Jones: Sonnig im Regen
Text: Ko:L
Bilder:
musicbild.li
Es war gewiss keine leichte Show, die Jones am Woodrock hoch über dem Emmental zu bestreiten hatte. Freitag Abend, 23 Uhr, der Regen hatte während Stunden und Stunden das letzte Bisschen Summer-Moods aus den Seelen gespühlt und ein Ende war nicht in Sicht. Und kaum hatte der kleine grosse Berner die Bühne mit seiner Truppe geentert, wollte ihn auch noch die Stimme im Stich lassen. Kein Wunder bei vielleicht noch knapp über zehn Grad und strömendem Regen... Doch Jones liess sich nicht aus der Ruhe bringen: „Es isch geil mit öich!“, bedankte er sich wieder und wieder beim harten Publikums-Kern, der vor der Bühne ausharrte und sich von Jones' Summer-Soul anstecken und die Hüften schwingen liess. Schon vor der Show hatte Jones im Interview ein derartiges Szenario angetönt: „Auf der Bühne wirds wohl nicht mehr ganz so kalt sein – und die Leute sind dann gezwungen zu tanzen.“ Und tatsächlich: Die Unverwüstlichen liessen sich vom warmen und kraftvollen Soul anstecken und schwoften eifrig – und freudig – mit. Wären die Regenmäntel Bikinis und Shorts und der Waldboden ein Sandstrand gewesen – man hätte sich an einem kalifornischen Strand wähnen können...
Soul-Formationen wie Jones gibt es in der Schweiz (noch?) kaum. Brothertunes und Seven sind wohl die bekanntesten, ansonsten ist die Szene eher dünn. „Mir ist wohl bewusst, dass Soul aus der Schweiz vielleicht nicht bei allen ankommt. Aber es gibt viele, die haben das Bedürfnis nach solchem Sound aus dem eignen Land“, sagt Jones. Aber: „Ich habe keine Ahnung, ob das breite Publikum darauf achtet, ob wir Schweizer sind, oder nicht. Mich würde interessieren, ob das ganze mehr ziehen würde, wenn unsere Herkunft nicht bekannt wäre.“ Denn Jones glaubt, das Schweizer Publikum sei heimischem Schaffen gegenüber eher kritischer eingestellt, als Musik von ennet den Grenzen. „Wenn einer von Amerika kommt, haben die Schweizer automatisch einen enormen Respekt – weil drüben die Szene so gross ist und die Musiker schon in der Szene aufwachsen.“ - „Mutig“ würde Jones sich trotzdem nicht bezeichnen – nur weil er als Schweizer Soul macht. „Ich gehe kein Risiko ein, kanns nehmen wies kommt – und bisher läufts mit den Alben und den Konzerten gut“, sagt er. Sowohl von Kritikern wie Publikum seien viele positive Rückmeldungen gekommen.
Trotz seiner erst 23 Jahre auf dem Buckel hat Jones bereits eine beachtliche Musikalische Laufbahn. In seinen ersten Formationen war er noch so jung, dass sogar ein Blockflötenspieler Teil der Band war. Bands mit Freunden und Verwandten folgten – und gipfelten in Holix, die 2002 von Viva Swizz und Warner zur Besten Newcomerband der Schweiz gewählt wurden. CD- und Video-Produktion waren der Lohn – und trotzdem wars das Ende. „Wir dachten, 'Jetzt rollts, jetzt läufts wirklich an mit Konzerten und so' – doch das war nicht der Fall und das war für einen Teil der Band sehr deprimierend“, erinnert sich Jones. Zusammen mit verschiedensten Zukunftsplänen verschiedenster Musiker war das dann das Ende von Holix. Vielleicht auch deshalb ist Jones nicht der Mann mit den grossen kommerziellen Erwartungen an seinen Sound. „In erster Linie muss es mir flashen. Wenn das nicht passiert, kann der Sound auch anderen Leuten nicht gefallen. Er würde gezwungen wirken und das merken die Leute.“ Umso schöner sei es deshalb, dass er jetzt Musik machen könne, die ihm gefalle; Musik, in der Herzblut stecke – und dass diese Musik auch anderen Leuten gefalle. Doch: Stillstehen ist nicht bei Jones. Weiter spielen und schon wieder Songs für ein neues Album schreiben sind derzeit angesagt. „Wir haben keinen Marketingplan“, beteuert er zwar, ist aber trotzdem darauf erpicht, dass sein Name nicht aus den Köpfen verschwindet. So dass er vielleicht eines Tages selber ennet den Grenzen soulen kann...!