Kisha - Stoffwächsu (BMG)
Text: Ko:L
Bild: Cover
Kisha kommt mit einem Mundartalbum - das wird für Unkenrufe sorgen und hie und da heftige Kritik absetzen!. "Mir egal", sagt die zierliche Flamatterin resolut. Und mit "Ich konnte mich in Englisch nicht mehr so ausdrücken, wie ich eigentlich wollte", liefert sie auch gleich den Grund für den Sprachwechsel mit. Bei den ersten Geh-, respektive Schreibversuchen in Berndeutsch sei es dann "einfach geflossen!" Dass der Plattenmulti BMG bei diesem abrupten Kurswechsel mitmachte war zwar nicht gerade zu erwarten, ist aber beim Blick in die aktuellen LP-Charts auch nicht wirklich erstaunlich: Mundart boomt wie nie zuvor. Nun hat Kisha allerdings ein Problem: Nach dem seichten Teenie-Pop Debüt "Kisha", versuchte sie mit dem Zweitling "Crazy World" sich das Image einer verschlampten modernen Trend-Göre zu geben - und prompt nahm dem netten Mädchen von nebenan niemand den Stilwechsel ab - "Crazy World" floppte. Der nächste Hakenschlag ist nun mit "Stoffwächsu" betitelt, erscheint wie gesagt in Mundart und präsentiert uns - o Wunder - wieder eine neue Kisha.
Diesmal gibt sich Kisha im CD-Booklet als zerbrechliche Nymphe im grünen Schilfdschungel. Wenn ich es nach dem Gespräch mit der aufgeweckten und vor Energie strotzenden Sängerin nicht besser wüsste, würde ich ihr auf Grund der Bilder im Booklet akute Suizidgefahr attestieren... Ebenso zerbrechlich und filigran, wie sich Kisha im Booklet gibt, ebenso schlicht und schnörkellos kommen die elf Songs auf "Stoffwächsu" daher. Entstanden sind sie in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Daansen, der auch gleich den grössten Teil der Instrumente eingespielt hat. Der Sound ist in den meisten Fällen luftig und leicht, ebenso Kishas Stimme, etwa im Sinnead O´Connor Remake "Keinä isch wie du". Keck verabschiedet sich Kisha immer wieder mal aus dem klassischen Pop und flirtet mit dem Singer-Songwriter-Genre - ein Flirt, dem eine gewisse hypnotische Wirkung nicht abgesprochen werden kann. "Stoffwächsu" ist zweifelsohne ein mutiges Album. Gerade im Bereich der Songtexte wird es allerdings offensichtlich - zu offensichtlich - dass sich Kisha noch nicht sehr lange intensiv mit der Berndeutschen Sprache auseinandersetzt. Zeilen wie "Ig u mi Hung mir mache hennä viu Seich" zeigen, dass die Bernerin noch weit weg davon entfernt ist, eine echte Sprachvirtuosin zu sein. Oder anders gesagt: "Stoffwächsu" überzeugt im musikalischen und stimmlichen Bereich wesentlich mehr, als im inhaltlichen.
Übrigens: Mehr über Kisha, ihr Album um einige Intimitäten gibts am 4. Oktober von 20.00 bis 22.00 auf trespass.ch - underground radio auf Radio Emme. Da könnt ihr euch auch fette Preise abholen!!!