Stephan Imobersteg & Low-noise: Ein musikalisches Experiment
Text: Sandy
Bilder: Debi
Das diesjährige Livestyle Musicfestival in Reichenbach wurde mit einer Premiere eröffnet: Stephan Imobersteg, Sänger von Mild in Taste, hat sein Soloprojekt spontan verdreifacht und ist nun im Trio unterwegs. Bei seinem Konzert war er zuerst allein auf der Bühne. Begleitet von Gitarre und Mundharmonika trug er die gefühlsvollen Balladen vor. Fliessend war der Übergang zu seiner neuen Band Low-noise. Klaus Teuscher, alias Nikolas Noise, setzte sich auf das Cajon und gab damit erstmals den Takt an. Als Bassist trat Emu Aydin, alias Emu Low, auf die Bühne. Besonders zur Geltung kam der dreistimmige Chorgesang der Musiker. Klaus und Emu geben den Songs Steffs eine spielerische und gekonnte Belebung. Seine Musik wird dadurch vielseitiger und strahlt mehr aus.
Nach ihrem Konzert erzählen sie, dass das Projekt Low-noise nach einer Schneeschuh-Tour entstanden ist. Steff blieb auf dieser Wanderung bei einem William White Konzert auf der Silleren in hoch über Adelboden hängen und traf dort Klaus. Spontan kam die Idee, dass er Steffs Musik mit dem Cajon begleiten könne. Emu hatte Steff bereits bei der Arbeit kennen gelernt. „Ich wollte mehr Pep in meine sonst eher traurige, melancholische und ruhige Musik bringen“, erklärt der Frutiger Sänger und Songschreiber. „So entsteht mehr Abwechslung und dadurch bekommst du Auftritte.“ Auch Klaus ist kein Unbekannter in der Musikszene. Mit den Bands Don Felix und Beflat machte er Party Sound. Stimmung gibt es auch bei seinen DJ-Nights in bekannten Clubs im Berner Oberland. „Es ist lustig, ich habe noch nie so gespielt“, sagt er. „Mit Low-Noise mache ich jetzt halt ruhigere Musik.“ Sie haben einfach ausprobiert, bei einem Glas Rotwein, mit akustischen Gitarren, ein wenig Elektronik, Cajon und Perkussion. „Mir gefallen vor allem die drei Stimmen, und dass jeder alles gibt. Der ganze Körper und die ganze Seele sind dabei, da liegen Emotionen drin und es hat Platz für Improvisationen“, schwärmt Klaus. Auch Emu hat endlich ein musikalisches Projekt mit Hand und Fuss gefunden. „Wir ziehen am gleichen Strick und es geht zum ersten Mal ab, so wie ich es will“, erklärt er. Gemeinsam wollen sie die Songs von Steff auf das Trio übertragen. Steff ergänzt: „Die Zukunft ist offen, wir haben unter anderem auch die Idee, ein Schwyzerörgeli einzubringen.“ Low-Noise wird diesen Sommer an einigen Festivals zu sehen sein: Vogellisi Adelboden, Natural Sound Kiental, Open-Air Rüeggisberg. Konzerte im Schwarzwald und in Berlin sind auch geplant.
Kürzlich ist die erste Solo-CD von Steff erschienen „Why we hang dreams“. Er hat sie in Berlin aufgenommen, beim Label „Freakrelease“. Die CD ist geprägt durch seine Stimme, tiefgründige Texte und wird ausgeschmückt mit verschiedenartigen musikalischen Elementen. Nicht zu vergessen, der weibliche Gesang von Akeli Mieland, welcher manchmal fast ein wenig orientalisch daher kommt. Steff erzählt, wieso die CD „Why we hang dreams“ heisst: „Als ich nach Berlin ging, wollte ich irgendwie einen Lebensabschnitt beenden. Ich benötigte damals einen Neubeginn, war recht ausgeschossen.“ In Berlin sei dann einiges passiert. „Da fragte ich mich, wieso man eigentlich so schnell auf gibt, wieso man im Alltagstrott seine Träume einfach so erhängt und nichts Neues probiert“, erklärt er weiter. Der Titel soll ein Ansporn sein für andere Leute, nicht aufzugeben und vielleicht einmal radikal etwas zu verändern, von vorn anzufangen.
Bei Sephan Imoberstegs Texten fallen Schlagwörter wie Frieden oder Völkermord auf. „Sie sind manchmal sehr kritisch. Ich zünde ein paar Sachen an, die ich nicht richtig finde. Wie Krieg zum Beispiel, ausgelöst durch die Religion. Ich kenne Leute die dadurch kein schönes Leben führen können“, sagt er. Sonst geht es in seinenSongs um Hoffnung, Wünsche, Liebe oder es sind einfach Geschichten aus seinem Leben. Beim Song „I am I am“ wird er auch persönlich. „Ich bin, wer ich bin. Habt mich gern, so wie ich bin und quält mich nicht“, sagt er bestimmt. „Genau so, wie man mit allen Leuten umgehen sollte. Jeder ist ein eigener Mensch. Man kann ihn so annehmen, oder soll ihn so stehen lassen, wie er ist“. Steff besingt in „My dear green place“ einen Platz in seiner Heimat. “Die Frutiger wissen schon, welchen Ort ich meine. Dort gibt es einen wunderschönen Baum“, verrät er. Er liebt solche Plätze die eine Geschichte und eine Tradition haben. „Zu diesen Orten muss man einfach Sorge tragen“, meint er. Die CD bringt nicht nur textlich starke Botschaften, sondern lebt auch durch überraschende Einlagen. Steff ergänzt seine Gitarre und Mundharmonika unter anderem mit Geige, Saxophon und Tiefschall-Bässen. Monatelang hat er diese Elemente aus CD’s herausgesucht und daraus Computer-Sampels gebastelt.
Steff hat seine Träume in Berlin gelebt und die Gefühle in die CD einfliessen lassen. „Berlin ist einfach fantastisch für Kunst, Musik, Kultur. Dort hat es junge, offene Leute – multikulturell; eine ganz spezielle Stimmung und die Stadt hat Power“, schwärmt er vor.