Ilarius – Connected (Marmot Music/Nation Music)
Text: Ko:L
Bild: Cover
„Hoppla – und das ist ein Debut-Album?“ Die Frage wird immer lauter und deutlicher beim Durchhören von „Connected“. Ilarius, 31, Bieler DJ-Urgestein und tragendes Element der Schweizer Black Music-Szene, hat sich wohl Zeit gelassen bis zur Publikation seines ersten Albums. Dafür legt er jetzt ein Teil vor, das sich gewaschen hat. Unauffällig wie Ilarius in seiner Arbeit wirkt „Connected“ in der ersten Hörrunde – als sophisticated und von hoher Qualität stellt es sich nach und nach heraus. Gepflegte Grooves sind die Sache des Ilarius, nicht Posen, Dissen und Bashen. Lieber fette Beats als fette Titten. In seiner Plattensammlung, so die Promo, habe er sich auf die Suche nach den „raren, oft übersehenen und über Jahre zusammengetragenen Schätze aus verschiedensten Stilen und Epochen der Musikgeschichte“ gemacht und diese im eigenen Studio zu neuen Beats zusammengeschustert. Wobei „schustern“ keinesfalls abwertend verstanden werden will – sondern als die hohe Kunst, verschiedenste Materialien mit ausgefeilter Technik zu einem Ganzen zusammenzufügen, in welchem sich der dereinstige Besitzer nicht nur wohl, sondern heimisch und – um bei der Bildsprache zu bleiben – getragen fühlt. Und wie es kaum einen interessiert, wer die feinen Sneakers zusammengefügt hat, so zieht sich Ilarius auf der ganzen Scheibe in den Hintergrund zurück. Das Rampenlicht ist nicht sein Ding – und drum „schenkt“ er seine Beats jenen, welche die Profilierung und den Bühnenrand suchen. Taz, Greis, Gimma, Baze, Black Tiger, Bensch, Pyro, Dezmond Dez und viele andere ausgesuchte Schweizer Rapper sind es, die sich über Ilarius’ Beats auslassen und die Tracks rhymen, Blade aus UK oder Chali 2Na und Akil von Jurassic 5 veredeln „Connected“ mit ihren Raps. Es ist zu befürchten, dass „Connected“ ausserhalb der Szene kaum für Aufsehen sorgen wird, weil zu anspruchsvoll, zu gepflegt, zu unspektakulär auf den ersten Blick. Nichts desto trotz (oder gerade deswegen) soll hier gedankt sein für ein Werk alter Schule, das nicht wie eine Walze losrollt und alles platt macht, sondern vielmehr mit viel viel Groove und feinen Moods gute Vibes verbreitet.