Labia - Monthy riskiert ne Lippe
Text/Bilder: Monthy
Erster Punkt sind die Herkünfte der Jungs oder ihrer Eltern. Zwei italienische, ein spanisches und ein argentinisches Herz sind zusammen eine geballte Ladung "Machismo". Sänger Fernando Lopez, der Spanier von Labia meint: "Wir sind schon eine Multi-Kulti-Truppe, rein von den Herkünften und den verschiedenen Geschmäckern her. Es ist nicht so, dass wir einen Afrikaner, einen Südamerikaner und einen Chinesen in der Band hätten, aber der Ausdruck trifft glaube ich schon zu." Das Temperament erkennt man schon am Namen der Zürcher Truppe, der aus dem lateinischen stammt, genauso wie die Jungs selber ja auch. Nur sind sie keine Lateiner sondern Latinos. Das spürt man auf der Bühne, gibt Gitarrist und Gaucho Ariel Rossi zu: "Viele Leute sagen uns, wir hätten eine spezielle Ausstrahlung auf der Bühne und das hat - denke ich - schon einen Zusammenhang ...weil wir Latinos sind..."
Ursprünglich war Labia Blasted und eine Schülerband. Aktueller Name und Stil wurde definiert als Bassist Armando Nappi von den Chairbreakers zu den drei anderen stiess. Drummer Damian Benedetti, der mit Armando die Italiener-Fraktion bildet, erzählt: "Es war für uns durch den neuen Bassisten auch irgendwie ein Neuanfang. Ich persönlich hielt das für ziemlich wichtig. Damit es auch nach aussen hin ein neues Projekt mit neuen Aspekten darstellte." Der zugezogene Bassist Armando beschreibt den Sound von Labia, den ich ja noch gar nicht gehört habe und entsprechend neugierig darauf bin, wie folgt: "Wir packen so viele Stile hinein, dass wir eigentlich eine Bezeichnung suchen mussten. Weil... es ist nicht Metall, es ist nicht Rock - es ist von allem ein bisschen. Es ist schwierig, die eigene Musik zu erklären in Worten."
Labia, der von den vier Jungs erkorene Name sollte sowohl weiblich als auch geheimnisvoll klingen, sagt Fernando dazu: "Wir wollten etwas nicht allzu offensichtliches wie ´The dying power of our enemys´, das uns als Hardcörler hingestellt hätte. Wir wollten auch nichts zu konstruiertes sondern eben etwas Weibliches, Geheimnisvolles. Labia kommt aus dem Lateinischen, heisst in italienisch ´Lippe´, in spanisch heisst es, dass man einen guten Flow beim Reden hat und in englisch halt eben - ´Schamlippe´" Damian führt an: "Es heisst ja ´Lippen´ allgemein, das finde ich noch spannend. Wir haben ja verschiedene Lippen. Am Mund entsteht bei den Lippen das Wort, in den Stimmbändern haben wir auch Lippen, dort entsteht die Stimme und bei den Schamlippen entsteht eigentlich das Leben."
Heissblütig sind sie, wie ich auch im Gespräch merke, aber dabei sehr liebenswürdig und auch nachsichtig. Mir fällt alles zu Boden, ich finde die angestrichenen Sätze in meinem Muisiglanzgmeind-Programm nicht, nachdem ich schon anfangs Armando und Fernando verwechselt hatte. Ich riskiere trotzdem ne Lippe und spreche den Sänger darauf an, dass er laut Bio Nichtraucher geworden sei - "Als es immer ernster wurde mit der Band, musste ich mich einfach fragen, ob ich es noch besser machen könnte. Dabei habe ich gemerkt, dass Saufen und Rauchen meinen Fortschritten im Singen und im Gesangsunterricht im Weg stehen. Ich habe also aufgehört zu rauchen, sicher zwei, drei Jahre lang. Letztes Jahr war echt heavy mit CD und so, da habe ich wieder angefangen. Ich verdrücke schon nicht einen Sack pro Tag, aber das muss wieder retouchiert werden - auf der Page..."
Ariel spielte früher - laut ausdatierter Bio - Tango und Folklore und erklärt mir den Unterschied zum Sound den er heute bei Labia spielt. - "Ich war damals acht Jahre, lebte in Argentinien und habe auf Drängen meiner Mutter angefangen, Gitarre zu spielen. Das war damals und dort kannte man nicht viel anderes als akustische Gitarre und so habe ich angefangen, nach einem Jahr dann leider lange wieder aufgehört. Trotzdem hat es geholfen, die Hand zu formen und ich bin froh, dass ich das gemacht habe damals." Überhaupt haben die Labias alle ein bisschen schulische Luft geschnuppert. Ein gewisses Grundinteresse an Musik sei halt eben da, meint Damian, bevor wir alle aufbrechen. Labia bald zum Auftritt, ich ins VIP-Zelt zu HNO. Mein Interesse an Labias Musik - wie tönen sie jetzt wirklich? - konnte ich an diesem Abend dann auch noch stillen.
Manchmal wähle ich meine Acts rein nach Name aus, eine Krankheit aus Kindheitstagen. Damals konnte man noch von einem stylishen Cover auf einen q-l-en Inhalt schliessen und so. Im Falle von Labia war das so und es kommt erschwerend hinzu, dass sich die Produktion ihrer ersten EP verzögerte und Labia mir erst an der Muisiglanzgmeind eine gebrannte Scheibe mit zwei gemasterten Song übergeben konnten, gerade noch rechtzeitig für die Radiosendung vom 8.8.2005 (20 - 22 Uhr auf Radio Emme, siehe Rubrik Radio). Desweiteren sind die Jungs cool drauf und sehr locker. So kam es also, dass ich zwar ein bisschen was von Labia wusste, aber ihren Sound noch nie gehört hatte, als wir uns zum mitgeschnittenen Gespräch an den runden Tisch setzten. Monthy riskiert´s mit Labia.