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Pimp my Juraya

Text: Monthy
Bilder: Juraya/Das Office
Zwei fletschen die Zähne - Monthy und Monn
"Peter konnte leider nicht kommen", begrüsst mich Juraya-Bandleader Gian-Carlos Monn und hängt schnell an, "aber nicht etwa weil er Angst hatte..." Ich lache herzhaft, genau wissend worauf hier angespielt wird. Sänger Peter Urfer hatte wohl am meisten daran zu knabbern, was ich an der aktuellen Radiosingle der Stadtberner Rockband auszusetzen hatte. Doch dazu später mehr. Anlass unseres Gesprächs sind die "offenen Geheimnisse" von Juraya (sprich Tschuraya), wie sich das Debut der nicht mehr ganz jungen Truppe übersetzt nennt. Die Situation von Juraya ist ein wenig speziell. Zwar sind die Musiker der Band allesamt erfahren und teilweise aus der Berner Subkultur kaum wegzudenken, andererseits wurde die Band erst 2006 gegründet und soll nun den Erfolg bringen, dem man bisher mehr hinterher gerannt war. Dazu hat man sich in Ostermundigen Gedanken gemacht. Resultat ist eine Arbeitsweise, die nicht nur positives zutage fördert, unter den Umständen aber wohl der einzige Weg war. Die Basis von "Open Secrets" ist deswegen dreigeteilt. Ein erster Stoss Songs spielte man End 2007 ein. Das Resultat wurde auf der Maxi "Pictures" schon mal vorab releast. Dasselbe geschah mit der eigentlichen Radiosingle "Dance", die in einer zweiten Tranche entstanden. Der letzte Teil "Geheimnisse" folgten schliesslich mit dem eigentlichen Studioaufenthalt zur Jahreswende 08/09. Diese Dreiteilung lässt sich irgendwie immer noch heraushören und bewegt mich dazu, zu fragen, ob es im Spirit der Band, speziell im Willen, mit Juraya auf einen grünen Zweig zu kommen, eine Veränderung gegeben habe in dieser Zeit.
Cover Open Secrets
Giancarlos Monn: "Wollen wollten wir immer... Bei den ersten Aufnahmen haben wir schlussendlich einfach mal gemacht und festgestellt, was daran nicht gut war. Wenn wir beispielsweise merkten, dass wir in einem Bereich nicht das erreichen konnten, was wir eigentlich wollten, hiess es fürs nächste Mal spezifisch solche Sachen zu üben. Diese Mängel wurden also analysiert und laufend ausgemerzt. Beim zweiten Studiogang haben wir zum Beispiel die Gitarre nicht mehr in eine Kabine gestellt sondern in einen grösseren Raum, damit es nicht tönt wie in einer Höhle. Beim dritten Mal haben wir dann noch ein paar Schritte vorwärts gemacht. Zum Schluss mussten wir die ausgewählten Singles noch einmal remixen, weil sich das Niveau durch den ganzen Prozess doch verändert hatte. Wir haben also versucht, etwas aus dieser Produktion zu lernen." Es ist wohl charakteristisch für gestandene Musiker, dass mir bei der ersten EP gar nicht gross aufgefallen war, dass sich diese Musiker noch finden müssten. Im Gegenteil... "Pictures" verfügt über eine Frische, die den beiden folgenden Produktionen ein bisschen abgeht. Gian-Carlos: "Es handelt sich dabei schon nur um Details des Zusammenspiels. Oder um das Umgehen mit der ungewohnten Umgebung. Ich persönlich musste eigentlich nicht viel umstellen, vielleicht auch weil ich mich von allen Bandmitgliedern am sichersten im Studio bewege. Ich bin auch gar nicht nervös..." Die Erfahrung hat sich Monn unter anderem bei Melrose geholt, aber auch vielen anderen Berner Bands im Schatten der Mundart.
