Openair Hochybrig - Best of Swiss Music featuring Aextra
Text/Bilder: MonthyChristo
OpenAir Hoch Ybrig - ein junges, aufstrebendes Event bot zum Auftakt der Freiluft-Saison einen aktuellen Querschnitt durch die nationale Szene. Dank der Idee gänzlich auf internationale Acts zu verzichten, konnte das einheimische Schaffen denn auch zur Freude des Publikums eine eindrückliche Visitenkarte hinterlegen. Von zart bis hart: Best of Swiss Music!
Den Abend bestritten vorab die Alpinistos, sprich Polo, Hanery Amman und Blues-Legende Hank Shizzoe. Ein Blues-Zuckerstückchen, welches nur noch in St.Gallen zu sehen sein wird und Polo für heuer als Bühnenprojekt dient. Der Meister selbst singt nicht nur, sondern betätigt sich auch mit den Sticks, auch Hank und Hanery üben Doppelrollen aus und führen als Bergführer durchs Programm. Das passte in den Innerschweizer Alpen erst recht. Danach demonstrierten die neuen Lovebugs in erstaunlich rockiger Aufwartung ihren Abschied vom Brit-Pop. Mit neuem LineUp und viel frischem Wind - ein kleiner Basler Hurricane! Schliesslich folgte die Reunion der Steve Whitney Band - "nimm mi mit dert abe a See" und ein freches Fazit, dass die Jungen den Alten nochmal so richtig Beine gemacht haben.
Die Challenge zu eröffnen war dem ersten von vielen Innerschweizern vorbehalten. Ivo kämpfte aber live noch etwas mit Stimme und Konstanz und konnte mit seinem NuHardRock den renommierten Stars des Abends ihren Rang nicht ablaufen. Allen voran Gotthard mit ihrer "Human Zoo"-Tour auf Stopover zwischen Moskau und Tokio liessen einem plötzlich erstaunlich zahlreichen Publikum keine Chance. "i dr Innerschwiz zellt eh nur Rock", meinte später einer und Gotthard nutzte das Heimspiel zu einem "All inclusive"-Gig von internationalem Format mit viel Gitarre, viel Seele, viel Spass... Letzterer war fortan zwar nicht vorbei, aber die Zuschauermasse während des folgenden Core22-Gigs schmolz vollkommen zu Unrecht zusammen. Die Lausanner nehmen mit neuem Album und aktueller Single "Fly" einen zweiten Anlauf und unterstrichen an der Talstation der HochYbrig-Gondel, dass bald eine Fahrt Richtung Gipfel anstehen könnte.
Der Samstag an der oben erwähnten Talstation "Weglosen" war dann entgegen der Namensgebung wirklich was zum Hinhören. Als ich das Medienzelt zu Michi von der Heides Chansons gegen halb vier betrat, strahlte mich als erster Schibä an; Aextra war der Herausforderer des Tages und sollte den alten Herren des Schweizer Rocks so zusetzen, dass die ziemlich in die Trickkiste greifen mussten. Die Spiezer Jungs könnens - wie wir wissen - nicht nur romantisch verspielt wie bei ihren Hits "läärs Härz" und aktuell "Füür u Flamme", sondern setzen gerade live "o mau e sibeseitigi Gitarre i". Trotz Gewitterregen sollten also die wahren Donnerschläge von der Bühne kommen und Aextra riss die Leute mit, so dass allen egal war, was denn um sie herum wettermässig abging. Aextra zwangen die Sonne schliesslich auf den Hoch Ybrig zurück. So gabs auch nochmal ein paar Leute mehr, doch war den Offiziellen eine leise Enttäuschung nun anzumerken. Veranstalterseitig war bis heute nichts zu erfahren, Schätzungen belaufen sich auf rund 10´000 über alle drei Tage, womit das Vorjahresergebnis zwar bestätigt wurde, die beabsichtigte Steigerung aber ausblieb.
Weiter im Text mit der Frage, wie´s denn so steht um Aextra und einer interessanten Antwort, "dass du nie weisch, warum genau du e CD verchouft hesch." Darum gehts bei den Jungs in erster Linie darum, das zu machen, was sie selbst wollen. "i mache dä Ufwand nid, das es für di stimmt, es muess für mi stimme!" Auch Schibä gibt aber zu, unter den ausgewählten Songs schon auch Gedanken darüber zu verlieren, welcher denn gut ankommen könnte. "du muesch eifach immer chönne drhinger schta!"
