Lakeside Festival 2005 - Man kann auch Glück haben
Text/Bilder: Monthy
Der Bericht übers Lakeside-Festival (10. - 14.8.) hat sich verzögert, weil wir ab Dienstag in Gampel im ersten Festivalradio der Schweiz beschäftigt waren. Dort hatten wir zwar auch etwas Wetterpech, doch verglichen mit den Ereignissen nördlich der Alpenlinie war das gar nichts. Wenn ich die aktuellen Bilder auch aus Hergiswil, wo das Lakeside stattfand, aber vor allem aus Sarnen und meinem geliebten Engelbergertal sehe, dann denke ich an ganz viele Menschen, die ich in den letzten Jahren dort kennen gelernt habe. Was mich einerseits bedrückt wird durch die Gewissheit gemildert, dass sich gerade diese Menschen davon nicht unterkriegen lassen werden. Jetzte gilt es, in Dallenwil und Grafenort zusammen zu stehen - trotz allen dialektischen Unterschieden... Die Hochwasser-Ereignisse berühren auch unsere Herzen aufs Tiefste.
Der kleine Park, in dem auch dieses Jahr das Lakeside Festival stattgefunden hat, steht dieser Tage zweifelsohne unter Wasser, allerdings weiss ich es nicht genau. Jedenfalls liegt er direkt am Vierwaldstättersee bei der Schiffländte Hergiswil. Vor zwei Wochen sahen dort am Mittwochabend 450 Leute eine Movie-Session mit maximal achtminütigen Kurzfilmen sehen, auch mit Beiträgen der Neutones oder der Neverevers. Am Donnerstag kamen nicht nur The Transformer mit sattem Dub/Reggae und Mangu nach Hergiswil sondern auch Monthy. Pressesprecher Albi erklärte mir auf Anfrage, warum ein so kleines Event in einem so kleinen Ort von Mittwoch bis Sonntag läuft und so breit angelegt ist, wie ihr Leser noch erfahren werdet: "Wenn wir uns schon den Aufwand machen und das Zeug aufstellen, dann wollen wir es auch geniessen. Wir sind etwas eingeschränkt von den Zeiten her, weil wir mitten im Dorf liegen. Da muss dann abends auch irgendwann mal Schluss sein."
Das Gelände ist klein wie der Blick von oben zeigt, wird aber von einer nicht kleinen Herausforderung dominiert. Eine Rampe für Bikes streckt sich acht Meter hoch gen Pilatus und bietet den Verrückten Innerschweizern und allen zufällig anwesenden Extremsportlern die Möglichkeit sich mit um die sechzig Km/h in den See zu stürzen. Dieser Contest hat sich zum eigentlichen Highlight des Festivals gemausert und ist als innerschweizerisch verzerrtes Pendant zu den Red-Bull-Flugtagen zu sehen. Der Gewinner erhält - wie könnte es anders sein - ein Bike. "Wohl als Ersatz für dasjenige, welches er in den See geschmissen hat...", bemerke ich grinsend und Albi meint lapidar: "Guet, di wärdet alli wider usegfischt..."
Auch am Sonntag haben sich die See-seitigen etwas Besonderes ausgedacht. Nach einem Buurezmorge mit Darbietung des dazugehörigen Jodlerklubs gibt´s am Nachmittag den Blues zum Ausklingen. Das Musikprogramm von Donnerstag (Latin/Reggae/Dub), Freitag (Electro-Pop/Triphop) und Samstag (Rock) ist nach Themen gestaltet, eine mir sehr angenehme Programmation, die längst nicht mehr überall geboten wird. Mein Hauptaugenmerk galt wie immer den Schweizer Acts, von denen The Transformer, eine Luzerner Formation, live überzeugten. Mit Division Kent stand am Freitag gar ein echter Geheimtip nationaler Prägung an, dazu Klanglandschaften von kitchen. Am Samstag vor 1700 begeisterten Besuchern heizten fünf lokale Bands (Floating Chocolates/Failed Teachers/The Bucket/Vain/unborn chicken voices) für die jüngeren Brüder von MandoDiao-Sänger Gustaf Noren, Sugarplum Fairy, ein.
Mit 3000 Besuchern insgesamt verdoppelten die Hergiswiler fast das Ergebnis aus dem Vorjahr und lockten rund eintausend Leute mehr an, als sie am Lakeside Festival 2005 erwartet hatten. Dass es mit dem Event voran geht, konnte man schon im Voraus erahnen, nämlich als die neue Homepage aufgeschaltet wurde. Sie überzeugt nun sowohl farblich als auch inhaltlich deutlich mehr und stellt eigentlich die Weichen für eine noch erfolgreichere Zukunft Lakeside Hergiswil. Nur eben - wie das Gelände momentan aussieht, mag ich mir gar nicht vorstellen. Und damit wäre ich am Ende eines Berichtes, den ich schon letztes Jahr versprochen hatte und der auch dieses Jahr hinter Gampel zurückstehen musste. Mühe gemacht, ihn zu schreiben, hat mir aber der Gedanke an die Leute in der Innerschweiz - und überall sonst, wo das Wasser Schäden verursacht hat.