Lea Lu: Herz vor Hirn!
Text: Ko:L
Bilder: Lea Lu
„Es ist mir lieber, wenig Leute hören das Album aufmerksam, als viele Leute hören es unaufmerksam“, sagt Lea Lu. Die Ansprüche der Zürcher Sängerin, die mit „Dots and Lines“ in erfrischend überraschendes Debut abliefert, sind bescheidn – und vielleicht genau deswegen unerreichbar hoch. Denn mal ehrlich: Wo sind in Zeiten der Generation Ringtones und i-Pod die Leute, welche sich Zeit nehmen, Musik mit Herz und Hirn anzuhören, und den Sound nicht einfach als Background-Berieselung des nicht selten allzu hektischen Alltags konsumieren? Mit Lea Lu funktioniert das nicht, „Dots and Lines“ - Punkte und Linien – werden im überladenen Alltags-Gemälde übersehen, wenn man sich nicht die Mühe nimmt, sich auf die 14 Songperlen zu fokussieren; ihnen Raum zu geben, um sich zu entfalten.
„Die Songs entstehen ganz unterschiedlich“, betont die Sängerin. „'Hawaii' habe ich in zehn Minuten geschrieben.“ Andere Lieder haben drei Jahre in Anspruch genommen, bis sie in der Form vollendet waren, wie sie heute auf „Dots and Lines“ zu finden sind. Gemeinsam haben sie eines: „Wenn ich eine Idee habe, nehme ich die Gitarre zur Hand, und beginne, den Song zu schreiben.“ Andersrum funktioniere das nicht, betont Lea. „Ich kann mich nicht einfach hinsetzen und anfangen, einen Song zu schreiben.“ Wenn die Muse sie aber küsst, dann lässt sie sich gerne treiben. „Ich blende mein Wissen von der Jazzschule beim Songwriting aus – das funktioniert tatsächlich“, erklärt sie mit einem Strahlen im Gesicht. Ihr zu glauben, fällt nicht schwer. Denn: Dass ihre Musik von Herzen kommt und keine Kopfgeburt ist, wird vom ersten Ton auf ihrem Debut-Album klar.
Hirn scheint bei der sympathischen Zürcherin und ihrem musikalischen Schaffen sowieso stets hinter Herz anstehen zu müssen. Auf die Frage, welches denn ihre Ziele seien, die sie mit „Dots and Lines“ erreichen wolle, meint Lea Lu mit einem Lachen: „Ich verfolge keine Ziele. Träume habe ich, ja – aber ich bin nicht der Mensch, der verbissen auf ein Ziel hin arbeitet.“ Das sei schon immer so gewesen, betont sie. So hat Lea Lu denn auch nicht wie tausende anderer vom ersten Tag, an dem sie eine Gitarre in Händen hielt, davon geträumt, dass das passiert, was vor einiger Zeit eingetroffen ist: Das Signing durch ein Majorlabel, wie Sonymusic es ist. „Für mich hat sich mit diesem Vertrag nichts verändert“, ist die logische Antwort auf die entsprechende Frage. „Ich mache Musik, weil ich Freude daran habe – und nehme's wie's kommt!“. Und was für das Produzieren ihrer Songs gilt, zählt bei Lea Lu auch auf der Bühne. Ihre Band probe nie, sagt sie: „Alle Mitglieder sind Profis“, erklärt die Frontfrau, „und wir wollen ganz bewusst Raum lassen für Spontaneität und Improvisationen.“ Was auf der Bühne passiert, soll vom Moment leben.
Ihr nächstes Highlight sei bestimmt das Konzert am 29. Oktober im Zürcher Papiersaal. „Ein grosses Lokal, da freue ich mich enorm drauf!“ Und dann natürlich den Releas und die bevorstehenden Auftritte im nächsten Jahr in Deutschland. „Ich bin extrem gespannt darauf, wie das Publikum in einem anderen Land auf meine Musik reagiert“, sagt Lea Lu – und gesteht, dass wenigstens in dieser Hinsicht etwas fest geplant ist: „Wir werden den Song 'Tu me donnes' auch in Deutschland spielen. Den gibt es nur in französisch – ihn ins Englische zu übersetzen ist schlicht nicht möglich.“