Am Sonntag gabs Sonne und Mash. Die Innerschweizer knüpften an ihrem Heim-OpenAir nahtlos an ihr Wahnsinnsjahr 2002 an und standen in der Gunst des Publikums unerreichbar hoch. Allerdings zeigten sie auch keine Berührungsängste und nutzten die umgekehrten Wetterverhältnisse richtig aus. Dies soll in keinster Weise die Bemühungen von Stiller Has, Patent Ochsner oder Mia Aegerter (mit Unplugged-Special-Guest-Auftritt) schmälern. Es ist nur so, dass zwischen den Ybrigern und den Luzernern Mash offensichtlich "ewigi Liebi" herrscht. Nach dem emotionalen Höhepunkt lichteten sich die Reihen merklich vor der nunmehr gutbesuchten Kleinkunstbühne für Endo und Büne. Spätestens da trat ein wunder Punkt dieser lobenswerten Idee etwas hervor. Man kennt sie ja fast schon beim Vornamen, die StundentInnen von Swisscom, Euro26 oder Coop - ab einer gewissen Grösse eines Events sind Zusatzeinnahmen unerlässlich. Während der Besucher dabei in den Genuss von massenhaft Gratisproben kommt, kann der Veranstalter mit mehr Geld beispielsweise ein attraktiveres Programm zusammenstellen. Hoch Ybrig stand heuer werbemässig am Anschlag und es bleibt zu hoffen, dass diese Marketinggelder auch im nächsten Jahr für "Best of Swiss Music" aufgeworfen werden.
Unsere Spiezer Jungs standen am Samstag unter spezieller Beobachtung, konnte ich doch Schibä, Kusi, Aendu und Rolf zuvor noch nie live erleben. Warum sie gerade dies besonders gerne tun, wollten sie mir vor allem demonstrieren, trotzdem nutzte ich natürlich die Chance, auch direkt nachzufragen. Das Gespräch drehte sich erstmal um den Hoch Ybrig und genauso begeistert wie Frontmann Schibä die rote Idee mit dem weissen Kreuz kommentierte, blitzte es auch aus seinen Augen. "Ja, mir si vou bereit. sit mir wüsse, das mir hie spile, fröie mir üs druf", hiess es in wohltuend heimischem Dialekt konkret und dann dass er das Event nicht als Challenge ansehen wolle. Es sei halt eben interessant für sie, weil hier oben Leute aus verschiedensten Gründen hinkämen und nicht unbedingt speziell ihretwegen - "die när o chönne z packe, dass si o Fröid hei", sei Aextras ganz spezieller Wunsch für diesen Gig. Die Mundart-Rocker betreiben seit dem Release ihres Debutalbums aktiven Lernprozess am Publikum aus ehrlichem Interesse und weils einfach Spass macht. "...das isch üsi Jury, wo immer wider da isch." Mundart - Gitarren - Balladen, so liesse sich das Rezept von Aextra beschreiben. Es funktioniert weil die Mischung stimmt, weil Aextra nicht nur "geili Sieche" si, sondern eben auch Hintergrund und Tiefgang haben, Vollblut-Musiker sind. Rolf, Aendu und Kusi fuhren vorher mehr die Thrash-Schiene, bei Schibä darfs "o mau es Celine-Dion-Lied si, weisch was i meine..."
Am Abend traf ich Schibä nochmal und war fast erstaunt, so spät noch einen Musiker im Bereich der Bühne zu sehen. "Es isch immer es Gä und es Nä", erklärte er mir und bald darauf waren wir in ein typisches Gespräch über gute Ideen und schlechte Sitten im Biz und speziell in der Schweiz vertieft. Mittendrin statt nur dabei - "es isch ja sone Chueche..." und die meisten haben keine Ahnung wie gross und vielfältig er ist. Schweizer Musikszene: wir brauchen dich!
Schwizer Szene
"wi scho mini Grossmuetter aube hett gseit, besser me chunt ungere Schofför aus ungere Chare"
Endo Anaconda live zum Ersten...
"i ha ja nid gwüsst was Schaffe heisst, bevor i i d Schwiz cho bi (...) da hanis du glehrt u iz weis i o werum das es Schwi(t)z heisst..."
...und zum Zweiten
"we me so luegt, Gampel, Gurte; das si aues geili OpenAir, aber eis wo nume Schwizer spile i dere Grössi, das isch scho cool"
...sagte einer der davon noch so richtig profitieren wollte
"es isch immer es Ziel mit däm wo du gärn machsch Erfoug z ha"
Aextra-Frontmann Schibä und das Rezept zum Glücklichsein
"so entstönd mini Songs, ich spile akustischi Gitarre und singe drzue"
Coals ebenso einfacher Weg zum Glück
"nei, das stimmt nid wüu i hane jungi Künstleragentur z Bärn und es het extrem viu Meitschi mit super Stimme, aber was es weni hett, si Froue wo wider ufschtö wesi uf d Schnurre gheie"
Anshelles gekonnter Konter auf Monthys Kompliment, dass es in der Schweiz und live nicht manche Frauenstimme wie die Ihre gebe