Keine Vorbilder: Männer am Meer
17..5.2011/Text: Ko:L, Bilder:
Opu, musicbild.li
Es ist einer der wenigen „Rägetage“ in diesem Jahr, an dem Männer am Meer das Rustico-Pub in Frutigen mit ihrem Auftritt beehren. Wer nun aber hoffte, dass die Männer daraus einen besonderen Anlass machen oder gar den Song im Set speziell hervorheben, sah sich enttäuscht – der wahrscheinlich bisher grösste Hit der Truppe aus Bern und dem Berner Seeland wurde in ein Medley verpackt. „Wir sind Männer am Meer und nicht Kuno“, sagt Ramon zum Publikum... Und nach dem Gig erklärt QC in der überfüllten Raucherecke unter der Sonnenstore, die zur Regenstore umfunktioniert wurde: „Mit dieser Band ist es logisch, dass live eine Party entsteht. Ich meine: Stell dir mal vor: 9 Jungs auf einem Haufen...!“ Wenn diese 9 Jungs ein Gefühl für Disco, Soul, Funk, Reggae und Ska – oder zusammengefasst: Gute Vibes, die direkt in den Arsch fahren – haben, wie die Männer am Meer ist die Vorstellung, die Truppe könnte mal ernst und tiefsinnig werden, tatsächlich schwierig
So versucht QC zu erklären, warum die aktuellen MaM-Gigs nur bedingt mit der aktuellen Platte „Mit Absicht“ korrespondieren. Während die Combo live ziemlich viel Sommer und ziemlich viel Sonne in ein energetisches Set verpackt, das man getrost als Workout verkaufen könnte, bleibt nach dem Durchhören von „Mit Absicht“ der Eindruck, dass da etwas von der Unbeschwertheit und der Leichtigkeit fehlt, welche MaM noch auf den Vorgänger-Alben „Vou im Biud“ und „Mit dem Rücken zum Strand“ ausgemacht hatte. „Das mag sein“, sagt QC, „vielleicht hat das damit zu tun, dass viele der Songs im Herbst entstanden sind.“ Er sagt, dass Doppelbödigkeiten in Texten für sie immer wichtig gewesen seien und dass die Leute, welche die CD hören intensiver zuhören, als die Konzertbesucher. Deshalb sei wohl das Live-Set eher auf Party ausgelegt. Doch so richtig einlassen auf die Frage will sich unter dem prasselnden Regen im Berner Oberland keiner von den beiden.
Und eben: Mit dieser Band liege es fast auf der Hand, dass aus einem Konzert ein Tanz-Abend werde, betonen QC und Ramon wiederholt. „Wir sind seit dem ersten Tag von Männer am Meer in der selben Formation zusammen“, sagt Ramon. Dass das im fünften Jahr immer noch funktioniere habe wohl auch damit zu tun, dass sie Männer seien und wüssten, wann schweigen angebracht sei. „Deshalb halten wir an unserem eisern an unserem Rhythmus fest: Wir machen ein Album, dann eine Tour und dann ein Jahr Ferien von der Band.“ Gut möglich, dass sie einen Teil dieses Urlaubs gemeinsam auf einer Insel verbringen. „Aber dann kommt bei vielen auch der aktive Part der Ferien“, sagt Ramon. Will heissen: Man beteiligt sich bei anderen musikalischen Projekten oder bringt sogar Solo-Alben raus. „So zelebrieren wir ständig das Ende des Anfangs“, philosophiert Ramon – und QC sagt: „Wir hören auf, bevor's Lämpe gibt.“
Und während junge Mädchen mit Spange die Männer anhimmeln und um Autogramme bitten berichten die beiden Frontmannen, wie es sich in der Band-Beziehung lebt und wie man sich findet und einspielt, sodass beispielsweise die Grenze zwischen geprobtem Set und improvisierten Parts auf der Bühne mit den Jahren zu verfliessen beginnen. „Ich ein Vorbild?!“, stellt Ramon die Gegenfrage, nachdem eines der Mädchen erklärt hatte, die Jungs seien ihre Vorbilder. „Hör uf!!!“ - „Freunde sind wir gerne“, fügt er an, „und wenn wir Menschen inspirieren, ist das auch toll“, sagt QC. „Aber wir empfehlen niemandem, uns als Vorbild zu nehmen.“