Bonjour Madame: I-III
Text: Ko:L/Bonjour Madame
Bild: Bonjour Madame
Nein, Madames Welt ist keine bunte Welt. Seemänner, Pest, Todessehnsucht, unerwiderte Liebe, Leichen in der Aare und ein AKW das leckt – weiss Gott keine Welt, die zum Eintauchen einlädt. Aber diese Sinnlichkeit. Die blutroten Lippen, die hochgesteckten Haare, die im Wind wehen, die Stimme voller Leidenschaft, die Finger, die dem Flügel Pein und Liebkosung in einem sind – weiss Gott ein Paradies, das alles andere vergessen lässt. Der Traum ist nur von kurzer Dauer, aber der Traum ist intensiv. Drei ihrer Werke haben Eva Heller und Christov Rolla auf DVD gebannt - „Denn dich liebt sie nicht“, „Bis ich selber König bin“ und „Lenzburg wartet“. Wobei letzteres als Adaption des Clash-Klassikers „London Calling“ die wohl unmissverständlichste Versinnbildlichung des Etiketts „Chansonpunk“ ist, welches sich Bonjour Madame selber umgehängt haben. Mit der DVD „I-III“ schlägt das Duo das nächste Kapitel auf: Bis 2007 spielte es eine theatrale Mischung aus eigenen Songs, neu vertonten Schlagertexten und kuriosen Covers. Das Süsse und das Saure, das Boshafte und das Laszive hielten sich mehr oder minder die Waage. Ende letzten Jahres entstanden anstelle einer ersten Platte dann unter der Regie von Judith Kurmann drei Kurzfilme zu eigenen Songs, welche nun der Öffentlichkeit präsentiert werden. „Nach einer halbjährigen Konzertpause zogen sich Heller und Rolla ein dunkleres Kleid an“, heisst es jetzt auf der Homepage. „Dieses düsterere Gewand beinhaltet vermehrt eigene Lieder und vor allem die zeitweilige Vergrösserung um drei Musiker: Beda Troxler, Marc Moscatelli und Nik Mäder bilden Bonjour Madames Feldmusik. Diese spielt und singt und fährt zur See und in den Wald. Aber man weiss nicht recht, was sie tut und was sie lässt, was da kommt und was da geht. Und der bisherige Chansonpunk verwandelt sich in eine Art Kunstlied, das sich in eine schummrige Hafenspelunke verirrt hat.“ Und genau in dieser schummrigen Hafenspelunke sind die drei Kurzfilme „I-III“ angesiedelt. Wobei nie ganz klar wird, ob es nun versoffene Matrosen und Hafenarbeiter sind, die sich an Madames Rockzipfel ergötzen oder ob Dichter sich an ihrer Poesie laben. Wahrscheinlich von beiden ein wenig. Und damit ist Madame, was sie schon immer war: Eine Lichtgestalt, die federleicht bleischwere Inhalte durch den Raum haucht, um sich und das Publikum gewaltsam in eine andere Welt zu katapultieren.