggehend anspringen, sich mit Gewalt in die Gehörgänge zwängen und sich dort gegen den Willen des genötigten Konsumenten einnisten. Dagegen setzt Hemlock Smith helle Töne, sanfte Worte und zauberhafte Geschichten. Allen voran "Bedtime Stories High", ein Song wie eine Gutenacht-Geschichte, für seine eigenen Kinder geschrieben und genauso unscheinbar wie weltbewegend. f=0 wurde vom Albumtitel zum Song degradiert, ist aber irgendwie immer noch Inbegriff der neuen Scheibe aus der Lausanner Giftschmiede, mit all diesen Tönen und den effektvollen Sirenen in der Chorusline. Und wer übrigens der Meinung ist, dass CH-Acts keine coolen Skits zustande bringen, für den hält In a coma "Stubborn again" bereit: In bester KMFDM-Manier liest Hemlock eine Kurzgeschichte, die von Vincent van Gogh und Mike Tyson handelt und auf "Hey, ich wollte es ja so haben...", endet. Hemlock zum zweiten - In a coma erscheint Mitte 2006 und ihr könnt sicher sein, dass wir vorher noch gründlich über die einzelnen Songs diskutieren werden.