Lakeside 2006 – Nass wirst du sowieso…
Text/Bilder: Monthy
Die Innerschweiz ist bekanntlich die letzte Bastion von Schweizer "Indy". Vielleicht noch mehr bezüglich Veranstalter denn Bands. Will heissen, in und um Luzern schielt man nicht nach dem zu erwartenden Resultat sondern man macht einfach, setzt seine eigenen Ideen um und geht damit auch das Risiko ein zu scheitern. Da sich aber gute Ideen von selbst durchsetzen, sofern man lange genug an ihnen festhält, gibt es die traditionellen Events auch in der Innerschweiz, und meistens haben sie irgend etwas Besonderes zu bieten. Das "Halt-auf-Verlangen" im Grünenwald bei den Jollys ist beispielsweise das einzige Festival mit eigenem Bahnhof. In Hergiswil hat man sich damit nicht zufrieden gegeben und sichert den direkten öV-Anschluss gar per Schiff. Die Anlegestelle Hergiswil befindet sich keine zehn Schritte vom Eingang zum "Lakeside"-Park.
Dieser präsentierte sich nach den letztjährigen Überschwemmungen wieder in alter Frische und beherbergte vom 9. bis 13. August 2006 abermals den Lakeside-Movie- und den schon legendären Lakeside-Jump-Contest, bei dem sich wagemutige InnerschweizerInnen mit dem Bike über eine Schanze in den Vierwaldstättersee schmeissen. Daher auch der Titel des Artikels. Den Regen konnten die Veranstalter zwar nicht verhindern, das kleine Gelände kann aber innert kürzester Zeit abgedeckt werden, was das Problem genauso behebt. Wer sich aber zum wagemutigen Ride auf dem Lakeside-Spicker entschied, brauchte definitiv Ersatz-Kleider…
Besonders zu erwähnen gilt es dabei Lily. Die mutigste Innerschweizerin kam während der Anfahrt zu ihrem ersten Versuch auf der steil abfallenden Rampe ins Trudeln, schaffte es aber, das Bike so weit zu stabilisieren, dass sie nicht auf die harten Steinplatten fiel. Allerdings verpasste sie durch die Korrekturbewegungen den Spicker und raste zwischen Schanze und Juryturm durch die Büsche in den See. Passiert ist ihr dabei nichts, auch wenn die Schrecksekunde kurzzeitig für einigen Aufruhr sorgte. Dafür dass sie später wieder antrat und den Sprung doch noch hinkriegte, gebührt ihr massiver Respekt. Ich konnte die kleine Geisterfahrt zufälligerweise bildtechnisch dokumentieren und habe deshalb Lilys Husarenritt in der Gallery Lakeside aufbereitet. Den Link findet ihr unten am Artikel.
Viel zu sehen gab's auch für die Ohren. Zuerst einmal durfte ich bei Reto Burrell nachfragen, ob sich Trespass-Lady Piggy beim Rugenrock-Interview vor gut zwei Wochen artig benommen hatte. Danach unterhielt Burrell mit dem aktuellen Programm und der Bemerkung, dass er – wenn es ein bisschen schöneres Wetter wäre – von der Lakeside-Bühne aus, sein eigenes Häuschen sehen könnte. Auch sonst bot das "Seeseitige" Festival abwechslungsreiche und interessante Musik aus dem In- und Ausland, angefangen bei Rolis Brasilfunk, über Highfish und William White and the Emergency bis hin zu The blue van. So stand das Lakeside Festival 2006 eigentlich für die Verbindung von südlich-karibischen und nordisch-skandinavischen Sounds. Und mitten drin: haufenweise lokale und nationale Acts!
Zwei davon standen – wie sich das gehört, wenn Trespass für euch unterwegs ist - unter besonderer Beobachtung. Die Luzerner Emo-Core Band Deus ex machina erzählte mir, wie und warum man ihren Namen immer falsch ausspricht und das lustige Duo von Elvis Explosion treibt's im Interview mit Monthy ganz einfach äusserst bunt. Die beiden Acts unterhielten die Lakeside-Besucher am Samstagnachmittag während des Jump-Contests und standen danach Rede und Antwort.
Das Lakeside Festival unterstrich neuerlich, dass man nicht viel Platz braucht, um grosse Ideen wachsen zu lassen. Auf den circa 100 mal 50 Metern im Hergiswiler Hafenpark läuft nämlich weit mehr als auf so manchem grossen Openair-Gelände. Und die familiäre Atmosphäre findet man dort sowieso schon lange nicht mehr. Dagegen setzt man in Hergiswil lieber auf den kleinen Massstab und Individualismus. Und das ist gut so!