Junes' bisschen Bombast half
18.6.2011/Text: Ko:L, Bild: René Schmid
Sie können zu zweit, sie können aber auch als richtig grosse Band: An den Hoch-Ybrig reisten Junes mit der Letzteren. „An einem Festival ist es bestimmt angebracht, etwas Bombast einzupacken“, sagte Marc am Nachmittag des zweiten Festivaltages am Hoch-Ybrig. „Deshalb versuchen wir auch, einen mächtigen Sound aufzubauen.“ - „Wir haben uns vor dem Gig ein wenig schlau gemacht, was so abgeht hier oben“, sagt Dani, „um die Stimmung der Leute zu erahnen.“ Und: Welchen Eindruck haben sie von Ferne erhalten: „Dass es nicht sooo viele Leute am Festival hat – aber dass sie mächtig guter Laune sind“, sagt Dani mit einem Lächeln auf dem Gesicht – und trifft den Nagel ziemlich genau auf den Kopf. Und jetzt: Was haben sie mit den Leuten vor? „Mal sehen. Ich hoffe, unser Sound ist nicht zu melancholisch für ein Publikum, das in Partylaune ist.“
Nun, es war gewiss nicht die grosse Meute, welche am Openair Hoch-Ybrig den Weg an das Konzert der Ostschweizer fand. Aber das Publikum, das bereit war, sich auf den bisweilen sphärischen und verträumten Sound von Junes einzulassen, dankte es der Band mit begeistertem Applaus. Cello oder Violine waren Instrumente, die gewiss nicht in jedem Band-Setting zu finden waren – aber sie waren es, die dazu beitrugen, dass Junes' bittersüss-trüber Sound rund und vollkommen wurde. Ein Schelm, wer glaubt, das temporäre Comeback des Regens habe mit den melancholisch angehauchten Sound der Band zu tun. Stimmig und dynamisch präsentierten Junes ein Konzert, das wohl im Vergleich zum Rest des Festival-Programms in angenehmem Kontrast stand – und doch nicht diametral entgegen allem sonst Gehörem lief.
Mit mittlerweile drei Alben im Rucksack haben Junes heute beachtliche Möglichkeiten, ihre Sets dem Publikum anzupassen. „Natürlich gehen wir nicht mit dem selben Programm an ein Konzert in einem Konzert als hier an ein Festival“, sagt Dani. Eben – Duo oder Septett, Akustik oder Bombast. So oder so: Junes spielen für den Song. „Es ist auch nicht unbedingt unser grösster Wille, den Hintersten und Letzten für uns abzuholen“, sagt Marc, um dann aber anzufügen: „Natürlich freut es uns, wenn die Leute zuhören und wir viele für unsere Musik begeistern können.“ Dass sie als Band, welche nicht zwingend gängigen Pop-Schemen folgt, an Festival wie jenem am Fusse des Hoch-Ybrig gebucht werden, schauen sie als Kompliment an, beteuern die zwei. „Es freut uns, wenn wir mit unserem Sound an solchen Orten auftreten dürfen. Offensichtlich treffen wir da und dort einen Nerv“, sagt Daniel, „auch wenn wir keine richtige Partyband sind.“
Auch wenn sie mittlerweile ein paar Jahre gemeinsam unterwegs sind, sagt Dani: „Wir haben es bisher noch nicht geschafft, den Entertainer in uns so richtig zu wecken. Bei uns stand immer die Musik im Vordergrund.“ Selbstverständlich versuche man wie getan, sich in den Ort, an dem man spielt, einzufühlen und die Leute abzuholen. Ist es am Ende womöglich genau diese direkte Art und der Umstand, dass sie eben dazu stehen, dass sie nicht DIE Entertainer sind, die Schuld sind, dass Junes auf eine solide Fanbasis bauen können? „Vielleicht“, sagt Marc, „denn das Publikum ist ganz gewiss nicht dumm. Es merkt, wenn du ihm etwas vormachst. Und wir sind halt nun mal Musiker und keine Schauspieler.“ Sagts und macht sich mit Dani wieder auf den Weg hinter die Bühne. Und im Gedächtnis bleiben Danis Worte: „Wir ziehen uns vor und nach dem Konzert gerne zurück, um richtig in die Musik einzutauchen..“