Der Reissverschluss - aktuelles Symbol von Juraya
Ich probiere heraus zu filtern, warum die verschiedenen Abschnitte in meinen Ohren jeweils einen leicht anderen Spirit mitbringen. Die Band wandelt auf einem Pfad der Verfeinerung, büsst dabei aber ein bisschen Lockerheit ein, scheint mir. Einerseits ist da die Zeitspanne von über einem Jahr, aber Gründe findet Giancarlos Monn auch noch andere: "Man erhält ja von den Radiostationen immer ein Feedback auf Songs, die man ihnen schickt. Der Tenor bei den rund 50 Radios, denen wir 'Pictures' geschickt hatten, war einfach: 'Zu viel Gitarre... - gut, aber... passt nicht ins Programm' - wir wollen aber ins Radio!" Genau diesen Zwiespalt hatte der Band hatte ich bereits anhand der Kritik zur Ballade "Stand alone", der zweiten Radiosingle, festgestellt. Mir scheint, als ob das, was Juraya besonders gut kann am Radio nicht gefragt ist und dass die Band sich mit dem, was das Radio verlangt, ähnlich schwer tut. Monn relativiert, dass man mit "Dance" schon auch einen - mehr als nur - akzeptablen Radiosong in die Playlists gebracht habe, gibt aber genauso zu, etwas darunter zu leiden: "Wir sind schon Rocker..." Nun stellt sich bei solch einer Ausgangslage die Frage, wo der Kompromiss aufhört und die Anbiederung beginnt. Diesen Weg wollten Juraya aber nicht gehen. Verbogen haben sie sich nicht, die Ballade war aber wohl mangels Alternativen schnell zur Single bestimmt. Monn sagt: "Zum Song stehe ich nach wie vor total. Man kann immer alles noch besser machen... Die Songs der ersten EP waren mehr eingespielt als die der letzten Tranche - solche Sachen hört man im Detail schon noch heraus." Der Song ist wohlgemerkt nicht schlecht - das Fiese daran: Eine Ballade mit der Stimme Peter Urfers zu singen ist alles andere als anspruchslos. Das tönt entweder wie Nazareth's "Love Hurts" oder eben schnell ein bisschen erzwungen. Dazu kommt, dass gerade Rocksänger sich oft schwertun bei Balladen. Hauptsächlich wohl weil der übliche Druck plötzlich nicht mehr da ist und man jeden Misston am Mikrofon sofort hört. Monn: "Da stellst du dich extrem bloss, das stimmt..."
Juraya live - farbenfroh und knallig
Was man bei Juraya gut merkt - wenn auch nicht auf Teufel komm raus mit "Open secrets" - ist der Wille, es nochmal richtig zu versuchen. Schon nur dass sich Juraya promotechnisch von der ersten Adresse für Schweizer Musik, nämlich dem Office, vertreten lassen, drückt das aus. Einer der Vorteile, die Monn und die Seinen beispielsweise gegenüber jungen Musicstars haben, ist ihre Erfahrung. Das Ziel ist formuliert: "Soweit wie möglich voran kommen..." Einer wie Giancarlos Monn weiss genau, dass es nicht nur darum geht, den Durchbruch zu schaffen, sondern ihn immer wieder zu schaffen. Die inneren Hypes und Downs gelassen zu nehmen, usw... "Das ist das schöne am Älter werden - die Reife... Man kann auch auf etwas zurückschauen. Fehler kann man immer machen, ich versuche einfach immer, sie nicht mehrmals machen zu müssen. Man sollte etwas daraus lernen. Der Erfahrungsschatz, der sich im Laufe der Jahre anhäuft, besteht zu einem grossen Teil aus dem 'Seich' den man früher gemacht hat..." Also könnte man schlussfolgern, dass diejenigen, die länger dabei sind, auch die sind, die mehr Fehler gemacht haben. Und dass nur die Fehler, aus denen nichts gelernt wurde, wirkliche Fehler sind. "Open Secrets" ist ganz sicher keiner - auch wenn man beim nächsten Album sicher wieder vieles anders machen wird...
CD-Release-Party: Freitag, 3.4.09, Tell-Saal, Ostermundigen

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5/24/2012 9:12:19 AM Administrator
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