Luk von Bergen – Blaumaler (Nation Music)
18.4.2011/Text: Kaa, Bild: Cover
Luk von Bergen, tönt exotischer als er ist. Zürcher Singer und Songwriter mit Berner Wurzeln der soeben sein Debutalbum „Blaumaler“ herausgegeben hat. Eine Scheibe, die authentischer nicht sein kann. 11 Lieder, alle gesungen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Lieder die vom Leben erzählen, von diesem Leben, welches wir alle Tage von Neuem erleben… Lieder die unter die Haut gehen, zum Nachdenken anregen und die man immer wieder hören will. Es scheint, als wäre dieser junge Mann mit seiner Gitarre eins. Verträumt, gefühlvoll und trotzdem echt. Ein Blaumaler sei er, singt er im Song, der dem Album den Titel gab. „I bi ne Blaumaler und i male blau mit mine lingge Händ töifblaui Striche a dini wisse Wänd.“ Eine Metapher für Situationen , in denen man die Melancholie, die in einem drin ist, auf andere überträgt. Er singt von Trennung, vom sich wieder finden und vom sich in Ruhe lassen, oder eben auch nicht. Nicht alle Songs sind so traurig und sinnlich. „Salsa“, ist ein poppiger Frühlingssong, der tönt, als würden die zwei Leute, von denen er singt, tanzen, bis ihnen die Füsse abfallen. Mit einfachen Worten singt er, wie diese zwei Menschen Spass zusammen haben und das Leben geniessen. Dass er im Herzen Berner ist, das hört man ganz klar im Song „Immer mit dir“. Dieser Song geht um eine Beziehung. Eben nicht zu einer Frau oder einer Person, sondern zu einer Stadt, einer Herkunft, einer Sprache. Eine Beziehung zu etwas, was man im Herzen trägt, zu einem grossen Ganzen. Dass nicht alle Lieder auf der Scheibe auf ihn bezogen sind, dass einige Lieder Gedanken sind, die weitergesponnen wurden, erscheint klar. Klar ist aber auch, dass „Mini Wält“ ein Song über ihn ist. Über die Person Luk von Bergen, alle Facetten, die dieser Musiker zu bieten hat. Das Aufzeigen, dass er ständig unterwegs ist. Mal hier, mal da. Dass er sich nicht festlegen will, dass er sich gefühlsmässig oft am Rande des Extremen bewegt. Er singt vom Fliegen und vom Abstürzen und dies mit viel Tempo, viel Rhythmus, sodass der Song vom Kopf bis in die Füsse fetzt und diese automatisch mitmachen… Tanzen kann man definitiv zu diesem Album, abschalten und stundenlange Reviews schreiben. Aber ich fange nun an, mich zu beschränken und schreibe ganz zum Schluss noch etwas über meinen persönlichen Lieblingssong. Über den Song, der sich schlicht und einfach „Pirat“ nennt. Einen Song übers Weglaufen, oder zumindest den Gedanken daran, wegzulaufen. Vom Träumen, vom Weggehen, vom nicht ans Meer gehen, sondern dem Warten, bis das Meer zu einem kommt. Vom Merken, dass weglaufen keine Lösung ist, weil man früher oder später trotzdem wieder zu sich selber zurückkommt. Er singt: „Hätte mir es Meer, de wäri e Pirat…“. Vom Haben und vom Werden, alles im Konjunktiv. Hätte ich eine grössere Wohnung, hätte ich mehr Platz, hätte ich mehr Geld, würde es mir besser gehen. Er singt von Leuten, die eigentlich gar nie richtig glücklich werden können, weil ihnen immer irgendwie, irgendetwas fehlt…. Durch die Gedanken und die Träumereien ist es ihnen aber immer wieder möglich, ein kleines Stück weg zu rennen, weg vom Alltag und ein kleines bisschen geistig fliehen…. Obwohl der Song zu den traurigeren der Scheibe gehört, gefällt er mir besonders gut. Die Melodie ist eingängig, Luk bringt den Text ruhig und gelassen, sodass man den Song einfach gern haben muss. Eine CD, die man einfach hören muss. Und da wir keine Piraten sind, unbedingt kaufen :-) Und dann wäre da noch das werden im Konjunktiv: Lieber Luk, würdest du bitte noch ein solch geniales Album machen? Danke!