Die doppelten Magicrays
Text: Nic/Ko:L
Bilder:
musicbild.li
Das Gurtenfestival 2007 werden die Lausanner Indy-Rocker Magicrays kaum mehr so schnell vergessen. Bereits das Konzert auf der Waldbühne am Nachmittag habe ihnen grossen Spass gemacht, versichert Sänger Raph. Denn: Die fünf Musiker aus Lausanne spielten zum ersten Mal überhaupt auf dem Berner Hausberg. Was aber dann kam, hätte sich das Lausanner Quintett selbst im Entferntesten kaum träumen lassen. Weil Razorlight nach sintflutartigen Regenfällen in England stecken blieben, fragten die Gurten-Macher die Schweizer Alternative-Combo, ob sie einspringen und am Abend ihr Set noch einmal spielen würde – auf der Zeltbühne. „Wir konnten unser Glück kaum fassen“, erzählt Raph im Interview zwischen den beiden Auftritten. Ein Gespräch übrigens, das durch die unerwartete Programmänderung von einer gewissen Hektik und ständigem Kommen und Gehen und Abklären und Besprechen und Planen und Koordinieren geprägt ist; Leute die kommen, ins Gespräch eintauchen, bloss um gleich wieder weg gerufen zu werden...
Zwar spielten die Magicrays am Abend auf der Zeltbühne noch einmal das selbe Set wie am Nachmittag, aber dies vor ungleich mehr Zuschauern, darunter naturgemäss vielen, die am Nachmittag den Weg zur Waldbühne nicht unter die Füsse genommen hatten – nun aber kräftig mitrockten. „Ein voller Erfolg“ sei die Show gewesen, lassen die Jungs nach dem Gig via E-Mail ausrichten. Doch Raph betont schon auf dem Gurten: „Wir spielen sowieso lieber vor deutschsprachigem Publikum. Es geht einfach mehr ab, weil die Leute Rockmusik lieben!“ Ausserdem gebe es in der deutschsprachigen Schweiz sehr gute Clubs und Veranstaltungen. Das französischsprachige Publikum sei schwieriger zu motivieren und die Leute würden auch weniger Konzerte besuchen, wenn sie eine Band nicht wirklich gut kennen, fährt der Frontmann fort.
Mitunter mag auch das Englisch, das Deutsch Sprechenden historisch bedingt näher liegt, als Französisch Sprechenden, eine Grund für Raphs Feststellung, Deutschschweizer rocken mehr, als Welsche, sein. Der Magicrays-Sänger ist überzeugt, dass Rockmusik besser in Englisch wirkt, als in irgend einer anderen Sprache. Deswegen singt er trotz Muttersprache Französisch in Englisch. Und weil er sich den Rock'n'Roll und die Musik derart verinnerlicht hat, sagt Raph über sich selber, er wäre der glücklichste Mensch der Welt, wenn er jeden Tag Musik machen könnte. „Leider ist das in der Schweiz fast unmöglich. Deshalb geniesse ich jedes Konzert, das wir spielen.“ Auch wenns am selben Tag am selben Festival gleich deren zwei sind...
Dass der Fünfer aus Lausanne internationale Ambitionen hat, deutet er nicht nur mit qualitativ hochstehendem Alternative-Sound an, sondern auch mit der Wahl seines Produzenten. Kein geringerer als John Parish (u.a. PJ Harvey, Eels) hantierte bei den letzten beiden Alben der Magicrays an den Reglern. Für die Band sei er immer schon ein Favorit gewesen und sie hätten sich alle riesig gefreut, mit Parish zusammen zu arbeiten, betont der Frontmann. Denn: Parish habe eine eigene Handschrift und kreiere einen speziellen Sound. „Für das nächste Album werden wir ihn wieder anfragen und hoffen, dass er Zeit hat“, sagt Sänger Raph, „denn er ist einfach grossartiger Musiker und Produzent.“ Bis es allerdings soweit ist, dürfte es laut Raph noch ein bis zwei Jahre dauern. Zunächst geht es nach weiteren Konzerten in der Schweiz im September nach Deutschland, dann wieder zurück in die Schweiz auf Tour.