John Doe Tale – Minor Defect (Tonecraft Records)
Text: Ko:L
Bild: Cover
Im Zeitalter von MP3, Livestreams und Downloads ist es schon eine echte Erlösung, wenn man zum reviewen eines neuen Albums nicht bloss einen Bausatz mit CD, etwas Papier und einer Plastik-Tüte erhält. Gleitet nun aber ein edles Hochglanz-Booklet als quasi gebundenes Büchlein aus dem Couvert, dann hüpft des Schreibenden Herz! Fast zerspringen tut das lebensspendende Organ dann, wenn die Musik auf dem Silberling ebenso edel daher kommt, wie die Verpackung der CD… Direkter Rock zwar, aber schön verschnörkelt und bisweilen in episch langen Gitarren-Teppichen ausgebreitet („Brave new world“) ist auf dem Album ebenso zu finden, wie schlichter Singer/Songwriter-Songs, welche den feinen Zwischentönen huldigen. 3’30? Dazu sind John Doe Tale auf „Minor Defect“ sehr wohl fähig. Aber über weite Strecken leben sich Yannick Schmidt (Gitarre, Gesang), Maurin Pürro (Gitarre), Jordi Pürro (Bass), Tobias Stritt (Piano, Synthesizers) und Marius Gruber (Drums) über fünf, sechs oder gar zehn Minuten aus. Das ist zwar kommerziell wenig sinnvoll – künstlerisch dafür sehr. Weil so Raum entsteht, Songs wirklich wachsen, gedeihen und überborden zu lassen. Am Ende eröffnet das Konzeptalbum nicht nur musikalische ein ganz eigene, neue Welt, sondern auch inhaltlich: Es erzählt die Geschichte eines unbekannten Protagonisten – und auch wen einzelnen Songs in keinem direkten Bezug zueinander stehen, bilden sie doch ein zusammenhängendes, einheitliches und homogenes Klanggebilde. Es sind Gefühle und Emotionen, Trauer und Freude, Höhen und Tiefen, welche in den Songs beschrieben werden – und welche sie auslösen.