Jolly and the flytrap – Heimspiel für die Jollys am Lakeside Hergiswil
"Ich war der letzte, der vor 24 Jahren in den Probekeller herunterstieg", beginnt Martin Infanger, genannt Märt, das Trespass Frage- und Antwortspiel. Keiner der Band konnte sein Instrument spielen. Eine Learning by doing-Band sozusagen. "So ist für mich dann nur noch die Handorgel übriggeblieben. Also nahm ich die halt. Vorher habe ich nie ein Instrument gespielt." So begann die Geschichte von Jolly and the flytrap, die jüngst am Lakeside Festival in Hergiswil am idyllischen Vierwaldstättersee um ein Kapitel reicher wurde.
"An den Konzerten fand die Band dann heraus, dass ein eigener Mischer eigentlich super wäre. Wir kannten uns von der Pfadi und sie fragten, ob ich nicht Lust habe, am Mischpult zu stehen. Ich sagte: Ja klar mach ich das, aber ich habe einfach noch nie ein Mischpult gesehen. Sie meinten dann, sie können auch nicht spielen, so lernen wir es. So wurde ich als Mischer dann vollwertiges Bandmitglied", führt Fabian "Hefe" Christen weiter aus. Dieser ungewöhnliche Beginn einer Band führte dazu, dass die Formation ungewöhnlich lange zusammenbleibt. "Ich sang zu Beginn in der Band", erzählt Märt weiter. "Ich war dann schon froh, als Ritschi mit singen begonnen hat, obwohl er eigentlich nur Gitarre spielen wollte".
Die glückliche Fügung wollte es, dass nun jeder an dem Ort in der Band steht, an dem er am besten ist und seine Fähigkeiten am besten einbringen kann. Das zeigt sich auch live auf der Bühne. Im Nu hatten die Jollys das Publikum auf ihrer Seite. Die Engelberger Band hatte in Hergiswil auch so was wie ein Heimspiel. Die Leute kannten die Songs, tanzten und sangen mit, und auch der Regen tat der Stimmung keinen Abbruch. Gekonnt und routiniert spielten sie ihre Songs, spontane Reaktionen mit dem Publikum nicht ausgeschlossen. Frontman Ritschi sang und griff in die Saiten. Faszinierend, wie er mit einer Leichtigkeit, fast Hilflosigkeit, mit dem Publikum umgeht. Es passt einfach alles in der Band.
"Auch ausserhalb der Bühne hat jeder seinen Job in der Band, auch da funktioniert es. Jeder macht das, was er am besten kann. Wir kokketieren ja schon gerne damit, das wir alles Dilletanten sind. Irgendwie stimmt es ja auch", meint Hene. "Wir sind so etwas wie eine Schicksalsgemeinschaft. Keiner hat den Anspruch eines Musikers, der noch in vielen anderen Bands spielt. Wir haben die Jollys, mehr muss für keinen von uns sein." Die zirka 15 Konzerte im Jahr müssen dann auch reichen.
"Wir sind eine grosse Band. Wir sind acht Personen. Da musst du erst Termine finden die allen gehen", erklärt Märt. "Es wird auch immer schwieriger. Mittlerweile sind da 15 Kinder in der Band. Da ist die Familie und der Job. Das ist nicht mehr einfach. Und logistisch ist das auch eine Herausforderung, wenn du mit der ganzen Band mit Familie irgendwo anrückst." Die Band probt selten. Meist trifft man sich vor dem Konzert und übt die Songs kurz durch. "Zehn Wochenenden sind für die Jollys reserviert. So viel ist in der Zeit gar nicht möglich", sagt Hene.
"Zeitknappheit ist eigentlich gar nicht so schlecht. Du hast keine Zeit, zum 'lauere'. Du musst arbeiten. So kommen auch lustige Resultate zusammen. Aber dies ist auch das, was die Jollys ausmacht Machmal braucht es auch 3-4 Jahre für einen Song. Andere funktionieren nicht, und es kommt auch vor das aus verschiedenen Songs plötzlich einer entsteht".
Die Jollys sind sozusagen eine verwschworene Gemeinschaft. Da besteht natürlich das Risiko, dass wenn einer der Band nicht mehr mag, das ganze Gefüge zusammenfällt. "Ja, das besteht", bestätigt dann auch Hefe. "Wir haben zum Glück wenig Bewegung in der Band. Aber wir reden oft darüber. Wir besprechen auch heikle Themen in der Band, wir versuchen auch schwierige Probleme zu lösen. Fast wie eine Familie", führt Märt weiter aus. "Wir sind extrem Lösungsorientiert. Eine Grosse Fähigkeit der Band ist, neue Wege finden. Schon oft standen wir am Punkt, an dem jeder meinte, jetzt ist es fertig. Aber es ist immer weitergegangen. Wir sind sehr unterschiedliche Typen, das ist auch ein grosses Konfliktpotenzial vorhanden. Wir können uns aber immer wieder zusammenraffen. Auch weil jeder weiss, dass er bei einem Ausstieg alles gefährdet", erklärt Hefe.
Aber daran darf man gar nicht daran denken. Denn dem Schweizer Musikmarkt würde ohne Jollys eine tolle, aussergewöhnlich Band fehlen.