J.D. Roth – Maniac mit Bodenhaftung
Text: Sandy
Bilder: Chris
Der Kopf der Band, J.D., betitelt sich auch gleich selber als Songwriter: „Seit ich 16 bin, schreibe ich Songs“, erklärt er vor seiner Show an der Songwriter-Woche im Frutiger Rustico Pub. Er habe zwar auch in einer Rockband gespielt, aber sich weniger als Rocker gefühlt, sagt J.D. weiter. „Ich bin näher bei mir selber, wenn ich Sing-Songwriter-Sachen mache. Das bin ich - und das macht mich aus“. J.D. versucht seine Aussagen zu begründen. Bei der Songwriter-Musik gehe es nicht darum ein Popformat oder ein Rockimage zu erfüllen, sondern um Inhalt und um einen ehrlichen Ausdruck - einfach um Songs. Je mehr Arrangement und Musiker dazu kommen, desto mehr werde die Grundidee zugedeckt. „Es soll einfach ehrliche Musik sein – von Herz zu Herz“, sagt er mit leuchtenden Augen. J.D. ist mal solo unterwegs, mal wie in Frutigen, im Trio. „Als ich die aktuelle CD gemacht habe, war mir wichtig, dass ich auch alleine auftreten kann“, meint er dazu. Die Konzertsituation in der Schweiz sei zwar gut. Es gebe aber Clubs, die aus finanziellen Gründen keine Bands buchen. Dort könne er solo auch spielen. „Das eröffnet mir sehr viele Möglichkeiten. Und ich mache es sehr gerne“, erklärt er begeistert.
Die Texte seiner Lieder sollen Sinn machen, sagt J.D., und er schreibe nur, wenn er etwas sagen wolle. „Wenn ich in einer emotionalen Verfassung bin, zwingt mich diese Situation dazu, etwas mitzuteilen.“ Lieder schreiben habe für ihn auch eine Ventil-Funktion. „Schreiben ist für mich lebenswichtig“, beschreibt der Musiker den Grund seines Schaffens. Und er wird noch tiefgründiger: „Manchmal passiert es, dass Texte kommen, welche mir oder meiner Wahrnehmung voraus sind und mir etwas offenbaren.“ Nachdenklich erzählt J.D.: „Wenn ich Wörter fliessen lasse, kommen manchmal Sätze, bei denen ich merke: 'Da ist etwas daran.'“ Zu diesem Zeitpunkt wisse er noch nicht, was genau,. Erst später öffne sich plötzlich der Text. „Da weisst du, wieso du ihn gesungen hast“, stellt er fest. „Es gibt aber auch Texte, die immer ein Rätsel bleiben“, verrät der sympathische Musiker schmunzelnd. J.D. singt englisch, er hat aber auch zwei französische Songs auf seiner aktuellen CD „Invitation – The Final One“. „Französisch ist meine Muttersprache. Darum habe ich mich an die Sprache gewagt, die ich eigentlich im Alltag nicht mehr brauche.“ Die welschen Texte geben seinem Repertoire eine spezielle Abwechslung. Darum möchte er auch auf der nächsten CD französisch singen. Beide Sprachen, Englisch und Französisch, seien sich sehr ähnlich, dadurch habe er einen grossen englischen Wortschatz geschenkt erhalten.
Trotz Herbst; der Basler fühlt sich als Frühlingsmensch. „Ich habe es gerne, wenn Sachen entstehen und ich liebe neue Ideen“, erklärt er. Er geniesse es, wenn die ersten Blumen durch den Schnee brechen. Auch in menschlichen Beziehungen bevorzuge er Leute, die ihre Überlebensmuster fort werfen und aufbrechen. Frühling war es auch, als die erste Auflage seiner CD „Invitation“ herauskam. Nun ist diese Scheibe in einer neuen Aufmachung erschienen. J.D. dazu: „Wir haben nochmals daran gearbeitet und die letzten fünf Prozent daraus herausgeholt.“ Die Reaktionen auf die neue Version, die jetzt im Handel ist, seien sehr gut und es habe sich gelohnt nochmals dahinter zu sitzen. „Mir sind eifach Maniacs“, meint der Musiker zu sich und seinem Team. Übrigens nennt sich die zweite Auflage „Invitation - The Final One“.
Im CD-Booklet steht ein Danke für „Jesus my lord and saviour“. Der Glaube spielt eine sehr grosse Rolle für J.D. „Jesus, Gott sind meine Lebensretter“, erklärt er. Er habe sehr viel Schwieriges erlebt in den letzten Jahren. „Ich habe Gottes Hilfe erfahren, für mich ist es nicht mehr etwas Theoretisches“, stellt er fest. Es sei etwas, dass er erleben könne und darum sei er dankbar. Wenn ihn etwas beschäftige zu diesem Thema, dann schreibe er auch ein Lied darüber. Ihm sei es egal, was die Leute denken, auch wenn er mit Widerstand rechnen muss. „Ich habe mir gesagt, 'Wenn ich Künstler sein will, muss ich das radikal machen.' Ich darf mich nicht irgendwie zensieren und darum findet auch mein Glaube in meiner Musik Platz“, sagt der Musiker aufrichtig und mutig.
„Es wird Frühling heute Abend“, begrüsste J.D. denn auch sein Publikum in Frutigen - und es folgte gleich der Song „Spring“. So natürlich und sonnig wie diese Jahreszeit, geben sich auch die drei Musiker auf der Bühne. Nebst dem Sänger und Gitarristen J.D, sitzt „Steini“ Christoph Steiner hinter dem Schlagzeug und Dave Demuth begleitet am Bass. Der Songwriter lässt es am Konzert nicht nur beim Präsentieren von Songs bewenden, er erzählt auch Hintergründe zu seinen Liedern. Da ist die Geschichte von der U-Bahn-Station in London, wo immer ein Wind weht, bevor der Zug einfährt. Oder sein Heimkommen nach einer langen Reise - „On my way“, heisst der Song. Auch die Beschreibung des „Dimanche matin“ darf nicht fehlen - der kommt nämlich nach jeder Samstagsparty. Der Kreis eines eindrücklichen Konzerts schliesst sich mit dem gleichen Song wie er begonnen hat, mit „Spring“.