Leech – The Stolen View
Text: Ko:L
Bild: Cover
John Sars, Kid Ikarus, Lightbulb Sun oder Monkey3: Die Instrumental-Rockbands scheinen dieses Jahr trespass.ch entdeckt zu haben – oder umgekehrt. Dass jetzt mit Leech ein weiterer Instrumental-Act dazu kommt erstaunt eigentlich nicht. Vielmehr erstaunt, dass gerade ein Act wie Leech erst jetzt hier zum Zug kommt. Denn fünf Instrumentalisten, die im Aargau angesiedelt sind, rocken bereits seit 1995 zusammen. „The Stolen View“ ist denn auch bereits der vierte Tonträger aus dem Hause Leech, entstanden dieses Jahr, allerdings nach einer längeren Auszeit der Band. Aber was heisst schon „länger“ bei einem Act, der sechs Tracks auf eine komplette Album-Länge auswalzen kann. Marcel Meyer (git, keys), Urs Meyer (git, keys), Serge Olar (dr), Tobias Schläfli (synth) und David Hoffmann (git, bass), nutzen die Freiheiten, die zu einem Instrumental-Act gehören schamlos aus. Konsequent bewegt sich der Fünfer jenseits der 3.30''-Schallgrenze, experimentiert hemmungslos in den Spähren des Rock'n'Roll, breitet sich aus, bloss um sich am Ende stets wieder auf das Wesentliche zurückzuziehen: Eingängige Riffs, die sich gerne in den Gehörgängen festsetzen. Leech beweisen eindrücklich, dass Attribute wie „verspielt“, „roh“ oder „ungeschliffen“ keineswegs den Regeln gängiger Popmusik entgegenlaufen müssen. Auch wenn sie sich – bewusst? - radiountauglich machen mit ihren überlangen Nummren, so ist der Sound der fünf auf jeden Fall ein grossartiges Hör-Erlebnis. Ein anspruchsvolles zwar, weil es Aufmerksamkeit verlangt, aber für den, der sich drauf einlässt auf jeden Fall ein spannendes. Weil es Träumen genauso erlaubt – oder provoziert – wie heftiges Kopfnicken.