Kick-Down: „Ein Feuer das nicht ausgeht“
Text: Sandy
Bilder:
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„Rockfest Brienz ist für mich alles“, sagt Marc Trauffer, Leadsänger der Brienzer Band Kick-Down. Jedes Bandmitglied sei praktisch schon von Anfang an dabei. Marc (nein, nicht der Ex-Frontmann von Airbäg) habe bereits bei der ersten Rockfest-Ausgabe mit seiner damaligen Band gespielt. „Und jetzt sind wir während zwanzig Jahren wie 'Schnuddernase' vor der Bühne gestanden und haben immer gehofft, dass wir hier mal einen guten Platz für einen Live-Gig erhalten werden“, erzählt er weiter. Dieses Jahr war es soweit, sie spielen am Schluss des Samstagsprogramms unmittelbar nach dem Headliner The Hooters.
Kick-Down gibt es in der jetzigen Formation seit 2001, Ursprung war die Band Spontan. Eigentlich habe von Spontan zu Kick-Down nur der Sänger gewechselt. Und dieser war vorher niemand anders als das OK-Mitglied und heutige Festivalspeaker Peter Schneider. Während Spontan eine Mundartband mit vielen Eigenkompositionen war, ist Kick-Down eine Cover-Rockband. Sie spielt unter anderen Hits von Creedence Clearwater Revival, Bon Jovi oder Status Quo. Auch einige eigene Songs gibt es in ihrem Repertoire – und Ansätze für mehr Eigenkompositionen sind da. „Wir schaffen an der Umsetzung, sind jedoch beruflich und mit anderen Hobbys ziemlich engagiert und so fehlt uns die Zeit, um daran zu arbeiten“, gibt Gitarrist Peter Messerli zu. Für das Konzert am Rockfest seien zwanzig Songs auf der Setliste, davon sind drei von der Band selber. Marc, Peter und Ruedi von Allmen, der zweite Gitarrist, sind federführend beim Auswählen der Cover-Hits. „Die Wahl kommt meistens aus dem hohlen Bauch heraus“, witzelt Marc. Wichtig sei, ob der Song auf Kick-Down zugeschnitten ist, und wie der Zuhörer darauf reagieren könnte. „Wir spielen nicht nur für uns, sondern auch für das Publikum. Sonst müssten wir gar keine Musik machen“, sagt Marc. Ruedi kennt noch ein anderes wichtiges Auswahlkriterium: „Der dreistimmige Gesang ist ja ein wenig unsere Spezialität. Das Herausholen des Chorus ist auch ein Aspekt bei der Songauswahl.“ Und Ruedi entlarvt sich auch gleich als Werbeklopfer und stellt Kick-Down selber die Frage: „Was können wir bewegen, dass sich das Volk bewegt?“
Damit der Weg der Rockband nicht zu gradlinig ist, experimentieren die Musiker momentan an einem Jodlerprojekt mit dem Namen Hanery’s Alpenrock. An den Tasten begleitet Hanery Amman gleich selber. Ein Alphorn gehört dazu und Ruedi spielt akustische Gitarre. Marc und Peter jodeln zusammen mit sieben weiteren Sängern. Die Idee sei für das fünfjährige Jubiläumsfest der bandeigenen Kick-Down Bar in Brienz entstanden – und fand am Freitag am Brienzersee Rockfestival guten Anklang als Überraschungs-Einlage. Obwohl es mit den technischen Mitteln nicht ganz einfach gewesen ist, hatten die Besucher Freude daran. Drei Lieder gehören zum Alpenrock-Repertoire: „Heimat“, eigentlich eine Version der ehemaligen Band Spontan, und die beiden alten Volkslieder „Stets i Trure“ und „Wenn mys letschte Stündli schlaht“. Die Schwierigkeit Rock und Volksmusik zu verbinden, sei die Harmonie der Stimmen zu finden erklärt Peter: „Wenn ich daran denke, wie schwierig es ist, nur unsere drei Stimmen in Einklang zu bringen. Dann kommt noch eine Jodlergruppe dazu, was das Zusammenfügen nicht einfacher macht.“ Eine Ehre sei, dass Hanery Amman persönlich mitspielt, ist er doch der ursprüngliche Arrangeur von „Stets i Trure“. Und nicht zuletzt erwähnt Peter das Alphorn: „Das Spielen dieses Instruments ist in solchen Stücken sehr schwierig. Für die Einlagen hat der Bläser 'bodenbös' geübt.“ Ende August werde von diesem Projekt eine Studioaufnahme gemacht, damit jeder Beteiligte ein Zeitdokument habe. Und sogar ein Radioauftritt in der Sendung „Rock’n Roll und Edelweiss“ auf DRS 1 steht in ihrer Agenda.
Kick-Down ist übrigens nicht nur eine Band, sondern auch ein Clublokal. Ihr gemütlicher Übungsraum ist offen für Gäste und Live-Musik. Marianne Pfister führt diese Bar zusammen mit Band-Gitarrist Ruedi von Allmen. Die Idee sei ein Gesamtbeitrag der Band gewesen und innerhalb drei Monaten wurde sie realisiert. „In Brienz ist das Angebot an Musiklokalitäten nicht gross und wir sind in Sachen Musik halt Idealisten. Mit dem Rockfest haben wir in der Szene auch schon viel bewegt“, sagt Ruedi. „Das Zusammenschliessen der Kontakte und die guten Feedbacks der Musiker und Gäste“, sind seine Motivation. Auch wenn er manchmal denke, „Nach diesem Jahr ist genug“, gehe es gleichwohl immer weiter. „Ein Feuer das nicht ausgeht“, betitelt Ruedi ihr Machen. Somit wird es wohl auch ein vierzigjähriges Brienzer Rockfest geben, vermutlich mit Kick-Down und neuen Ideen.