Folk-Box Festival Frutigen: Musiker wird Organisator
Text: Nicole Mani
Bilder: myspace/Musicbild.li
Blues und Folk sind Stephan Imoberstegs (31) Metier. Nun bietet er am 17. Mai in Frutigen auch anderen Künstlern die Gelegenheit, ihre Musik zu präsentieren. Das erste Folk-Box Festival steigt im Hotel Simplon. Dort fanden bisher vor allem volkstümliche Konzerte und regionale Veranstaltungen statt. Folk hat Ursprünge in der Volksmusik verschiedener Nationen und kann als deren zeitgenössische Variante verstanden werden. «Wenns den Leuten gefällt, könnte es in zwei bis drei Jahren eine Fortsetzung geben», sagt Stephan Imobersteg. «Folk ist eine heitere, süffige Musik. Das könnte in Frutigen funktionieren.» Er organisiert das Festival auf nicht gewinnorientierter Basis: «Wir haben keine Sponsoren und sind alle freiwillige Helfer.» Imobersteg arbeitet mit dem «Simplon» zusammen; er organisiert die Musik, das Hotel bietet die Infrastruktur und speziellen «Folk-Food».
«Am liebsten wäre mir ein gemischtes Publikum», sagt Imobersteg. «Jung und alt sind willkommen. Und auch für Bluesfans dürfte es interessant werden.» Sein Ziel ist es, dass die Besucher einen musikalisch interessanten und friedlichen Abend geniessen. Aber wenn der Funke überspringe, habe er auch nichts dagegen: «Wenn Mama Rosin auftreten, könnte die Post abgehen.» Sein Favorit ist allerdings der in Berlin lebende, von Teneriffa stammende Evil Mr. Sod alias Pablo Rámon Rodriguez Rivero. «Aber die anderen tönen ebenso vielversprechend», beteuert Imobersteg.
Drei Bands und ein Solokünstler stehen auf dem Programm: Captain Frank, Ciel Rouge, Mama Rosin und eben Evil Mr. Sod. Das Quartett Captain Frank nennt sich selbst «Helden der Liederkorrektur»: Simon Hari, Sandro Rätzer, Emre Aydin und Erik Verheijden wählen Songs aus, denen sie im Original Fehler diagnostizieren, und korrigieren sie nach ihrem Gutdünken – so zum Beispiel den legendären «Folsom Prison Blues» von Johnny Cash. Ciel Rouge lassen unter anderem die Musik von John McLaughlin und seinem «Mahavishnu Orchestra» auferstehen, die Jazz, Rock und indische Klänge in sich vereint. Was als Formation für ein einziges Konzert begann, hat sich als Trio mit Heidi Moll, Jürg Bernet und Peter Horisberger bewährt. Cajun ist die Musik französischer Einwanderer in Louisiana. Diese waren im 18. Jahrhundert von den Briten aus der ostkanadischen Region «Acadia» vertrieben worden, weshalb man sie später, abgeleitet von «Arcadians», als «Cajuns» bezeichnete. Die Genfer Mama Rosin spielen diese Musik, die vor allem davon handelt, das Leben zu geniessen. Evil Mr. Sod kreiert mit Elementen aus Folk, Rock, Country und Blues seinen eigenen, untypischen Stil. Darin erforscht er auch die dunklen Seiten der Musik. Er ist nicht nur der einzige Solokünstler des Abends, der gelernte Grafiker hat auch das spezielle Plakat des Festivals gestaltet.
Warum steht Stephan Imobersteg am Festival nicht selbst auf der Bühne? «Ich will der Rolle des Organisators meine volle Aufmerksamkeit schenken und ihr gerecht werden», erklärt er. Am Abend darauf tritt er neben Evil Mr. Sod in der Mahogany Hall in Bern auf. Imobersteg arbeitet derzeit auch an einer neuen Platte: «Ich nehme mir aber so lange Zeit, wie ich brauche.» Er wolle noch ein wenig experimentieren.